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Jahrhundertprojekt fertig : Fragwürdiges Frischwasser

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Süd-Nord-Wasserumleitung in China: Wie viel taugt das Frischwasser? Bild: AFP

Es war ein Jahrhundertprojekt des Großen Vorsitzenden Mao. Jetzt bekommt Peking endlich seine neue Wasserzuleitung. Doch die Menge reicht nicht. Und das Wasser ist schmutzig.

          Von diesem Projekt träumte schon der Vorsitzende Mao. Pünktlich zum neuen Jahr fließt Wasser weit aus dem Süden Chinas durch ein 1432 km langes Kanalsystem in den Norden. Das Jahrhundert-Projekt der „Süd-Nord-Wasserumleitung“ ist nach mehr als zehn Jahren der Bauzeit fertig und soll den Wasserbedarf der chronisch trockenen Ballungszentren Beijing und Tianjin decken . Die Umleitung des Wassers aus dem Süden hat 66 Milliarden Euro gekostet.

          Das Projekt, wird von den chinesischen Staatsmedien als Meisterwerk chinesischer Bautechnik und als Meilenstein der Modernisierung und Industrialisierung Nordchinas gefeiert. In Peking, der benachbarten Industriemetropole Tianjin und der angrenzenden Provinz Hebei konzentrieren sich viele Industrien mit hohem Wasserverbrauch. Ohne eine gesicherte Wasserversorgung können sich die dortigen Eisen- und Stahlwerke, Bergbau und Atomkraftwerke nicht weiter entwickeln, sagen Chinas Wirtschaftsplaner.

          Die große Flut reicht nicht

          Eine Milliarde Kubikmeter Wasser im Jahr soll das gigantische Umleitungssystem allein nach Peking bringen. Doch der große Durst der niederschlagsarmen chinesischen Hauptstadt mit ihren 20 Millionen Einwohnern, die ständig weiter wächst, wird selbst damit noch nicht gelöscht sein. Die Hauptstadt Peking allein verbraucht im Jahr 3.6 Milliarden Kubikmeter Wasser. Der große Wasserbedarf im Norden wird auch durch die Umleitung nicht gedeckt, aber die Lage werde sich etwas entspannen, geben Beamte des Staatlichen Wasserforschungsamtes zu .

          Man hofft, dass durch die Umleitung die Übernutzung des Grundwassers eingedämmt werden kann. Derzeit kommen 60 Prozent des Pekinger Wassers aus dem Grundwasser, 40 Prozent aus Flüssen und Stauseen. Der Grundwasserspiegel unter Peking ist in den letzten Jahren schon um zehn Meter abgesunken. Wenn das Wasser aus dem Süden fließt, soll nur noch die Hälfte von Pekings Wasser aus dem Grundwasser gepumpt werden. Der Grundwasserspiegel soll sich dann auf dem gegenwärtigen Höhe stabilisieren.

          Abwasser oder Frischwasser?

          Doch das Projekt ist seit seiner Planung umstritten, nicht nur wegen seiner hohen Kosten. Schon lange wird gewarnt, dass das Wasser, das nach Norden geleitet wird, extrem verschmutzt ist. Das Danjiangkou –Reservoir in der zentralchinesischen Provinz Hubei, in dem das Umleitungskanalsystem beginnt , ist durch industrielle Abwässer schwer belastet, gibt selbst das Pekinger Umweltministerium zu. Und auf dem Weg nach Norden wird das Wasser noch mehr verschmutzt. Als im November das erste Wasser aus dem Süden in Tianjin ankam war, es so stark verschmutzt, dass man es für unbrauchbar erklären musste.

          Die staatlichen Behörden beteuern jetzt , dass das Wasser dem Standard für Trinkwasser erfüllt. Staatliche Planer beschwichtigen, es sei ganz normal, wenn von jetzt ab das Wasser eine gelbliche Farbe habe, das ergäbe sich aus einem höheren Eisengehalt. Umweltforscher kritisieren dagegen, dass die chinesische Regierung den Standard für Trinkwasser ständig senkt, damit auch verschmutztes Wasser noch als Trinkwasser deklariert werden kann.

          Auch die Folgen für die Regionen des Südens, die ihr Wasser dem Norden abgeben müssen, sind umstritten. Auch diese Regionen brauchen Wasser für die Industrialisierung und schon jetzt fehlt ihrer Landwirtschaft das abgeleitete Wasser. Es sind nicht nur Umweltforscher, die sagen, dass durch effektivere Nutzung Wassersparmaßnahmen und durch Wiederaufbereitung von Wasser besser und kostengünstiger Wasser genutzt werden könnte. Auch der frühere stellvertretende Minister für Stadtentwicklung, Qiu Baoxing, hat die Süd-Nordumleitung für nicht nachhaltig erklärt. Er schlägt stattdessen Entsalzung oder Regenwassernutzung vor.

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