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Riesenprojekt in Guinea : Wenn Konzerne Länder entwickeln

Begehrtes Eisenerz Bild: REUTERS

Konzerne können heute ganze Länder stützen – oder an den Rand ihrer Existenz bringen. Der zweitgrößte Bergbaukonzern der Erde startet ein Riesenprojekt, das Guinea in Westafrika vollständig verändern soll. Alle hoffen, zum Guten.

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          Der Bergbauriese Rio Tinto hebt in Guinea gemeinsam mit China Eisenerz. Das soll die Wirtschaftsleistung des afrikanischen Landes verdoppeln.Ein Konsortium um den australisch-britischen Konzern wird rund 20 Milliarden Dollar investieren, um in Guinea eine Eisenerzmine zu öffnen. Diese Größenordnungen übertreffen die Summen, die Bergbauunternehmen derzeit angesichts volatiler Märkte und einer Abkühlung in China bereit sind, in die Hand zu nehmen. So hat auch Rio Tinto, das selbst einen Anteil von 46,6 Prozent an dem Projekt halten wird, potente Partner: Am Simandou-Projekt sind die Aluminum Corp. of China Ltd. mit 41,3 Prozent und der Finanzierungsarm der Weltbank, die International Finance Corp. mit 4,6 Prozent beteiligt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Gerade australische Bergwerkskonzerne sind mehr und mehr frustriert von der Lage in ihrer Heimat: Das Investitionsklima, der hohe Außenwert des australischen Dollar und hohe Steuern machen zunehmend Bergwerke unrentabel. Zugleich aber wird es schwieriger, andere Vorkommen zu erschließen, da sie immer öfter nur noch in entlegenen Gegenden zu finden sind und ihre Ausbeutung wachsenden politischen Einschränkungen unterliegt. Insofern ist die Entwicklung der Blöcke drei und vier des Simandou-Vorkommens eine seltene Möglichkeit für Rio Tinto.

          Der Staat Guinea wird einen Anteil von 7,5 Prozent an der Betreibergesellschaft Simfer zeichnen, wenn das Investitionsprojekt vom Parlament abgesegnet ist. Über 20 Jahre können die Afrikaner ihren Anteil auf bis zu 35 Prozent aufstocken, wobei die letzten 20 Prozent bezahlt werden müssen. Letztlich haben die Afrikaner kaum eine Wahl: Arbeitet die Mine unter Volllast, dürfte sie das Bruttoinlandsprodukt Guineas schlicht verdoppeln. Die Regierung soll mit 3,5 Prozent am Eisenerzexport beteiligt werden. Zudem fallen Hafen und Eisenbahnlinien, die die Investoren nun bauen müssen, nach drei Jahrzehnten an den Staat. Rund 45.000 Stellen sollen im Umfeld der Mine entstehen.

          Jährlich rund 100 Millionen Tonnen Erz

          Simandou ist das größte unberührte Eisenerzvorkommen weltweit. Die Strategen von Rio Tinto rechnen damit, von hier aus über vier Jahrzehnte jährlich rund 100 Millionen Tonnen Erz liefern zu können. Ab 2018 soll mit dem Abbau begonnen werden. Allein die Eisenbahnstrecke zum Hafen muss 650 Kilometer überbrücken. An der Küste muss ein eigener Tiefseehafen für die Frachter gebaut werden. Rio Tinto spricht von einem „Südlichen Wachstumssektor“, der in Guinea dank des Bergwerkes entstehen werde.

          Alpha Condé, der Präsident von Guinea, erklärte: „Dieses Projekt mit seinen massiven Investitionen in Infrastruktur ist von entscheidender Bedeutung für die Menschen in Guinea. Es reicht weit über die üblichen Minen und auch über Generationen hinaus. Mit transparenten und fairen Abkommen hat unser Bergwerkssektor die Möglichkeit, die Lage in Guinea vollständig zu ändern. Das Projekt ist auch ein Symbol für die enormen Anstrengungen unseres Kontinents, sich den Anforderungen der Infrastruktur zu stellen und ein Wachstum zu schaffen, von dem allen profitieren.“

          Doch natürlich laufen auch solche Großprojekte nicht ohne Streit. Ursprünglich hielt Rio Tinto die Rechte an allen vier Parzellen von Simandou. 2008 aber ließ die Regierung ein Gemeinschaftsunternehmen des brasilianischen Rio-Tinto-Konkurrenten Vale mit dem israelischen Milliardär Beny Steinmetz zugreifen – seitdem sind die Rechte für den Abbau halbiert. Im April verklagte Rio Tinto dann Vale und Steinmetz, weil sie angeblich Abbaurechte stehlen wollten. Die beklagte Partei widerspricht massiv.

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