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Rückruf für Küchenmaschinen : Ein Weihnachtsalbtraum für Köche

Vorsicht zerbrechlich! Bild: AP

Ein spektakulärer Rückruf von Küchenmaschinen hat vielen Amerikanern die Feiertage verdorben. Manche finden das so schlimm wie den Volkswagen-Skandal.

          2 Min.

          Es ist die „Foodie-Version des Dieselrückrufs von Volkswagen“. So nannte es zumindest Jason Perlow, Gründer von mehreren Blogs rund um das Thema Essen. Wenige Tage vor Weihnachten hat der Haushaltsgerätehersteller Conair die Amerikaner mit einem spektakulären Rückruf in Aufregung versetzt. Betroffen waren acht Millionen Küchenmaschinen der Marke „Cuisinart“, von denen nach Angaben einer amerikanischen Verbraucherschutzbehörde Verletzungsgefahr ausgeht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das sind nicht irgendwelche Produkte. Die Cuisinart-Geräte, die zum Teil mehrere hundert Dollar kosten, sind in vielen amerikanischen Haushalten ein unverzichtbarer Helfer. Ob schneiden, hacken, mahlen, kneten oder pürieren: Die Cuisinart-Geräte erledigen all das in Sekundenschnelle und sparen Köchen viel Zeit, gerade wenn ein größeres Mahl zuzubereiten ist.

          Völlig unvorbereitet

          Das macht den Rückruf kurz vor den Feiertagen umso misslicher. „Cuisinart hat Weihnachten ruiniert,“ schrieb ein Twitter-Nutzer. Auf der Facebook-Seite von Cuisinart jammerte jemand: „Ich brauche meine Küchenmaschine wirklich.“ Erschwerend kommt hinzu, dass der Cuisinart-Hersteller Conair auf einen solch umfangreichen Rückruf offenbar überhaupt nicht vorbereitet war.

          Bei der Telefon-Hotline des Unternehmens war oft kein Durchkommen. Die Internetseite, auf der betroffene Kunden ein Ersatzmesser für ihr Gerät anfordern konnten, war zeitweise nicht erreichbar. Und denjenigen, die das Ersatzteil erfolgreich bestellten, teilte das Unternehmen nicht mit, wann es ausgeliefert wird. Besitzern der Geräte wurde also keine Hoffnung gemacht, dass die Lieferung rechtzeitig vor Weihnachten kommt.

          Defekte schon seit fünf Jahren

          Anlass für den Rückruf waren 69 Beschwerden von Kunden, die angaben, sie hätten abgebrochene Teile des Messers ihrer Küchenmaschine in ihrem Essen gefunden. In 30 dieser Fälle seien Schnittwunden am Mund oder Zahnverletzungen gemeldet worden. Betroffen sind Geräte, die zwischen 1996 und 2015 verkauft worden sind. Nach Angaben der Verbraucherschutzbehörde ist es einer der drei größten Rückrufe von Haushaltsgeräten in der amerikanischen Geschichte.

          Wie die „New York Times“ herausfand, hat auch der Chef der Behörde eine der vom Rückruf betroffenen Cuisinart-Maschinen im Haus. Der Rückruf kommt offenbar nicht ganz aus dem Nirgendwo. So gab es nach Angaben der Zeitung schon 2011 Beschwerden auf der Internetseite der Behörde, und auch beim Online-Händler Amazon sei in den Kundenbewertungen vor Defekten gewarnt worden.

          Die Cuisinart-Küchenmaschinen wurden 1971 von einem amerikanischen Ehepaar auf den Markt gebracht. Inspiration dafür war eine kommerzielle Küchenmaschine für Restaurants, die das Paar in Frankreich gesehen hatte. Im Laufe der Jahre wurde aus Cuisinart eine Marke mit einer breiten Palette von Küchenprodukten, von Mikrowellen über Toaster bis hin zu Kochtöpfen. 1989 wurde die Marke von Conair übernommen. Die Küchenmaschine ist bis heute ihr bekanntestes Produkt.

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