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Saudi-Arabien : Der König auf Geschäftsreise in Asien

Könige unter sich: Salman von Saudi-Arabien und Muhammad V von Malaysia Bild: Reuters

Die Delegation des saudischen Königs zählt 1500 Menschen, sein Essen bringt er selbst mit. Anders als in früheren Jahren aber braucht Salman bin Abdulaziz die Asiaten.

          2 Min.

          Es ist eine angenehme Mischung aus Dienst- und Urlaubsreise, die der saudische König nun nach Asien angetreten hat. Fehlen wird es ihm an nichts: Die von 600 auf 1500 Menschen angeschwollene Delegation hat nicht nur zwei Mercedes S-Klassen 600 für Landausflüge mit sich, sondern auch elektrische Rolltreppen für das Besteigen des Flugzeuges und 450 Tonnen Gepäck sowie Halal-Nahrung, die eigene Köche zubereiten werden. Ermüden den Monarchen die Geschäfte, rastet er auf Bali oder auf den Malediven, wo die Saudis gleich drei Resorts gemietet haben. In Malaysia, seiner ersten Station, hat er drei Luxushotels und 100 Mietwagen gebucht.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zwischen den Inselpausen wird es ernst. Am ersten Tag verteilten die Araber gleich 7 Milliarden Dollar an das muslimische Malaysia. Saudi Aramco beteiligt sich mit der Summe an einer Raffinerie, die die staatliche malaysische Ölgesellschaft Petronas in Johor, gegenüber von Singapur, baut.

          Haddsch als Geschäftsbereich

          Der Gesamtpreis der petrochemischen Anlage wird auf 27 Milliarden Dollar geschätzt. Das Abkommen soll heute im Beisein von König Salman bin Abdulaziz unterzeichnet werden. Aramco soll rund 50 Prozent des Öls liefern, dass das künftige Refinery and Petrochemical Intergrated Development (Rapid) verbraucht.

          Seinen Betrieb soll Rapid 2019 aufnehmen. Malaysia ist nicht nur als Käufer von Öl für die Saudis von Bedeutung. Mehr als 3200 Visa werden täglich für Malaysier für Pilgerfahrten nach Mekka und Medina ausgestellt. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern ist im vergangenen Jahr um knapp 20 Prozent auf 13,2 Milliarden Ringgit (2,8 Milliarden Euro) gestiegen.

          Einfluss stärken

          Saudi Arabien ist seit langem ein enger Verbündeter Malaysias. Das Land stützt auch Ministerpräsident Najib Razak in der Affäre um rund 700 Millionen Dollar, die zwischenzeitlich auf seinem Privatkonto gelandet waren und einige ausländische Banker in Singapur zu Fall brachten. Malaysia selber schafft mit der Nähe zu den Arabern einen gewissen Ausgleich zum Vordringen Chinas, das jüngst Investitionen über 144 Milliarden Ringgit (30,63 Milliarden Euro) in Malaysia zugesagt hatte.

          Von Malaysia aus reist der König weiter nach Indonesien, mit mehr als 240 Millionen Menschen das größte muslimische Land der Erde und die größte Volkswirtschaft Südostasiens. Auch dort will Saudi-Arabien seinen Einfluss verstärken.

          Investoren gesucht

          Danach folgen Besuche in China und Japan, mit jeweils mehr als 20 Milliarden Dollar jährlich gemeinsam mit Amerika die größten Käufer arabischen Öls. Dass der König seine große Asienreise antritt, noch bevor er sich mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump trifft, verstehen die Asiaten als Zeichen.

          Das Interesse der Saudis an China und Japan deckt sich mit dem, das alle anderen haben, die anklopfen: Angesichts sinkender Ölpreise suchen sie selbst nach Auslandsinvestoren. In Gesprächen mit den Regierungen in Peking und Tokio will König Salman ausloten, ob die reichen Asiaten nicht in Sektoren wie Logistik und Infrastruktur auf der arabischen Halbinsel investieren wollten.

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