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Schadenersatz-Forderung : Uhrenbastler Ahmed will Geld sehen

Ahmed Mohammed und seine Familie haben Amerika hinter sich gelassen Bild: dpa

Eine fragwürdige Festnahme machte den Teenager aus Texas zum Star. Ahmeds Anwälte fordern nun 15 Millionen Dollar als Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Familie hat das Land verlassen.

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          Am Montag haben Rechtsanwälte Briefe an die Verwaltung der texanischen Stadt Irving und die Schulbehörde geschickt, in denen sie insgesamt 15 Millionen Dollar Schadenersatz und Schmerzensgeld für ihren Mandanten verlangen: Den 14 Jahre alten Ahmed Mohamed, der als Clock-Kid oder der „Junge mit der Uhr“ zu kurzer Berühmtheit kam.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Kaum eine Episode sagt so viel aus über die aktuelle Stimmungslage in den Vereinigten Staaten wie die traurig-bizarre Geschichte des muslimischen Schuljungen. Er hatte eine Uhr gebastelt und sie mit in seine Schule im texanischen Irving genommen, um sie seinem Naturwissenschaftslehrer  zu zeigen. Der lobte das Gerät, empfahl aber, sie besser verborgen zu halten. Im Englisch-Unterricht begann die Uhr zu piepen, die Lehrerin ließ sich den Apparat zeigen und holte die Polizei. Für die sah die Uhr wie eine Bombe aus. Polizisten fesselten den Jungen mit Handschellen und nahmen ihn fest. Die Ermittlungsbehörden prüften, ob der der 14 Jahre alte Sohn sudanesischer Einwanderer seine Schule mit einer Bombe oder Bombenattrappe bedrohen wollte, stellten das Ermittlungsverfahren aber schnell ein. Die Schule suspendierte Ahmed Mohamed für drei Tage, ohne Gründe öffentlich zu machen.   

          Woge der Sympathie

          Was dann geschah, war auch ziemlich amerikanisch. Der Junge bekam eine Woge der Sympathie über die üblichen sozialen Netzwerke zu spüren. Die Nerds machten Stimmung, sahen sie doch einen der ihren in Bedrängnis  Er wurde zum Superstar, für den sich die Türen der Zentrale von Google, von Facebook und des Weißen Hauses öffneten. Mark Zuckerberg sagte Ahmed Unterstützung zu, Hillary Clinton lobte ihn über den grünen Klee. Barack Obama hielt Smalltalk mit dem Jungen am vom Weißen Haus ausgerufenen Tag der Astronomie am 19. Oktober. Zuvor hatte der Präsident getwittert „Coole Uhr, Ahmed. Möchtest Du sie mitbringen zum Weißen Haus?“

          Obamas Sprecher hatte vorher verbreitet, der Fall Ahmed Mohamed sei ein Paradebeispiel  für unbegründete Vorurteile. Rassismus, Islamphobie und Hysterie wurden als Ursache für die „robuste“ Festnahme des jungen Mannes vermutet. Nicht alle teilten allerdings diese Haltung. Neben konservativen Meinungsbildnern hatte auch der einflussreiche, links stehende Talkmaster und  Kabarettist Bill Maher wenig an der Behandlung des Jungen auszusetzen.

          Zwei Tage nach dem Besuch des Präsidenten wurde bekannt, dass die Familie nach Qatar umzieht. Dort hat eine Organisation dem Jungen ein Stipendium für die gesamte Ausbildung versprochen. Was den Ausschlag für den Umzug gab, ist nicht ganz klar. Aber die Stimmung gegenüber Muslimen wird feindseliger in den Vereinigten Staaten. Das zeigen nicht zuletzt Äußerungen der beiden führenden Bewerber für eine republikanische Präsidentschaftskandidatur: Ben Carson und vor allem Donald Trump. Der Immobilienunternehmer hatte gesagt, es sei erwägenswert, amerikanischen Muslimen das Tragen von Ausweisen abzuverlangen, die sie als solche identifizierten.

          Beispiel für den Amerikanischen Traum

          Amerika verliert zumindest vorübergehend nicht nur einen viel versprechenden Bastler. Sein Vater, ein gläubiger Muslim, lebte eine typisch amerikanische Aufstiegsgeschichte. Er hatte in seiner Heimat Philosophie studiert, war aus dem Sudan geflohen, hatte als Hot-Dog-Verkäufer in New York angefangen, um sich nach und nach zu einem Kleinunternehmer im Taxigewerbe hoch zu arbeiten. Er lebte mit seiner Familie in einem bescheidenen Haus in Irving, einer Vorstadt von Dallas.       

          Die Anwälte des jetzt in Qatar lebenden Jungen machen in ihren Schreiben geltend, ihr Mandant sei öffentlich misshandelt worden. In den Briefen drohen die Anwälte mit Klagen. Sie verlangen zudem schriftliche Entschuldigungen.

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