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13 Tage, die es nie gab : Russland träumt vom alten Kalender

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Die russische Kirche träumt von ihrer glorreichen Vergangenheit und will das Rad auch kalendarisch zurückdrehen. Bild: dpa

Die neue Zeitrechnung begann für die Russen 1918 mit einem Loch im Geldbeutel. Die Kirche träumt heute von einer Rückkehr zu den alten Zeiten.

           Was geschah in Russland zwischen dem 1. und dem 13. Februar 1918? Antwort: Nichts, diese 13 Tage hat es nie gegeben. Vor 100 Jahren mitten in den Wirren nach der Oktoberrevolution stellte die neue kommunistische Macht auch noch den Kalender um. Auf den 31. Januar folgte direkt der 14. Februar. Damit wurde der Rückstand des altkirchlichen julianischen Kalenders auf den in Westeuropa gebräuchlichen gregorianischen Kalender aufgeholt. Dieser war von Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 eingeführt worden. Lohn bekamen die Russen in jenem Kurz-Februar übrigens nur für die verbleibenden Tage.

          Die junge Sowjetregierung legte in einem Erlass fest, „in Russland die bei fast allen Kulturvölkern übliche Zeitrechnung einzuführen“. Das passte zur Weltsicht von Revolutionsführer Lenin, der auf weitere Umstürze in anderen Ländern hoffte. Ein allmähliches Angleichen - etwa jedes Jahr einen Tag - lehnte Lenin ab. Der Religionsfeind beschloss die radikale Reform, der die russisch-orthodoxe Kirche nicht folgen konnte und wollte.

          So lebt Russland seit einem Jahrhundert zwischen zwei Zeitrechnungen. Im Alltag gilt der neue Kalender. Die Kirchenfeste folgen nach alter Rechnung mit derzeit 13 Tagen Abstand. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, Neujahr zweimal zu feiern“, freute sich der Schriftsteller Jewgeni Wodolaskin in der Zeitung „Iswestija“.

          Im nachsowjetischen Russland setzt die Kaufrausch- und Feiertagsphase mit dem westlichen Weihnachten am 25. Dezember ein. Sie reicht dann drei Wochen über die Stationen Neujahr (1. Januar) und orthodoxe Weihnachten (7. Januar) bis zum alten neuen Jahr (13./14. Januar). Kleine Reibungen bleiben: So fällt Neujahr als Hauptfamilienfest mit üppigem Essen in das orthodoxe Weihnachtsfasten.

          Je mehr Russland sich aber, politisch gefördert, auf seine orthodoxen Wurzeln besinnt, desto lauter kommt aus der Kirche der Ruf, zum alten Kalender zurückzukehren. „Ein Kalender sind nicht nur Zahlen auf dem Papier, das ist Teil der Lebenswelt“, sagte Vize-Kirchensprecher Alexander Schtschipkow dem kirchlichen Sender Spas TV. „Wir leben in einer orthodoxen Welt und sollten darin bleiben.“ Die kommunistischen Bolschewiki hätten mit ihrer Reform nur die Tradition der bäuerlichen russischen Bevölkerung brechen wollen.

          Tatsächlich veränderten die Revolutionäre die russische Lebenswelt nicht nur politisch. Nach dem neuen Kalender führten sie 1918 auch das metrische System ein, das ein Kind der französischen Revolution ist. Alte russische Maße wie Arschin (71 Zentimeter), Werst (1,06 Kilometer), Desjatine (1,1 Hektar) oder Pud (16,38 Kilogramm) verschwanden. Noch im gleichen Jahr setzten die Bolschewiki eine neue, vereinfachte Rechtschreibung durch, die bis heute gilt.

          Das Grundproblem des julianischen Kalenders, benannt nach dem römischen Kaiser Julius Caesar, ist, dass sein Jahr rechnerisch 11 Minuten und 14 Sekunden länger ist als das Sonnenjahr. Damit würden über die Jahrtausende Neujahr und Weihnachten in den Sommer wandern, doch den Kirchenvertreter Wsewolod Tschaplin stört das nicht: „Die Südhalbkugel lebt ja auch mit einem sommerlichen Weihnachten.“

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