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Ni hao aus Peking : Das Gespenst der Inflation kehrt zurück

  • -Aktualisiert am

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Der Preisauftrieb in China ist höher als erwartet, die Märkte lässt das kalt. Recht so, denn die Daten bestätigen den Kurs der Regierung.

          2 Min.

          Die Inflation ist nach China zurückgekehrt, in die zweitgrößte und am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Der Preisauftrieb betrug im Juni 2,7 Prozent im Vorjahresvergleich, wie das Statistikamt soeben mitgeteilt hat. Das war mehr als im Mai (2,1 Prozent) und auch mehr als vorhergesagt (2,5 Prozent).

          In China wissen die Aktienmärkte zunächst nicht recht, wie sie mit der Nachricht umgehen sollen. In Schanghai und Shenzhen halten sich Gewinne und Verluste die Waage, die Titel der in Hongkong notierten Festlandsunternehmen fallen um 0,5 Prozent. Wie immer kommt es auf die Perspektive an: Setzt die wachsende Teuerung die Führung unter Druck, endlich die richtigen Entscheidungen zu treffen? Oder bestätigen die neuen Daten den gegenwärtigen Kurs?

          Außerhalb Chinas steigen die Kurse

          Letzteres erscheint plausibler, entsprechend reagieren die reiferen Märkte im Asien-Pazifik-Raum, die weniger sprunghaft sind als die chinesischen Börsen. In Südkorea, Taiwan, Australien, überall steigen die Kurse, selbst in Hongkong außerhalb der China-Werte. Der überwölbende Regionalindex MSCI Asia Pacific legt um 0,9 Prozent zu.

          In Tokio geht es besonders steil bergauf, was aber weniger mit China zu tun hat als mit dem weiter fallenden Wert des Yen. Das verbessert die Exportaussichten. Für Unruhe gibt es in China keinen Grund. Im ersten Halbjahr beträgt die Steigerung der Verbraucherpreise 2,4 Prozent. Das ist zum einen die niedrigste Rate seit dem Krisenjahr 2009, zum anderen liegt der Wert noch weit unterhalb des Regierungsziels von 3,5 Prozent.

          Böse Erinnerung an 6 Prozent Inflation vor zwei Jahren

          Doch natürlich muss die Zentralbank Obacht geben, dass die Zeiten wie vor genau zwei Jahren nicht zurückkehren, als die Geldentwertung mehr als 6 Prozent erreichte. Gleichzeitig darf sie aber die Konjunktur nicht abwürgen, schließlich ist das Wachstum schon jetzt das schwächste seit 1999. Insofern scheint sich der Kurs der neutralen Geldpolitik zu bewähren, wie auch Analysten sagen.

          „Es wird keine Straffung der Geldpolitik geben, weil die Regierung die Stabilisierung des Wachstums anstrebt und die Befürchtungen der Märkte nach der Geldknappheit am Interbankenmarkt  beruhigen will“, sagt etwa Zhi Xiaojia  von der Bank of America in Hongkong.

          Vorbild Notenbank: Abwarten und grünen Tee trinken

          Es werde aber auch keine Lockerung geben, um die Inflation nicht weiter zu befeuern,  - vor allem am überhitzten Immobilienmarkt – und um das ausufernde Kreditwachstum in den Griff zu bekommen. Am besten ist den Anlegern also wohl dasselbe zu raten, was Chinas Geldpolitiker gerade betreiben: Nichts zu tun, abzuwarten und (grünen) Tee zu trinken.

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