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Samsung : Diese Fehler ließen das Galaxy Note 7 brennen

Geknickt: Samsung-Mobile-Präsident Koh Ding-Jin bei der Pressekonferenz zu den Brandursachen beim Galaxy Note 7 Bild: EPA

Defekte Akkus oder zu enge Hüllen: Diese beiden Fehler waren die Ursache für die brennenden Handys des Typs „Note 7“. Für Samsung ist das Ergebnis der Untersuchungen beruhigend und beunruhigend zugleich.

          Nach einer monatelangen Untersuchung hat Samsung Electronics als Grund für die Überhitzungen des Handys Galaxy Note 7 die Akkus gefunden. Samsung spricht von Problemen im Design und in der Herstellung. Manche der Energiebündel waren defekt, bei anderen war offenbar die Hülle zu eng. Samsung präsentierte zugleich Testergebnisse von drei unabhängigen Analyseunternehmen, darunter der TÜV Rheinland. Die Ergebnisse deckten sich mit der Untersuchung Samsungs, ließen aber Fragen offen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Wenige Wochen nach der Markteinführung hatte Samsung das Handy-Spitzenmodell Galaxy Note 7 im September erst zum Austausch zurückgerufen und im Oktober ganz vom Markt genommen, nachdem Dutzende der Handys in Brand geraten waren oder überhitzten. Das Debakel hatte Samsung und seine Kunden geschockt und die Reputation des südkoreanischen Elektronikherstellers, der dem Volumen nach den Smartphone-Markt dominiert, lädiert. Mehr als 3 Millionen Handys des Typs Note 7 hatte Samsung schon ausgeliefert und mittlerweile 96 Prozent davon wieder eingesammelt.

          Das Unternehmen übernehme die Verantwortung für „unser Versagen, die Probleme beim Batterie-Design und beim Produktionsprozess vor der Markteinführung des Note 7 zu erkennen und bestätigen“, sagte der Leiter der Smartphone-Sparte, Koh Dong-jin, in Seoul vor Journalisten. Samsung will mit besseren Kontrollen und wissenschaftlicher Beratung Handyschäden künftig vermeiden.

          Batteriehüllen zu eng

          Auch wenn der Fehler in den Akkus lag, will Samsung die entsprechenden Zulieferer nach den Worten Kohs nicht verklagen. Samsung Electronics schätzt den Schaden durch das Handy-Debakel auf mehr als 6 Milliarden Won (4,9 Milliarden Euro). Trotz der großen Medienaufmerksamkeit um die brennenden Handys ist Samsung wirtschaftlich schon darüber hinweg. Am Dienstag will das Unternehme seine Ergebnisse für das Schlussquartal 2016 vorlegen. Die gute Vorausschau auf die Ergebnisse hatte Anfang Januar den Aktienkurs auf ein Rekordhoch getrieben.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Mehr als 700 Forscher und Ingenieure testeten nach den Angaben Samsungs mehr als 200.000 Handys und mehr als 30.000 Akkus, um in Testreihen zu erforschen, warum die Handys sich selbst entzündeten. Die Untersuchungen zeigen, dass es zwei verschiedene Fehler gab.

          Bei einem Akku waren die Batteriehüllen zu eng, so dass es Verformungen in der oberen rechten Ecke gab. Das führte wahrscheinlich zu Kurzschlüssen. Bei dem Hersteller dieser Akkus, die anfänglich das Gros der Note-7-Akkus ausmachten, handelt es sich dem Vernehmen nach um Samsung SDI, ein Unternehmen der Samsung Gruppe. Nicht ganz klar ist, warum es zu den Verformungen kam.

          Beruhigend und beunruhigend zugleich

          Es seien weitere Untersuchungen nötig, um den Hauptgrund für die Verformungen in den oberen Ecken zu finden, erklärte das amerikanische Unternehmen UL, das von Samsung als Gutachter beauftragt worden war. Samsung SDI erklärte, es habe 150 Milliarden Won in die Sicherheit seiner Akkus investiert und gehe davon aus, dass Lithium-Ionen-Akkus in den kommenden Samsung Handys Verwendung fänden.

          Die anderen Akkus zeigten diesen Fehler nicht. Sie waren aber offenbar schlecht produziert, was zu Selbstentzündungen führte. Schweisspunkte im Innern der Akkus waren zu dick, zum Teil fehlte Isolierband. Das sind Zeichen, dass die Produktion schnell ausgedehnt wurde, nachdem Samsung im ersten Rückruf die SDI-Akkus ausgemustert hatte. Diese Akkus stammen dem Vernehmen nach vom chinesischen Unternehmen Amperex Technology Ltd., einer Tochtergesellschaft der japanischen TDK.

          Für Samsung Electronics ist das Ergebnis der Untersuchungen beruhigend und beunruhigend zugleich. Es ist beruhigend, weil viele der vermuteten Fehler als Ursachen ausgeschlossen wurden, sowohl von Samsung als auch von den unabhängigen Experten. Weder die Elektronik des Handys oder der Ladegeräte noch die Software-Programme auf dem Handy sind danach defekt gewesen. Das ist Balsam für die Seele der Samsung-Ingenieure, deren Ruf durch das Debakel arg gelitten hat.

          Beunruhigend ist das Ergebnis zugleich, weil Samsung Electronics nicht aus dem Schneider ist. Samsung zeigte Mängel in der Qualitätssicherung von zugelieferten Produkten. Auch hatte Samsung den Zulieferern die technischen Eckdaten (Zielspezifikationen) für die Akkus gesetzt. Die unabhängigen Gutachter verwiesen in ihren Präsentationen darauf, dass in den Akkus sehr dünne Isolierfolien zwischen den Batterieteilen verwendet wurden und die Akkus eine hohe Energiedichte aufwiesen. Beides erhöhe das Risiko von Defekten und Kurzschlüssen. Das deutet darauf hin, dass Samsung in dem flachen Handy-Spitzenmodell zu viel Energie auf zu engem Raum unterbringen wollte.

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