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Energieversorgung : Rückenwind für die Renaissance der Kernkraft in Japan

Kenkraftwerk im Südwesten Japans. Bild: AFP

Japan findet Unterstützung für sein Bemühen um eine Renaissance der Kernenergie. Die Nutzung der Kernkraftwerke sei entscheidend, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, analysiert die Internationale Energieagentur.

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          Japan muss wieder zur Nutzung der Kernenergie zurückkehren, wenn es wie vereinbart den Ausstoß -von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 verringern möchte. Diese Empfehlung gibt die Internationale Energieagentur in ihrer jüngsten Analyse der japanischen Energiepolitik. Der Wiedereinstieg in die Kernenergie sei „entscheidend“, heißt es in dem Bericht. Das Wiederanschalten der stillgelegten Atomkraftwerke nach abgeschlossener Sicherheitsüberprüfung sei der kosten-effektivste Weg, um den nationalen Energieplan anzugehen und die japanischen Klimaziele zu erreichen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Sollte die Kernenergie bis 2030 nicht den angestrebten Anteil an der Stromversorgung von 20 bis 22 Prozent erreichen, wäre es „extrem teuer“, die Lücke mit erneuerbaren Energien zu schließen, warnen die Fachleute der Energieagentur. Japan würde dann aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Gas und Kohle verwenden und es wäre kompliziert, wenn nicht unmöglich, die Treibhausgasziele noch mit nationalen Mitteln zu erreichen.

          Nach der Kernschmelze in den Reaktorblöcken im Kraftwerk Fukushima Daiichi 2011 hatte Japan alle Kernkraftwerke abgeschaltet. Die meisten der Kraftwerke sollen einer verschärften Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, um danach wieder ans Netz zu gehen. Bislang haben erst fünf Reaktoren die Sicherheitsprüfung erfolgreich überstanden. Davon aber laufen nur drei, nachdem zwei Reaktoren nach Bürgerprotesten auf gerichtliche Anweisung wieder abgeschaltet wurden.

          Japan fehlte nach Fukushima 30 Prozent der Stromversorgung

          Japan hat sich international dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 26 Prozent - gemessen am Jahr 2013 - zu verringern. Die Regierung will dieses Ziel mit einem breiten Energiemix erreichen, in dem auch die Kernenergie mit einem Anteil von etwa 20 bis 22 Prozent eine Rolle spielt. Damit hat Japan seine nuklearen Ambitionen deutlich zurückgeschraubt. Vor dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi strebte das Land noch einen nuklearen Anteil von 50 Prozent an der Stromversorgung an.

          Dem rohstoffarmen Land fehlten nach der Abschaltung der Kernkraftwerke im Gefolge des Fukushima-Desasters etwa 30 Prozent der Stromversorgung. Diese Lücke wurde zu hohen Kosten vorwiegend mit Gas, Öl und Kohle geschlossen. Entsprechend stieg der Ausstoß an Treibhausgasen in der Stromerzeugung um ein Viertel und die Strompreise stiegen drastisch. Die Energieagentur nennt für Haushalte einen Anstieg um 16 Prozent und für die Industrie von 25 Prozent.

          Die Regierung hält die Nutzung der Kernenergie für unerlässlich, um die Stromkosten nicht noch weiter steigen zu lassen. Auch möchte sie die Energieunabhängigkeit Japans wieder verbessern. Der Anteil der eigenen Energieversorgung am Energieverbrauch ist mit dem Abschalten der Kernkraftwerke drastisch von etwa 20 auf zuletzt 7 Prozent gesunken. Japan strebt auf mittlere Sicht einer Autarkiequote von etwa 25 Prozent an.

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