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Konflikt zwischen China und Vietnam : Es riecht nach Eskalation

Südchinesisches Meer: Umstrittene Fischgründe Bild: AFP

China versenkt im Südchinesischen Meer einen vietnamesischen Fischkutter. Die ohnehin angespannte Lage droht zu kippen. Manche warnen schon vor einem Krieg.

          Es riecht nach Eskalation, nach der nächsten Runde in einer Auseinandersetzung, die sich aufschaukelt: Vor den Paracel-Inseln hat ein chinesisches Schiff einen Fischkutter aus Vietnam gerammt und versenkt. Dies berichtet das vietnamesische Außenministerium. Die zehn Besatzungsmitglieder seien von anderen vietnamesischen Schiffen geborgen worden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der vietnamesische Kutter DNa 90152 sei auf hoher See von 40 chinesischen Schiffen umzingelt worden, berichten vietnamesische Zeitungen. Schon in den vergangenen Wochen war es zu Zwischenfällen vor den Inseln gekommen. Schiffe wurden gerammt. Mannschaften zielten mit Wasserkanonen aufeinander.

          Hier geht es um viel mehr als um eine geplante Kollision zweier Schiffe. Denn die Chinesen betreiben eine Ölbohrinsel vor den Inseln, die sie zu ihrem Hoheitsgebiet zählen. Vietnam aber tut dies auch. Die Streitigkeiten zwischen den beiden Nachbarländern hatten Mitte Mai zu heftigem Aufruhr in Vietnam geführt, bei denen radikale Vietnamesen Jagd auf Chinesen machten, Fabriken überfielen und in Brand steckten. Die Proteste gegen Peking hatten friedlich begonnen und waren dann außer Kontrolle geraten.

          Keiner will Krieg oder nachgeben

          Die Führer der zehn südostasiatischen Länder (Asean) hatten Mitte Mai vor einer Ausweitung der Auseinandersetzungen im südchinesischen Meer gewarnt, ohne China zu nennen. Sie appellieren daran, einen Verhaltenskodex festzulegen, nach dem sich alle beteiligten Nationen richten müssen. Indonesien und die Philippinen haben sich nach Jahren auf einen Maritimvertrag geeinigt.

          Japans Ministerpräsident sprach davon, dass „Chinas einseitige Bohraktivitäten die Spannungen erhöht“ hätten: „Wir werden eine Änderung des Status Quo durch Gewalt oder Nötigung niemals tolerieren“, fügte er dann an. Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong warnte gerade davor, dass Krieg in Asien „nicht unmöglich“ sei, wenn mit den wachsenden Spannungen nicht verantwortungsvoll umgegangen würde. „Kein Land will Krieg, und jedes Land wird versuchen, ihn zu vermeiden, aber das macht Krieg in Asien nicht unmöglich“, sagte Lee in Tokio. „Zwischenfälle können eskalieren und Fehleinschätzungen können zu ungeplanten Konflikten führen.“ Lees Warnungen fanden ihr Echo in Malaysia: Der frühere Regierungschef Mahathir Mohamad sagte am Wochenende: „Wir müssen außerordentliche Anstrengungen unternehmen, unsere Probleme zu lösen, ohne Krieg zu führen.“

          Raue Töne

          Die Töne werden von Tag zu Tag rauer. Vietnams Ministerpräsident Nguyen Tan Dung warnte auf dem Weltwirtschaftsforum in Manila am Wochenende davor, dass die Auseinandersetzungen die wirtschaftliche Erholung der Welt gefährden könnten. „Derzeit werden Dreiviertel des weltweiten Güterverkehrs über die Meere abgewickelt. Davon gehen zwei Drittel durch das Südchinesische Meer“, sagte er. „Jedes Risiko eines Konfliktes wird diesen riesigen Warenfluss unterbrechen und wird unvorhersehbare Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und die Weltwirtschaft haben“, warnte der Ministerpräsident. „Es könnte sogar den Trend der weltweiten wirtschaftlichen Erholung umkehren.“

          Noch vor dem Versenken des Kutters erklärte der Regierungschef: „China hat mehr als 130 Schiffe, einschließlich von Kriegsschiffen und auch Flugzeuge entsandt, um seine Ölbohrinsel zu schützen. Sie liegt 18 Seemeilen innerhalb des vietnamesischen Seegebietes. Diese Wirtschaftszone entspricht den Gesetzen der Vereinten Nationen von 1992.“ Er geht um Rohstoffvorkommen und Fischgründe. Es geht aber auch um geostrategischen Einfluss: Schifffahrtsrouten, Zugänge für Unterseeboote zum Indischen Ozean, den Schutz der Öl- und Gasversorgung in Ostasien. „Es ist eine extrem ernste Situation“, sagte Dung.

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