https://www.faz.net/-gqe-8ftub

Neue Ford-Zentrale : Ein bisschen Silicon Valley für Detroit

Entwurf für einen Teil der neuen Ford-Zentrale Bild: Reuters

Google und Apple bauen spektakuläre neue Zentralen. Davon lässt sich auch der Autohersteller Ford inspirieren, der einen Prachtcampus plant. Zwischen Ford und den Technologiekonzernen gibt es immer mehr Berührungspunkte. Und Rivalitäten.

          2 Min.

          Unter den Technologiegiganten aus dem Silicon Valley ist es derzeit schick, sich mit futuristischen neuen Unternehmenszentralen Denkmäler zu setzen. Der Elektronikkonzern Apple baut in seiner Heimatstadt Cupertino ein vom britischen Stararchitekten Norman Foster entworfenes ringförmiges Verwaltungsgebäude, das an ein Raumschiff erinnert und bis Ende dieses Jahres fertig sein soll. Nur wenige Kilometer nördlich in Mountain View will das Internetunternehmen Google eine riesige zeltähnliche Zentrale entstehen lassen, deren erster Abschnitt Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein soll. Bei Google sind gleich zwei Stararchitekten am Werk, der Brite Thomas Heatherwick und der Däne Bjarke Ingels.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Weit weg vom Silicon Valley hat nun auch ein Vertreter traditioneller Industrien ein sehr ambitioniertes Bauvorhaben angekündigt. Der Autohersteller Ford will seiner sechzig Jahre alten Zentrale in Dearborn in der Nähe von Detroit ein völlig neues Gesicht geben. Ein großer Teil der bisherigen Verwaltungsgebäude soll abgerissen und ersetzt werden. Als Inspiration für den neuen Campus dienten Technologieunternehmen und Universitäten. Der für das Projekt zuständige Ford-Manager Roger Gaudette sagte der Zeitschrift „Fortune“, das Unternehmen habe auf der Suche nach Ideen für seine neue Zentrale Google und andere Technologieadressen besucht.

          Entsprechend hören sich die Pläne von Ford auch an. Die Zentrale soll ein „offenes, gemeinschaftliches Umfeld“ bieten und damit Entscheidungen beschleunigen sowie Innovation fördern. Es soll Fahrradwege und viele Grünflächen geben, und der Energieverbrauch soll mit den neuen Gebäuden um 50 Prozent gesenkt werden. Mitarbeiter können sich auf Annehmlichkeiten wie Fitnesscenter freuen, wie sie im Silicon Valley gang und gäbe sind. Es sollen außerdem „gesündere Essensoptionen“ geboten werden, wobei nicht davon die Rede ist, dass das Essen gratis sein soll so wie bei Google.

          Berührungspunkte und Konkurrenz

          Dass Ford Anleihen in der Technologiebranche nimmt, kommt nicht von ungefähr, denn zwischen dem Autohersteller und Unternehmen wie Google gibt es immer mehr Berührungspunkte. Die zunehmende Vernetzung von Autos sorgt zum Beispiel dafür, dass Ford in seinen Fahrzeugen Software von Google und Apple einsetzt. Auf der anderen Seite werden die Technologiekonzerne aber auch verstärkt zu Wettbewerbern. Google testet schon seit einigen Jahren selbstfahrende Autos, und auch Apple soll an einem Autoprojekt arbeiten. Das heißt, Ford konkurriert mit diesen Unternehmen auch verstärkt um Arbeitskräfte, weshalb es umso wichtiger ist, ein modernes Arbeitsumfeld zu bieten.

          Ford versteht sich selbst zunehmend als Unternehmen, das Mobilitätslösungen anbietet und nicht mehr nur Autos herstellt. Im Rahmen einer Initiative mit dem Namen „Smart Mobility“ hat Ford zum Beispiel Pilotprojekte für sogenannte Carsharing-Angebote zum Anmieten von Autos entwickelt. Das Unternehmen arbeitet zudem ebenfalls an autonomen Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr hat Ford außerdem ein Forschungszentrum in Palo Alto im Herzen des Silicon Valley eröffnet.

          Im Kampf um Arbeitskräfte will Ford mit einem modernen Arbeitsumfeld punkten.

          Bislang ist die Ford-Zentrale in Dearborn stark fragmentiert. Die 30.000 Mitarbeiter verteilen sich auf 70 Gebäude, die zum Teil weit auseinanderliegen. In der neuen Zentrale sollen diese verstreuten Gebäude zu zwei großen Einheiten zusammengefasst werden, einem Produkt- und einem Verwaltungscampus. Der Produktcampus soll ein neues Designzentrum beherbergen, außerdem soll er als Pilotstandort für verschiedene „Smart Mobility“-Projekte wie selbstfahrende Autos fungieren.

          Anders als Google und Apple hat Ford keine Superstars der Architekturszene engagiert, sondern greift auf die Architekturfirma Smith Group JJR aus Detroit zurück. Wie teuer das Bauprojekt sein wird, wollte Ford nicht verraten. Steve Morris vom Immobilienberater Axis Advisors sagte der Zeitung „Wall Street Journal“, er schätze die Kosten auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar. Die Arbeit an der neuen Zentrale soll noch im April beginnen, aber bis das Projekt abgeschlossen ist, wird noch einige Zeit vergehen. Der Produktcampus soll im Jahr 2023 fertig sein, die Verwaltungsgebäude sogar erst 2026.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In seinen seltenen Interviews gab sich der ehemalige Wirecard-Chef analytisch und sachorientiert.

          Wirecard-Skandal : Der Unsichtbarmacher

          Markus Braun war Mr. Wirecard und der reichste Dax-Chef. Nun ist er in einen beispiellosen Bilanzskandal verstrickt. Irgendwo zwischen der Utopie unsichtbaren Geldes und der Wirklichkeit unregelmäßiger Zahlen hat er sich verzettelt.

          Corona-Medikament für Europäer : Eine Zwangslizenz für Remdesivir?

          Die EU hat das erste Medikament gegen Covid-19 zugelassen – doch vorerst liefert der Hersteller Gilead nur nach Amerika. In Brüssel wird Druck aufgebaut: Notfalls könne man Remdesivir auch gegen den Willen von Gilead für Europa herstellen lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.