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Nordpolarroute : Klimawandel senkt Transportkosten für die Chinesen

Von wegen ewiges Eis Bild: obs

Um Europa schneller zu erreichen, fahren Frachter aus Fernost immer häufiger durch arktische Gewässer statt durch den Suezkanal. Möglich macht das die Erderwärmung, zu der China erheblich beiträgt.

          Bei aller Selbstzerfleischung Europas wissen zumindest unsere Geschäftspartner, was sie an uns haben. Die EU ist der größte Wirtschaftsraum der Welt und der bedeutendste Handelspartner für die wichtigste aufstrebende Macht, für China.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Aufgrund der enormen Entfernung spielen bei diesem Warenaustausch Lieferzeiten und Transportkosten eine entscheidende Rolle. Die Volksrepublik wickelt 90 Prozent ihres Außenhandels per Seefracht ab, nach Europa verläuft die Route zumeist durch den Suezkanal. Doch das soll sich ändern, wenn man Zhai Jiugang glauben kann, dem stellvertretenden Leiter des Ministeriums für die Handelsmarine.

          In Peking sagte er, künftig würden immer mehr Schiffe durch das Nordpolarmeer gelotst. Das würde die Strecke um fast 5200 Kilometer oder 9 Tage auf dem Meer verkürzen. Im zurückliegenden Sommer haben schon 46 Frachter diese Abkürzung genommen. Diese Zahl dürfte signifikant steigen, je schiffbarer die arktischen Gefilde werden.

          Der Nutzen des Umweltschmutzes

          Medien berichten, dass die Route aufgrund der Erderwärmung weniger häufig zugefroren ist als früher – angeblich eine Folge des Klimawandels. Das Pikante an der Geschichte: China ist der größte Emittent der so genannten Treibhausgase. Deswegen steht es international am Pranger, und auch im Land selbst wächst der Unmut über die Umweltverschmutzung. Aber offenbar hat der Kohlendioxidausstoß auch etwas Gutes, jedenfalls für den chinesischen Handel.

          Um die Navigation durch die Kälte zu erleichtern, will die Pekinger Regierung im Juli einen entsprechenden Führer mit nautischen Detailinformationen veröffentlichen. Zuvor hatte schon Russland eine ähnliche Anleitung herausgegeben, die zum Beispiel den Einsatz von Eisbrechern erklärt.

          Die “Yongsheng”  war das erste chinesische Schiff, dem die Fahrt auf der neuen Route gelang. Ihrer Reederei zufolge, der China Ocean Shipping Group, stach sie am 8. August 2013 in Dalian in der chinesischen Nordostprovinz Liaoning in See. Am 10. September habe sie Rotterdam erreicht. Das sei etwa ein halber Monat schneller gewesen als üblich, hieß es. Die gewählte Passage war rund 5440 Kilometer lang.

          Geschäftsklima taut Aktienkurse auf

          Nordwärts streben heute auch die asiatischen Aktienkurse, also ins Plus. In Japan, Südkorea, Australien und auch in China steigen die Indizes. Das hat einerseits mit günstigen Vorgaben der Wallstreet vom Freitag zu tun, andererseits mit positiven Nachrichten aus China.

          Dort hellt sich die Stimmung in der Industrie immer mehr auf. Die so genannte Blitzumfrage des Bankhauses HSBC zum Einkaufsmanagerindex ist im Juni zum ersten Mal in diesem Halbjahr auf einen Wert gestiegen, der eine Expansion andeutet.

          Sollte in der Volksrepublik das Schlimmste wirklich vorbei sein, dann hätte das enorme Bedeutung auch für die Weltwirtschaft. Denn China ist der größte Industriestandort und die größte Handelsnation der Welt sowie insgesamt die zweitwichtigste Volkswirtschaft.

          Der HSBC-Wert stieg zwischen Mai und Juni von 49,4 auf 50,8 Punkte. Ein Stand oberhalb von 50 signalisiert Wachstum. Die Vorhersage für den Juni hatte allenfalls 49,7 Zähler betragen. Zuletzt hatte das Barometer einen Stand oberhalb von 50 im November 2013 erreicht.

          Der China-Ökonom der Bank, Qu Hongbin, erklärte den Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe mit dem „Mini-Konjunkturpaket” der Regierung. „Es scheint in der Realwirtschaft angekommen zu sein.“ Diese Ankurbelungspolitik werde vermutlich fortgesetzt, bis sich die Erholung voll durchgesetzt habe.

          Wie die Zahlen zeigen, profitiert Chinas Industrie auch von vermehrten Auslandsaufträgen. Sie wuchsen zwar langsamer als im Mai, aber dennoch scheint die Nachfrage aus Amerika und der EU wieder anzuspringen. Da ist es sicher hilfreich, künftig schneller und billiger liefern zu können, zum Beispiel über die Nordpolarroute.

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