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Philippinen : Duterte gibt Investoren Rätsel auf

Wahlsieger Rodrigo Duterte ist bekannt für seine geschmacklosen Sprüche. Doch als neuer Präsident muss er die Wirtschaft in Schwung bringen. Bild: AFP

Rodrigo Duterte ist der neue Präsident der Philippinen. Im Wahlkampf fällt er mit geschmacklosen Sprüchen auf. Die Unternehmer des Landes bleiben skeptisch.

          Der voraussichtliche neue Präsident der Philippinen muss sich nun rasch um Investoren kümmern und wirtschaftliche Kompetenz beweisen. Rodrigo Duterte erklärte seinen Sieg. Er kündigte in einer zweistündigen Rede an, Korruption bekämpfen zu wollen und die Infrastruktur auszubauen. Damit gewinnt er die Herzen der immer noch gut 25 Prozent der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Das Land mit seinen gut 7000 Inseln verzeichnet die zweithöchste Armutsquote in Südostasien nach Burma (Myanmar).

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Doch auch die Mittelschicht träumt von besseren Lebensbedingungen. Die Wachstumsrate von 5,8 Prozent führt zu einem Engpass an Straßen, Brücken, Häfen und Flughäfen, die Fahrt durch die Hauptstadt Manila dauert Stunden.

          Die Asiatische Entwicklungsbank geht von 6,1 Prozent Wachstum für das Land in diesem Jahr aus. „Allerdings ist der Ausblick für den wichtigsten Exportmarkt Japan mit einem Anteil von 21 Prozent und China (11 Prozent) ohne Glanz“, warnt die ADB. Trotzdem würde ein weiterhin hoher Wert dem neuen Präsidenten zunächst Rückenwind verschaffen.

          In den vergangenen sechs Jahren wuchs das Land unter Führung von Benigno Aquino III im Durchschnitt um 6,2 Prozent; so schnell, wie zuletzt in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Bevölkerung, deren Durchschnittsalter unter 23 Jahre liegt, ist hungrig auf den Aufschwung. Doch gelang es dem Präsidenten nicht, die Trennung zwischen den wenigen immens reichen Milliardärsfamilien und der großen Masse der mehr als 100 Millionen Menschen aufzuweichen. Sie sehnten sich augenscheinlich nach jemand, der vorgibt, einer der ihren zu sein und ihre Probleme zu kennen und anzugehen.

          Populismus und Vetternwirtschaft

          Der Kurs des Peso und der Aktienmarkt zeigt seit Wochen die Vorbehalte gegen den neuen Präsidenten. Am Dienstag gab der Peso nur noch leicht nach. Die Entscheidung sei eingepreist, sagten Analysten. „Der Markt ist augenscheinlich emotional, und Angst ist normalerweise eine stärkere Emotion als Hoffnung“, sagte Jose Vistan, Chefanalyst bei AB Capital Securities Inc. Duterte hat sich bislang kaum zu Wirtschaftsfragen geäußert, sondern die Wahl mit populistischen Ankündigungen gewonnen. Investoren gefällt unter anderem nicht, dass Duterte mehrfach ankündigte, langjährige Vertraute und frühere Schulfreunde in Regierungsämter befördern zu wollen.

          So erklärte er am Montag, Carlos Dominguez zum Finanzminister ernennen zu wollen. Er führte unter Präsidentin Corazon Aquino das Agrarressort. Dominguez gehören die Marco Polo Hotels, vor allem aber ist er ein Freund Dutertes aus Kindertagen. Immer wieder erklärte der neue Präsident allerdings, er wolle sich auch in ökonomischen Fragen den Rat von Fachleuten sichern. „Unser Bürgermeister hat Davao investorenfreundlich gemacht“, sagte Bonifacio Tan, der Präsident der Handelskammer jener Stadt, die Duterte 22 Jahre führte. „Er tut wirklich, was er sagt. Er ist etwas emotional, wenn er spricht, wenn er durchdreht nutzt er manchmal Fäkalsprache. Die Art, wie er spricht zeigt aber nicht den wirklichen Regierungschef, der er sein wird.“

          „Vergesst die Menschenrechte“

          Duterte hatte während des Wahlkampfes „Witze“ über Frauen oder Vergewaltigungen gerissen, mit seiner Manneskraft dank Viagra geprotzt und in dem katholischen Land den Papst einen „Hurensohn“ genannt. Auch hielt er sich mit undiplomatischen Bemerkungen über China, Amerika und Australien nicht zurück, die alle im Beziehungsgeflecht des südostasiatischen Landes eine wichtige Rolle spielen. „Vergesst die Menschenrechte“, erklärte Duterte noch am Wochenende mit Blick auf seine Ankündigung, mit Kriminellen kurzen Prozess machen zu wollen. „Ich werde genauso handeln wie als Bürgermeister. Ihr Drogenabhängigen, Räuber und Nichtsnutze, haut besser ab. Denn als Bürgermeister würde ich Euch umlegen.”

          China, dem großen Widersacher der Philippinen und ihrer Schutzmacht Amerika im südchinesischen Meer, bot Duterte am Montag Gespräche über die Territorialstreitigkeiten an.

          Sein Vorgänger Benigno Aquino, dessen Mutter die Demokratiebewegung angeführt hatte, warnte am Samstag bei seiner letzten Kundgebung die Menschen vor Duterte: „Erinnert Euch, wie Hitler an die Macht gekommen ist.“ Der überaus einflussreiche Makati Business Club hatte sich vor der Wahl gegen den „Rambo“ Duterte ausgesprochen. Das ist nicht ungefährlich für den neuen Mann an der Spitze des Volkes. Denn die Geschäftsleute waren an der Absetzung von Diktator Ferdinand Marcos 1986 und Schauspieler Joseph Estrada 2001 beteiligt. An der Milliardärs-Elite des Landes vorbeizuregieren dürfte auch einem Duterte schwer fallen.

          Angeblich hat der Kandidat eine Millionenspende eines Konglomerates für den Wahlkampf abgelehnt, weil er sich nicht abhängig machen wollte. Damit erscheint er den Familiendynastien, die Land und Geld seit Jahrzehnten unter sich aufteilen, unberechenbar. Bedroht fühlen sie sich auch durch Dutertes Ankündigung, ausländischen Investoren höhere Anteile an philippinischen Unternehmen zuzubilligen. Nur das Eigentum an Land soll davon ausgenommen sein.

          Problematisch ist auch sein wahrscheinlicher Stellvertreter: Ausgerechnet Ferdinand Marcos Jr., der Sohn des früheren Diktators, scheint die – separat geführte – Wahl für sich zu entscheiden. Sein Vater plünderte das Land zwischen 1972 bis zu seiner Absetzung 1986. Der junge Marcos hatte sich nie von der Ausbeutung und den Menschenrechtsverletzungen distanziert.

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