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Ni hao aus Peking : Heißer Aktientipp: Kaufen Sie sich bei Wanda ein!

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Die Gruppe baut das erste chinesische Luxushotel im Ausland, um von den Reiseweltmeistern aus Fernost zu profitieren. Das ist clever und verspricht satte Gewinne.

          3 Min.

          Ein Anlagetipp für eine Aktie, die es noch gar nicht gibt: Kaufen Sie sich bei der Dalian Wanda Group ein! Der Gründer und Haupteigentümer Wang Jianlin hat jetzt en passant angekündigt, bald dürften sich Anleger an dem Unternehmen beteiligen. Details nannte er nicht. Aber sobald die Zeiten an den Börsen besser werden, ist ein Börsengang denkbar, vielleicht, wie so oft, ein doppelter in China und auf internationalem Parkett, etwa in Hongkong.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Wang, Spross einer Militärfamilie, der sich vom Soldaten zum Tycoon hochgearbeitet hat, will Kasse machen, was man ihm nicht verdenken kann. Sein Vermögen, das vor allem aus der Wanda-Beteiligung besteht, wird auf 65 Milliarden Yuan (8 Milliarden Euro) geschätzt. Das macht Wang zum zweitreichsten Mann Chinas, jedenfalls auf dem Papier.

          Wanda ist vermögend, profitabel und wächst schnell

          Sein Konzernimperium ist groß und erfolgreich. Es besaß 2012 eigenen Angaben zufolge Vermögenswerte im Wert von 300 Milliarden Yuan (36 Milliarden Euro). Das war ein Anstieg um 50 Prozent. Der Umsatz wuchs um 35 Prozent auf 142 Milliarden Yuan (17 Milliarden Euro). Der Jahresüberschuss betrug Wang zufolge „sicher mehr als 10 Milliarden Yuan“ (1,2 Milliarden Euro). Dieser Nettogewinn werde im laufenden Jahr um 10 Prozent zulegen, heißt es. Der Umsatz soll um 26 Prozent steigen, das Vermögen um 17 Prozent.

          In zwei Jahren dürfte es den Planungen nach auf 400 Milliarden Yuan anwachsen, die Erwartung an den Erlös beträgt 250 Milliarden Yuan. Bemerkenswert ist, dass Wanda auch seine Steuerbelastung für Gegenwart und Zukunft angibt. Sie betrug 2012 rund 20 Milliarden Yuan, 2015 will oder muss man dann 30 Milliarden Yuan an den Fiskus zahlen.

          Bau des höchsten Wohnturms in Europa

          Einer der Wege zur Expansion ist die Internationalisierung. Im vergangenen Jahr kaufte Wanda die amerikanische Kinokette AMC für fast 2 Milliarden Euro. Jetzt folgt der nächste Paukenschlag: In Großbritannien investiert der Konzern 1,2 Milliarden Euro. Der größte Teil fließt in den Bau des höchsten Wohnturms in Europa. Das Gebäude wird neben Appartements auch das erste chinesische Luxushotel im Ausland aufnehmen, natürlich betrieben von Wanda. Bis zu zehn weitere Fünf-Sterne-Häuser sollen folgen.

          Warum braucht der Westen chinesische Edelherbergen? Die Antwort ist einfach: für chinesische Touristen. Erstmals waren sie 2012 die größte und spendabelste Auslandsreisegruppe der Welt noch vor uns Deutschen. Wenn sie die Möglichkeit haben, in London, Paris, Berlin oder Mailand in vertrauter Umgebung unterzukommen, wo Heißwasser statt Kaffee serviert wird, werden sie das tun.

          Zwei führende Werften für Luxusjachten gehören jetzt Chinesen

          Insofern sind die Aussichten für Wangs Europapläne nicht schlecht. Gleiches gilt für den Kauf des englischen Jachtherstellers Sunseeker, der noch einmal 370 Millionen Euro gekostet hat. Für den Absatz der Nobelboote wird China, wo es jetzt schon 2,8 Millionen Dollarmillionäre gibt, immer wichtiger. Dennoch verkauft Sunseeker dort im Schnitt nur 11 Boote im Jahr, in einer großen Preisspanne von 600.000 Euro bis zu 28 Millionen Euro. Nach der Übernahme will allein Wanda für seine Bootsklubs 30 der schnieken Flitzer bestellen.

          Dass das maritime Geschäft in China ein vielversprechendes ist, hatte zuvor schon die Weichai-Gruppe aus Shandong erkannt.  Deshalb übernahm der Schwermaschinenhersteller - der sich auch in den deutschen Gabelstaplerbauer Kion eingekauft hat – 2012 kurzerhand den italienischen Marktführer für Luxusjachten Ferretti. Der verkauft übrigens auch im Schnitt jedes Jahr 11 Boote in China.

          Es fehlt Wanda an Kostendisziplin

          Wenn man die beiden Werftenübernahmen vergleicht, fällt der hohe Preis für Sunseeker auf. Hier kostete ein Anteil rund 4 Millionen Euro, bei Ferretti waren es nur 2,4 Millionen. Sicher: Die Italiener waren hoch verschuldet, was den Preis drückte. Dennoch entsteht der Eindruck, dass Wanda recht großzügig Geld ausgibt. Auch der Londoner Turm kostet rund ein Drittel mehr als vergleichbare Projekte in der Stadt.

          Für Sie als potentielle Anleger bedeutet das, sich genau die Bilanzen anzusehen – bisher macht das Familienunternehmen sie nicht öffentlich - und auf eine strenge Ausgabendisziplin zu achten. Dann aber könnte sich die Investition sehr lohnen.

          Mehr jedenfalls als der Kauf anderer Aktie in Asien. Der heutige Donnerstag präsentiert sich an den Börsen wieder einmal aschgrau. Praktisch überall in der Region geht es bergab, nachdem der amerikanische Notenbankgouverneur Ben Bernanke ein mögliches Ende seiner superlockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt hat.

          Der Regionalindex MSCI Asia Pacific verliert 2,6 Prozent an Wert. Beim Nikkei 225 in Tokio sind es 1,1 Prozent, in Südkorea 1,3 Prozent, in Taiwan 1,2 Prozent, in Australien und Hongkong je 2 Prozent. Da gibt man sein Geld doch lieber für nette Dinge aus, zum Beispiel in einem der Wanda-Häuser. 6000 Kinosäle stehen zur Auswahl, 57 Kaufhäuser, 38 Luxushotels und sogar 63 Karaoke-Bars. Lieber falsch singen, denken wir uns, als falsch investieren.

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