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Natur : Der Herbst ist für die Feldhasen eine gefährliche Zeit

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Im Sommer geht’s ihm gut Bild: dpa

Gerade im Herbst lauern Gefahren für Feldhasen: Viele Tiere überleben die dunkle Jahreszeit nicht. Etwa wegen tödlicher Infektionen.

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          Der Herbst ist für Hasen eine gefährliche Zeit. Viele Tiere sterben in der dunklen Jahreszeit an Krankheiten. „Das Futter ist knapp, und das nass-kalte Wetter hat ihr Immunsystem geschwächt“, sagt der Sprecher des Landesjagdverbandes Marcus Börner.

          Manchmal ähneln die Symptome kranker Feldhasen einer Erkältung. Doch gegen menschliche Grippeviren ist der flinke Vierbeiner immun. Er muss gegen eigene, zum Teil lebensgefährliche, Krankheiten kämpfen, erklärt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung in Hamburg. „Sie treten jedes Jahr verstärkt im Herbst auf - viele Hasen überleben das nicht, und die Bestände nehmen in dieser Zeit rapide ab“, sagt der Diplombiologe.

          Durchfall und Leberentzündung

          Grund dafür sind laut Kinser Seuchen, die im Herbst unter den Hasen grassieren. Zum Beispiel die Pseudo-Tuberkulose mit Fieber sowie Atemwegsproblemen und Verdauungsstörungen, die Kokzidiose - eine Durchfall mit und Appetitlosigkeit. Am schlimmsten sei die meist tödliche sogenannte Hasenseuche, eine Leberentzündung (European Brown Hare Syndrom/EBHS), erklärt Kinser. Obwohl diese Krankheiten für viele Individuen tödlich enden würden, sind sie für den Bestand der Hasen „nichts Dramatisches“, versichert Kinser. „Damit stirbt der Feldhase nicht aus.“

          Dass sich der Hase durch Wildkräuter selber heilen kann, ist schlichtweg falsch. „Die romantische Vorstellung einer Hasenapotheke - der Hase brauche etwa 25 Wildkräuter, um gesund zu sein - trifft leider auf die Realität nicht zu“, sagt Kinser.

          Nicht gefährdet

          Dennoch gilt der Feldhase nicht als gefährdete Art, wie regelmäßige Zählungen - zweimal pro Jahr - ergeben. Seit Beginn dieses sogenannten Monitorings im Jahr 1995 verzeichneten die Naturschützer eine leicht positive Entwicklung. „Die letzte Frühjahrszählung ergab 15,9 Hasen pro 100 Hektar Beobachtungsfläche in Schleswig-Holstein“, sagt Jagdverbandssprecher Börner.

          Revier des Hasen ist ganz Schleswig-Holstein - einschließlich der Inseln. Einzige Ausnahme sind nach Angaben des Wildtierkatasters die nordfriesischen Halligen. Doch letztendlich bevorzugen die Feldhasen die Marschlandschaften. „Einzelne Reviere mit hohen Beständen finden sich jedoch auch lokal in anderen Gebieten“, sagt Börner.

          Der Feldhase gilt als Indikator für eine intakte Kulturlandschaft. Er war ursprünglich ein Steppenbewohner. Im Gegensatz zum Kaninchen baut er keine Höhlen, sondern lebt unter freiem Himmel. Als Schutz und Deckung reichen ihm - für sich und seinen Nachwuchs - einfache flache Mulden, sogenannte Sassen.

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