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Neujahrsauktion : Ein Thunfisch für 603.000 Euro

„Der erste Thunfisch ist der beste“. Dafür zahlt Kiyoshi Kimura fast jeden Preis. Bild: dpa

Der ersten Thunfischauktion des Jahres gilt in Japan besondere Aufmerksamkeit. Das siegreiche Gebot brachte viel Geld – auch weil es vielleicht die letzte Neujahrsauktion am weltberühmten Tsukiji-Markt war.

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          74,2 Millionen Yen, 603.000 Euro, für einen Thunfisch von 212 Kilo. Das sind in diesem Jahr die harten Fakten eines japanischen Neujahrsrituals: der ersten Thunfischauktion am Tsukiji-Fischmarkt in Tokio. Und wer bekam den Zuschlag? Mal wieder Kiyoshi Kimura, der Besitzer der Sushi-Restaurantkette Sushizanmai, der in den vergangenen 16 Jahren schon 13 Mal erfolgreich war.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Es war ein wenig teuer“, sagte Kimura nach der Versteigerung vor Journalisten. Doch das hatte er auch schon vergangenes Jahr gesagt, als er nur 14 Millionen Yen für den ersten Thunfisch des Jahres bezahlt hatte. Das war schon zwei bis drei Mal teurer als normal, doch verglichen mit diesem Jahr war er fast ein Schnäppchen. Je Kilo zahlte Kimura in diesem Jahr umgerechnet 2845 Euro oder fünf Mal so viel wie im vergangenen Jahr.

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          Der Rekordpreis der Neujahrsauktion aber wurde auch jetzt nicht wieder erreicht. 2013 wurden nach einem Bietergefecht umgerechnet 1,35 Millionen Euro oder 6090 Euro je Kilo gezahlt – von Kimura. Der rührige Geschäftsmann, der sich zum „König des Thunfisch“ ernannt hat, nutzt die Gelegenheit kräftig, um Werbung für seine Restaurants zu machen.

          In Japan gilt am Jahresbeginn der erste Rang als besonderes Glückssymbol. Der erste Sonnenaufgang des Jahres, der erste Gang zum Schrein oder Tempel und eben auch die erste Thunfischauktion sind etwas besonderes. Der erste Thunfisch des Jahres sei der beste, hatte Kimura der F.A.Z.  im vergangenen Jahr im Gespräch gesagt. Warum das so sei konnte aber auch er nicht erklären.

          Wann zieht der weltberühmte Großmarkt um?

          Für den weltberühmten Tsukiji-Fischmarkt war es vielleicht die letzte erste Thunfischauktion zum Neujahr. Eigentlich hatte der Markt, der nicht mehr neuen Standards entspricht, schon im November an seinen neuen Standort in Toyosu, rund zwei Kilometer entfernt, umziehen sollen. Doch die neu gewählte Gouverneurin Yurike Koike stoppte den Umzug, aus Sorge über verseuchten Boden unter den neuen Großmarkthallen. Diese haben umgerechnet fast 5 Milliarden Euro gekostet.

          Neujahrsauktion : 600.000 Euro für einen Thunfisch in Tokio

          Eine neue Untersuchung hatte Unregelmäßigkeiten offenbart. Die neuen Hallen sind auf ehemaligem Industriegelände errichtet. Unter manchen der Gebäude hätte eigentlich neues Erdreich aufgeschüttet werden sollen, um so mögliche Umweltbelastungen durch kontaminierte Erde zu verhindern. Darauf aber hatte die Stadtverwaltung verzichtet, ohne es offenzulegen.

          Die Großhändler sind angesichts der kostenträchtigen Verzögerung verärgert und verlangen eine zügige Entscheidung. Gouverneurin Koike hat angedeutet, dass die Vorbereitungen für den Umzug zum Jahresende erledigt sein könnten. Doch sie schließt eine Verzögerung des Umzugs bis April 2018 nicht aus und hält offen, ob die Verlagerung überhaupt stattfinden kann.

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