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Regierung verspricht neue Anlagestrategie : Börse in Tokio jubelt über Japans neuen Sozialminister

Kurstafel in Tokio am Dienstag Bild: AFP

Ein Name ist es vor allem, der dem japanischen Aktienmarkt am Dienstag und Mittwoch neuen Schwung gegeben und zwischenzeitlich auf ein neues Sieben-Monats-Hoch getrieben hat.

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          Lange nicht hat eine Kabinettsumbildung die Börse in Tokio so beflügelt wie die, die Japans Ministerpräsident Shinzo Abe an diesem Mittwoch vorgenommen hat. Offiziell war noch keine der Personalien bestätigt, da jubelten die Anleger auf dem Parkett schon. Denn Yasuhisa Shiozaki, ein enger Vertrauter Abes, ist neuer Sozialminister Japans.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Shiozaki, bislang an der Spitze der politischen Planungsabteilung der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), gilt wie Abe als Politiker, der Japans staatlichen Pensionsfonds zu einer riskanteren Anlagestrategie bewegen will. Als Sozialminister bekommt Shiozaki jetzt direkten Zugriff auf den größten Pensionsfonds der Welt. 22 Billionen Yen (160 Milliarden Euro) seines 127 Billionen Yen (923 Milliarden Euro) Anlagevermögen hält der staatliche Pensionsfonds GPIF in japanischen Aktien. Das sind 1,12 Billionen Yen mehr als ein Quartal zuvor. Obwohl Abe die Fondsmanager seit langem drängt, mehr in Aktien zu investieren, sind sie vorsichtig geblieben.

          Abe verspricht neue Anlagestrategie

          Abe hatte auf dem letzten Weltwirtschaftsforum in Davos eine – wie er es nannte – „erhebliche“ Änderung der Anlagestrategie des staatlichen Pensionsfonds versprochen. Mit seinem klaren Schwerpunkt auf Anleihen kann der staatliche Pensionsfonds sein Renditeziel nicht erreichen. Abe hofft, dass mit dem Staatsfonds auch die 190 anderen Pensionskassen in Japan mit ihrem Vermögen von insgesamt 200 Billionen Yen ihre Anlagestrategie überdenken. Das Sozialministerium unter der Führung Shiozakis dürfte den GPIF schon bald stärker drängen, den Anteil heimischer Aktien von 16,8 Prozent – Stand Ende Juni – schnell auf 20 Prozent zu erhöhen. Das würde insgesamt rund 4,1 Billionen Yen in die Aktienmärkte spülen, hoffen Marktbeobachter.

          Die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ rechnete in ihrer Dienstagsausgabe allerdings vor, dass die Effekte möglicherweise über-schätzt würden. Seit 2009 muss der Fonds bereits Anleihen verkaufen, um Pensionen zahlen zu können. Mehr als 5 Billionen Yen sind das jährlich. Der Anteil der Aktien am Anlagevermögen würde damit in den kommenden Jahren auch dann auf die angestrebten 20 Prozent steigen, wenn der Fonds nicht verstärkt in Aktien investiert. Auch wenn die Kurse weiter steigen, träte dieser Effekt ein. Sollte der breiter gefasste Aktienindex Topix bis Ende 2015 um 20 Prozent höher liegen als heute, wären es bereits 21,5 Prozent. Für Abe und Shiozako ist vor allem wichtig, dass der Fonds gezwungen wäre, heimische Akten zu kaufen, wenn die Kurse sinken, um die vorgegebenen 20 Prozent zu erreichen.

          Börse auf Sieben-Monats-Hoch

          Sozialminister Shiozaki hat deswegen auch am Mittwoch schon vor dem Kabinettsumbau dem japanischen Aktienmarkt weiter Auftrieb gegeben. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg zwischenzeitlich auf ein Sieben-Monats-Hoch. Im Handelsverlauf notierte er im Frühhandel 0,8 Prozent höher auf 15799 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,6 Prozent zu auf 1305 Zähler. Zu den Gewinnern zählten Finanztitel. Nomura Holdings zogen 1,2 Prozent an, Daiwa Securities 1,7 Prozent.

          Kritiker wiesen darauf hin, dass der 1950 geborene Shiozaki nicht nur für eine marktliberalere Wirtschaftspolitik und für ein stärkeres Engagement der Pensionsfonds am Aktienmarkt steht. In der ersten Regierung Abes 2006 und 2007 war Shiozaki, dessen Karriere bei der Bank von Japan begann, als Kabinettsminister der einflussreichste Minister nach dem Regierungschef. Diese erste Regierung Abes gilt - auch wegen Managementfehlern Shiozakis - als eine der erfolglosesten Nachkriegsregierungen Japans überhaupt.

          Der neue Sozialminister, der selbst Anteilseigner bei den Elektrizitätswerken von Tokio (Tepco) ist, gilt auch als strikter Befürworter der Atomkraft. Er dürfte im Kabinett dafür eintreten, dass die Regierung die ersten der seit der Havarie im Atomkraftwerk Fukushima 2011 abgeschalteten Atomreaktoren in diesem Jahr wieder ans Netz gehen.

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