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Ni hao aus Peking : China könnte Taiwan 2020 angreifen

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Angesichts der Aufrüstung in der Volksrepublik fürchtet der Inselstaat eine Invasion. Zumindest Chinas wirtschaftliche Kraft wächst allerdings schwächer als sonst. Jetzt hat auch der IWF seine BIP-Prognose verringert.

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          Aufregung in Taiwan. Nach einem Bericht des Verteidigungsministeriums in Taipeh dürfte Rot-China in sieben Jahren soweit sein, dass es relativ gefahrlos die Insel angreifen und einnehmen könnte. Dafür spreche zum einen die Aufrüstung der chinesischen Volksbefreiungsarmee, zum anderen lasse die Abwehrkraft von Taiwans wichtigstem Verbündeten nach, den Vereinigten Staaten.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Dem „National Defense Report“ zufolge entwickelt China weitreichende Präzisionswaffen, baut seine Seestreitkräfte aus und erweitert Sperrsysteme, um zur Hilfe eilenden Alliierten den Zugang nach Taiwan zu erschweren. All das „wird zu einer ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der Nation“, urteilen die Militärs. Verschärft werde die Lage dadurch, dass Amerika seine Rüstungsausgaben verringern wolle.

          Washington hat sich 1972 gesetzlich verpflichtet, Taiwans Unabhängigkeit zu garantieren. Die amerikanische Regierung muss deshalb das Land regelmäßig mit Waffen beliefern. China andererseits erhebt Ansprüche auf die „abtrünnige Provinz“ und behält sich ausdrücklich auch eine militärische Option zur „Wiedervereinigung“ vor.

          Seit Ende des Bürgerkriegs 1949 ist China geteilt. Die unterlegenen Nationalisten (Kuomintang) zogen sich damals nach Formosa/Taiwan zurück. Als „Republik China“ versteht sich der international kaum anerkannte Staat als Rechtsnachfolger der chinesischen Republik aus der Zeit vor dem Krieg.

          Chinas wirtschaftliche Stärke wächst langsamer als die militärische

          Tatsächlich nimmt Chinas militärische Stärke zu, ebenso sein Wunsch, in Asien künftig eine größere politische Rolle zu spielen und den Amerikanern die Stirn zu bieten. Das zeigte sich gerade wieder auf dem Apec-Gipfel der Pazifik-Anrainer in Bali. In der Wirtschaft aber schwächt sich das Wachstum ab: Nach der Weltbank und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zeigt sich jetzt auch der Internationale Währungsfonds IWF skeptischer als früher zu den Aussichten der zweitgrößten Volkswirtschaft auf der Welt.

          Statt, wie noch im Juli erwartet, um 7,8 Prozent werde Chinas Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr nur um 7,6 Prozent steigen, heißt es in einer neuen Einschätzung. Für 2014 erwartet der IWF 7,3 Prozent und nicht mehr 7,7 Prozent. Zuvor hatte schon die Weltbank ihre China-Prognose gesenkt.

          Amerikas Etatnotstand und die Yen-Schwäche beschäftigen die Märkte

          Die Neubewertung des IWF hat die Aktienkurse in China zunächst belastet, dann aber setzten sich positive Kräfte durch. Dazu gehören gute Daten aus der Automobilindustrie sowie Spekulationen, die nächste internationale Freihandelszone nach jener in Schanghai könnte in der Hafenstadt Tianjin südöstlich von Peking entstehen. Entsprechend notiert gegenwärtig der Shanghai-Composite-Index leicht im Plus.

          Die Märkte im restlichen Asien trippeln auf der Stelle. Zunächst waren die Kurse gefallen, weil die IWF-Einschätzung zu China, der Haushaltsnotstand in Amerika und die Gefahr einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit in Washington die Anleger verunsicherten. Dann aber erholten sich die Aktienpreise wieder, weil der japanische Yen gegenüber dem Dollar an Wert einbüßte. Das erleichtert der Exportnation Japan die Ausfuhr, weshalb der Topix-Index um 0,5 Prozent steigt.

          Das überwölbende Regionalbarometer MSCI Asia Pacific notiert hingegen bei minus 0,1 Prozent. Und in Taiwan? Da wissen die Investoren nicht recht, was sie mit den Informationen zu ihrer Sicherheitslage und mit den Nachrichten zur Weltwirtschaft anfangen sollen. Vorsichtshalber agieren sie so wenig wie möglich, so dass sich die Börsenkurse kaum bewegen.

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