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Ni hao aus Peking : China fürchtet Unternehmenspleiten

Morgengymnastik in Peking Bild: AFP

Die Verschuldung der chinesischen Wirtschaft steigt immer stärker. Nachfrageschwund, Liquiditätsengpässe und steigende Zinsen könnten schon bald zu ersten Pleiten führen.

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          Chinas Wirtschaft ist 2013 nach neusten Schätzungen so langsam gewachsen wie seit 1990 nicht, dem Jahr der Starre nach dem Massaker in Peking. Die Abschwächung von 7,7 auf 7,6 Prozent im laufenden Jahr wirkt marginal und abstrakt. Für Unternehmen und Anleger könnte die Misere aber bald sehr konkret werden, denn nach Ansicht von Fachleuten drohen  2014 die ersten größeren Zahlungsausfälle.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Im operativen Geschäft ist die Lage noch gut, aber nicht mehr so gut wie gewohnt. Jüngsten Daten zufolge sind die Gewinne der Industrieunternehmen im  November im Durchschnitt um 9,7 Prozent höher ausgefallen als ein Jahr zuvor. Im Oktober hatte die Zunahme noch mehr als 15 Prozent betragen. Schuld daran seien die steigenden Kosten bei müder Nachfrage, vor allem aus der EU und aus Nordamerika, hieß es.

          Noch heikler könnten sich die Finanzierungsbedingungen entwickeln. Am Interbankenmarkt haben die Zinsen den höchsten Stand seit der Liquiditätskrise im Juni erreicht. Zwar hat der Geldmarkt nicht unmittelbar etwas mit dem Kapitalmarkt zu tun, wo die Unternehmen Kredite aufnehmen. Aber die Unsicherheit bei der kurzfristigen Verschuldung der großen Finanzakteure schlägt auch auf die anderen Finanzmärkte durch, nicht zuletzt auf die chinesischen Aktienbörsen, die zuletzt stark gelitten haben.

          Höchste Anleihezinsen seit der Asien-Krise von 1997

          Dass es der Geschäftswelt zunehmend schwerer fällt, sich zu finanzieren, zeigt sich am Anleihemarkt. Der Schiffsbauer Evergreen Holdings musste für einjährige Schuldtitel soeben 9,9 Prozent bieten, um genügend Gläubiger zu finden. Das seien die höchsten Zinsen einer öffentlich gehandelten Festlandsanleihe seit der Asien-Krise von 1997, meldet die Finanzagentur Bloomberg. Der LED-Hersteller Fujian San’An Group bot wenig später 9,4 Prozent.

          „Die steigenden Finanzierungskosten erhöhen die Schuldenlast für alle Emittenten, vor allem für die mit geringer Bonität“, sagt Li Qing von Chinas drittgrößtem Wertpapierhandelshaus Guotai Junan Securities in Schanghai. „Der chinesische Anleihemarkt wird im kommenden Jahr wahrscheinlich die ersten Zahlungsausfälle sehen.“ Eine solche Pleite hat es seit Einführung der entsprechenden Wertpapieraufsicht 1997 nicht gegeben.

          Höhere Schuldenlast als in Amerika oder Japan

          Der betroffene Markt ist riesig: 2014 müssen die Unternehmen der chinesischen Realwirtschaft 2,6 Billionen Yuan an Zins und Tilgung leisten, umgerechnet werden 310 Milliarden Euro fällig. Insgesamt stehen die Betriebe mit einem Wert in der Kreide, der die gesamtwirtschaftliche Leistung der zweitgrößten Volkswirtschaft um 45 Prozent übersteigt. Vor einem Jahr waren es erst 40 Prozent.

          Das bedeutet, dass sich die Unternehmen immer höher verschulden müssen, um den gleichen Wert an Waren und Dienstleistungen zu erbringen. Das Verhältnis der Verbindlichkeiten zum Bruttoinlandsprodukt sei inzwischen höher als in den  Vereinigten Staaten, Indien, Deutschland, Japan oder Südkorea, warnt das zweitgrößte Wertpapierhändler Haitong Securities.

          Immerhin haben sich die Turbulenzen am chinesischen Geldmarkt jetzt erst einmal beruhigt, nachdem die Zentralbank interveniert und frische Liquidität bereitgestellt hat: Die Zinsen fallen, weshalb die Aktienkurse in Schanghai und Shenzhen heute nach langer Durststrecke wieder etwas steigen.

          Asiens Aktienmärkte treten auf der Stelle

          Im Rest Asiens geht es auf und ab. Das schwächere Wachstum der Industriegewinne in China drückt die Stimmung, schließlich ist das Land der führende Standort für das Verarbeitende Gewerbe. Auf der anderen Seite beflügeln bessere Konjunkturdaten aus Amerika die Kurse, dort sind die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung stärker gesunken als erwartet.

          Der überwölbende Regionalindex MSCI Asia Pacific pendelt daher zwischen Gewinnen und Verlusten,  am Mittag notiert er um 0,4 Prozent im Plus. Doch der kurzfristig gute Schein könnte sich als trügerisch erweisen, wenn es in China - das den Großteil zum Weltwachstum beisteuert – tatsächlich zu einer Pleitewelle kommt. Dann dürften überall auf der Welt die guten Börsenzeiten auf lange Zeit vorbei sein.

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