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Neue Rückrufaktion : Pannenserie von GM geht weiter

Die Zentrale von General Motors in Detroit Bild: AFP

Wieder müssen mehrere Millionen Autos von General Motors wegen eines Defektes in die Werkstatt. Die Hinterbliebenen von Unfallopfern sollen mindestens eine Million Dollar erhalten.

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          Allmählich muss man sich fragen, ob es überhaupt noch defektfreie Autos von General Motors auf den Straßen gibt. Der amerikanische Konzern kündigte am Montag schon wieder einen Rückruf an. Diesmal sind 8,4 Millionen Autos auf der ganzen Welt betroffen, die meisten davon in den Vereinigten Staaten. GM hat damit seit Jahresanfang rund 29 Millionen Autos zurückgerufen. Das entspricht in etwa dem Dreifachen des gesamten Jahresabsatzes des Unternehmens.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der nun angekündigte Rückruf weckt Erinnerungen an die erste große Rückrufaktion in diesem Jahr wegen eines Zündschlossdefekts, die GM in Erklärungsnot gebracht hat. Auch bei den meisten der nun betroffenen Fahrzeuge geht es um die Gefahr, dass der Zündschlüssel versehentlich in die „Aus“-Position springt. GM bringt sieben Unfälle mit acht Verletzten und drei Todesopfern mit den jetzt zurückgerufenen Modellen in Verbindung. Bei dem früheren Rückruf sprach GM von bislang 13 Todesopfern. Anwälte von Unfallopfern reklamieren aber, dass es die Zahl der Opfer noch viel höher ist.

          Entschädigungen von über einer Million Dollar

          Der neue Rückruf kam nur wenige Stunden, nachdem der von GM angeheuerte Anwalt Kenneth Feinberg Details zu Entschädigungen für Unfallopfer verkündet hat, die mit dem ersten Rückrufen zusammenhängen. Demnach sollen bei einem tödlichen Unfall die Hinterbliebenen mindestens eine Million Dollar bekommen, in den meisten Fällen sogar deutlich mehr. Bei Unfallopfern, die schwere Verletzungen wie Querschnittslähmungen erlitten haben, können die Entschädigungen noch höher ausfallen als bei Unfällen mit tödlichem Ausgang.

          Die juristische Aufarbeitung der Rückrufe ist ein besonderer Fall, da sich GM im Zuge seiner Insolvenz 2009 einer Reihe von Verpflichtungen entledigt hat und womöglich für Unfälle vor dieser Zeit nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Tatsächlich kämpft GM mit genau diesem Argument gegen Klagen, die nichts mit Personenschäden zu tun haben, sondern zum Beispiel mit dem Wertverlust von Autos. Für Personenschäden hat GM aber den von Feinberg verwalteten Fonds eingerichtet, der keine Obergrenze haben soll. Wer die vorgeschlagene Entschädigung annimmt, muss auf eine Klage verzichten.

          GM gab am Montag selbst zu, dass die Rückrufserie teurer wird als bislang erwartet. Der Konzern will nun für das gerade abgelaufene zweite Quartal einen Aufwand von 1,2 Milliarden Dollar für die Rückrufe verbuchen. Bislang war von 700 Millionen Dollar die Rede. Schon im ersten Quartal hatte GM Rückrufkosten von 1,3 Milliarden Dollar zu schultern.

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