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New York : Das Silicon Valley des Ostens

Hoffnungsträger der Silicon Alley Bild: dpa

New York will nicht mehr so abhängig von den Banken sein und eine Technologiehochburg werden. Die Metropole macht Fortschritte. Aber das kalifornische Vorbild ist weit enteilt.

          2 Min.

          New York gilt als Zentrum der Finanzindustrie, ebenso wie das kalifornische Silicon Valley als Hochburg der Technologiebranche bekannt ist. Aber New York versucht seit einigen Jahren verstärkt, das Gewicht der Technologieindustrie in der Stadt zu erhöhen und die Abhängigkeit von der Wall Street zu reduzieren. Der zum Jahreswechsel abgetretene New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat sogar einmal das Ziel ausgegeben, dem Silicon Valley seinen Spitzenplatz für Gründerunternehmen aus der Technologiebranche streitig zu machen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Davon ist New York freilich noch weit entfernt. Aber es gibt Fortschritte, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie hervorgeht, die im Beisein von Bürgermeisters Bill de Blasio vorgestellt wurde. Demnach ist die Zahl der Mitarbeiter in New Yorker High-Tech-Unternehmen in den vergangenen vier Jahren um 33 Prozent auf 103.100 gestiegen. Das Wachstum sei vier Mal so hoch gewesen wie über alle Branchen hinweg. Die Arbeitsplätze in der Technologieindustrie sind außerdem gut bezahlt. Das Jahresgehalt liege hier im Schnitt bei 118.600 Dollar und damit fast 50 Prozent über dem allgemeinen Durchschnitt. De Blasio jubelte, High-Tech sei heute „eine der dynamischsten und wichtigsten Industrien unserer Stadt.“

          Das Ende der „Silicon Alley“

          New York hat schon einmal eine Blüte der Technologiebranche erlebt. Zu den Zeiten der Internetbegeisterung in den späten neunziger Jahren gelang es der Stadt ein Stück weit, sich als Ostküsten-Gegenstück zum Silicon Valley zu etablieren. In Anlehnung an das kalifornische Vorbild entstand der Begriff „Silicon Alley“. Mit dieser „Allee“ war die Prachtstraße Broadway gemeint, um die herum sich viele Technologieunternehmen ansiedelten. Das Platzen der Internetblase bereitete dem New Yorker Aufstieg aber ein jähes Ende.

          Wie es in der neuen Studie heißt, nähern sich die Beschäftigtenzahlen in der Technologieindustrie nun wieder dem damaligen Rekordniveau von zeitweise mehr als 110.000 Mitarbeitern. Und die Branche habe sich mittlerweile weit jenseits der traditionellen Silicon Alley ausgebreitet. So entstünden auch außerhalb des zentralen Stadtteils Manhattan immer mehr „Cluster“ von Technologiefirmen, etwa in Brooklyn oder in Queens.

          Was New York freilich bis heute fehlt, sind ganz große Erfolgsgeschichten in der Art von Google oder Facebook, wie sie das Silicon Valley regelmäßig liefert. Die New Yorker Vorzeigeunternehmen bewegen sich noch in kleineren Dimensionen, so wie etwa der Online-Marktplatz Etsy oder der 3D-Druck-Spezialist Shapeways. Der Blogging-Dienst Tumblr hat sich im vergangenen Jahr an Yahoo verkauft, um einige frühere Hoffnungsträger wie das soziale Netzwerk Foursquare ist es etwas stiller geworden, andere wie das Designportal Fab.com sind ins Straucheln geraten. Der Beschäftigungsanstieg in New York ist außerdem zum Teil auf Ableger von Konzernen aus dem Silicon Valley zurückzuführen. So beschäftigt Google mehr als 3000 Mitarbeiter in der Stadt.

          Der noch immer bestehende Vorsprung des Silicon Valley lässt sich auch daran ablesen, dass hierher viel mehr Wagniskapital fließt. So steckten Investoren nach Angaben des Branchenverbandes National Venture Capital Association im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Dollar in New Yorker Start-Up-Unternehmen. Das Silicon Valley brachte es auf mehr als 12 Milliarden Dollar.

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