https://www.faz.net/-gqe-7jk14

Nihao aus Peking : Chinas Reformen machen die Deutschen reicher

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Kaum ein Land ist enger mit China verflochten als die Bundesrepublik. Wenn die Asiaten ihre Wirtschaft jetzt umbauen, könnten deutsche Unternehmen und Anleger besonders profitieren.

          3 Min.

          Chinas Kommunistische Partei hat die bedeutsamsten Wirtschaftsreformen seit Ausrufung der „Sozialistischen Marktwirtschaft“ in den neunziger Jahren beschlossen. Die Marktkräfte sollen gestärkt, die Wirtschaft weiter geöffnet werden. Man will staatliche Monopole und Oligopole zerschlagen, mehr privates Unternehmertum ermöglichen, die Sozialversicherungen besser finanzieren, die Konvertibilität des Renminbi ebenso beschleunigen wie Börsenzulassungen und die Zins- und Wechselkursfreigabe. Immer mehr Branchen sollen für ausländisches Kapital geöffnet werden.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Dahinter steht das Ziel, wettbewerbsfähiger zu werden, um den Wohlstand zu mehren und innerhalb kürzester Frist von der zweitstärksten zur stärken Volkswirtschaft der Welt aufzusteigen. Fortan sollen Innovationen,  Dienstleistungen, die Privatwirtschaft und der Binnenverbrauch das Wachstum antreiben und nicht länger billige Massenexporte,  öffentliche Riesenkonzerne und die staatlichen Investitionen.

          Reformschub: Die Kurse in Asien steigen weiter

          Gehofft haben die Märkte schon lange auf diese Beschlüsse, jetzt sind sie endlich da, und deshalb feiern die Anleger: Wie gestern so steigen auch heute die Kurse im Asien-Pazifik-Raum.  Zwar verliert der Shanghai Composite Index nach Gewinnmitnahmen etwas an Wert; ihn drücken auch die schwachen Immobilienaktien, die unter der Aussicht leiden, dass der Staat die ausufernden Gebäudepreise stärker dämpfen könnte. Aber in Hongkong geht die Rally weiter. Die dort im HSCE-Index notierten Festlandtitel gewinnen fast ein Prozent hinzu, so dass der höchste Stand seit März in greifbare Nähe rückt.

          Was haben wir Deutschen davon? Einerseits dann eine Menge, wenn wir in Hongkong die richtigen Aktien kaufen. Im  Gegensatz zu Schanghai und Shenzhen ist der Handelsplatz auch ausländischen Privatanlegern frei zugänglich. Gute Festlandtitel dürften jene von Konsumgüterproduzenten sein, etwa des größten Küchengeräteherstellers der Welt Qingdao Haier Co. Morgan Stanley hat diese Wertpapiere gerade zum Kauf empfohlen. Aussichtsreich könnten auch die Aktien jener großen Staatskonzerne sein, die als erstes entschlackt und damit wettbewerbsfähiger gemacht werden soll, zum Beispiel von Petro-China oder China Petroleum & Chemical Corp. (Sinopec).

          Aktien von Haier, Petro-China und Sinopec kaufen

          Zum zweiten können auch deutsche Unternehmen aus den beabsichtigen Reformen Honig saugen. Schon jetzt profitiert die Bundesrepublik wie kein anderes Land in Europa von ihren engen Wirtschaftsbeziehungen zu den Asiaten. Deutschland wickelt mehr als ein Drittel des gesamten EU-Handels mit China ab, alle drei Tage wechseln Waren und Dienstleistungen für mehr als eine Milliarde Euro hin und her. Innerhalb von nur zehn Jahren, zwischen 2002 und 2012, hat sich der Austausch zwischen beiden Ländern vervierfacht. China ist heute das fünftwichtigste Ziel für deutsche Exporte, als Lieferland rangiert die Volksrepublik schon auf Platz zwei hinter den Niederlanden.

          Bundesbank zeigt sich skeptisch

          Diese Entwicklung kann man, wie es die Bundesbank tut, auch negativ sehen. Da China in Zukunft auf mehr Verbrauch setze, dürften die deutschen Kapitalgüterexporte leiden, argumentieren die Frankfurter in ihrem jüngsten Monatsbericht . Tatsächlich ist China für den Maschinen- und Anlagenbau der wichtigste Markt der Welt. Diese Sicht verkennt allerdings, dass China für die Konsumgüterherstellung des eigenen Bedarfs ebenfalls immer mehr hochwertige Maschinen brauchen wird, gerade wenn es mit seiner Qualitätsoffensive ernst macht. Und bei solchen erstklassigen Kapitalgütern ist Deutschland führend.

          Nutzen werden die Reformen auch jenen deutschen Herstellern, die in China selbst produzieren, etwa die deutsche Automobilindustrie. Für sie ist China jetzt schon der mit Abstand größte, profitabelste und am schnellsten wachsende Markt. Übrigens gehören Kfz-Teile zu den wichtigsten Gütern, die Deutschland nach China liefert. Was stimmt, ist allerdings dies: der Anteil der in China hergestellten „deutschen“ Produkte wird immer weiter zunehmen, jener der importierten sinken.

          Deutsche Autobauer verdienen immer mehr in Fernost

          Aber auch das kommt der Heimat zugute, der Zulieferindustrie dort, den Forschungs-, Entwicklungs- und Stabsabteilungen, nicht zuletzt den Aktionären von VW, BMW oder Mercedes, die mit steigenden Kursen und Gewinnausschüttungen aus dem Fernost-Geschäft rechnen können. Deutschland und China sind inzwischen so eng miteinander verwoben, dass alles, was der Volksrepublik wirtschaftlich nutzt, auch der Bundesrepublik zugutekommt. Insofern dürfen wir Deutschen uns mit Fug und Recht auf die Reformen im Reich der Mitte freuen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen laufen über den Roten Platz in Moskau, im Hintergrund der Kreml.

          Duma-Wahl in Russland : Doppelgänger für den Sieg

          Russlands Machthaber wollen den Erfolg bei der Duma-Wahl sichern. Mit Tricks und Unterdrückung gehen sie gegen die Opposition vor. Die kann aber doch einen Erfolg vorzeigen.
          „Komplette Ablehnung von Bitcoin in El Salvador“: Demonstration gegen den Bitcoin in San Salvador

          Unsichere Anlage : Nicht vom Bitcoin narren lassen!

          Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Warum der Bitcoin mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.