https://www.faz.net/-gqe-7l3rm

Naturkatastrophe : Taifun-Folgen machen den Philippinen zu schaffen

Haiyan hat viel zerstört Bild: dpa

Am 8. November verwüstete „Haiyan“ die philippinische Insel Leyte. Mehr als vier Millionen Menschen haben seither keine Bleibe mehr.

          2 Min.

          Heute vor zwei Monaten hat der Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen seine Spur der Zerstörung hinterlassen. Seitdem hat sich viel getan. Die meisten Menschen sind nun wenigstens mit dem Nötigsten versorgt. Die internationale Gemeinschaft hat sich großzügig gezeigt. Von den 788 Millionen Dollar, die im strategischen Nothilfeplan der UN für die Philippinen bereitgestellt werden sollen, sind schon 42 Prozent (328 Millionen Dollar) geflossen. Aber vor Ort haben die Menschen weiter mit den Folgen des rekordverdächtigen Sturms zu kämpfen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das größte Problem dürften die vier Millionen Menschen sein, die kein Dach mehr über dem Kopf haben. Wie die philippinische Presse berichtet, gibt es noch zu wenig Schlafbaracken, und die schon gebaut wurden, entsprechen nicht den internationalen Standards. Der überwiegende Teil der Menschen bleibt deshalb einfach in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser wohnen.

          Wirtschaft wird auch dank Wiederaufbau um 7 Prozent wachsen

          Der Gesamtschaden durch „Haiyan“ beläuft sich auf 10 Milliarden Dollar, etwa fünf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Philippinen. Der Wiederaufbau wird nach Ansicht von Fachleuten Jahre dauern. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re geht außerdem davon aus, dass derzeit mit einem häufigeren Auftreten von Taifunen zu rechnen ist. Die Philippinen gehören zu den Ländern, die besonders schwer von tropischen Wirbelstürmen betroffen sind. Das schürt Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in dem südostasiatischen Land, in dem laut Welthungerhilfe noch 17 Prozent der Menschen schlecht ernährt sind. Die Inflation ist in Folge des Taifuns im Dezember schon auf 4,1 Prozent gestiegen. Allerdings gehen Analysten derzeit trotzdem von einem Wirtschaftswachstum von mehr als 6 Prozent aus. Viele von ihnen sehen in den Philippinen nach wie vor einen der wichtigsten Wachstumsmotoren der Region. Einige sehen den „Philippinischen Tiger“ sogar wieder mit einem Wachstum von 7 bis 7,5 Prozent in diesem Jahr, unter anderem auch angefeuert durch den Wiederaufbau nach dem Taifun.

          Allerdings gibt es auch Stimmen, die eine mögliche Blase in der philippinischen Wirtschaft vermuten und das philippinische Wachstum nicht für nachhaltig halten. Demnach profitiere die arme Bevölkerung zu wenig. Dazu wächst der Ärger über Korruption. Dies hat dazu beigetragen, dass die Kritik an dem stets jovial wirkenden Präsidenten Aquino nach Ablauf der Hälfte seiner sechsjährigen Amtszeit zugenommen hat. Am morgigen Donnerstag können die überwiegend katholischen Filipinos nun aber erst einmal Trost bei einem der wichtigsten religiösen Feste des Landes finden. Zum Zug des „Schwarzen Nazareners“ werden in Manila bis zu 12 Millionen Christen erwartet. Im Mittelpunkt steht eine lebensgroße Christus-Figur, die ein Kreuz trägt. Die schwarze Färbung der Figur soll der Folklore nach von einem Brand auf dem Schiff herrühren, mit der sie im 17. Jahrhundert von Mexiko auf die Philippinen gelangte.

          Leid und Freude auch an der Börse

          Die zwiespältige Entwicklung in der Wirtschaft der Philippinen hat sich in den vergangenen Monaten auch an der Börse niedergeschlagen. Nach dem der philippinische Leitindex PSEi im Mai den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht hatte, beendete er das vergangene Jahr nur mit einem moderaten Zuwachs von 1,3 Prozent. Am Mittwoch legte der Index bis zum Mittag um 0,45 Prozent auf 5,973.93 Punkte zu. Auch andere Börsen erholten sich laut Bloomberg in Erwartung positiver Zahlen zur globalen Entwicklung. Nach einem bisher schwachen Einstieg in das neue Jahr stieg der MSCI Asia Pacific Index um 0,5 Prozent, der Nikkei 225 in Tokio bis zum Mittag um 1,2 Prozent. Hongkongs Hang Seng Index und Singapurs Straits Times Index legten jeweils um 0,7 Prozent zu.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Tankstelle in Marseilles, Südfrankreich: Die französische Regierung will einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nun durch ein Energiegeld entlasten.

          Benzinpreise : Hilfe auch für deutsche Autofahrer?

          Paris macht es vor: Die Regierung federt die steigenden Strompreise mit einem Energiegeld ab. Auch in Deutschland steigt der Unmut wie die Spritpreise. Wie reagiert Berlin?
          Nicht alle werden ihr so laut nachweinen wie Ratspräsident Michel: Angela Merkel auf ihrem mutmaßlich letzten Gipfeltreffen in Brüssel.

          Merkels Abschied von Brüssel : Die Kompromissmaschine

          Angela Merkel hat sich große Verdienste um die europäische Einigung erworben. Einmal aber versagte die ehrliche Maklerin. Die Kluft besteht bis heute.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.