https://www.faz.net/-gqe-7xl1g

Nach Rekordstrafen : Hedgefonds wildert beim FBI

  • -Aktualisiert am

Der seit Jahren unter Insiderverdacht stehende Wall-Street-Star Steven Cohen hat neue Ideen Bild: Reuters

Nach der Rekordstrafe wegen Insiderhandels will Steven Cohen die internen Kontrollen seiner Investmentgesellschaft stärken. Kritiker halten seinen Versuch, FBI-Agenten anzuheuern, aber für Augenwischerei.

          2 Min.

          Der seit Jahren unter Insiderverdacht stehende Wall-Street-Star Steven Cohen verfolgt mit seiner neuen Anlagegesellschaft Point72 Asset Management eine ungewöhnliche Personalpolitik: Während andere Hedgefonds nach promovierten Mathematikgenies Ausschau halten, will Cohen frühere Staatsanwälte und Agenten der Bundespolizei FBI einstellen. Das berichtet jedenfalls die „New York Times“, die mit dem seit April amtierenden Chief Compliance Officer von Point72, dem ehemaligen Bundesstaatsanwalt Vincent Tortorella gesprochen hat. Tortorella soll in dieser Rolle die Einhaltung von Regeln sicherstellen.  Weil das bisher nicht immer geklappt hatte, zahlte Cohen wegen illegalen Insiderhandels im vergangenen Jahr in einem Vergleich mit der New Yorker  Bundesstaatsanwaltschaft die Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Dollar. Die Börsenaufsicht SEC hatte davor schon rund 600 Millionen Dollar verlangt. Cohen darf auch kein Geld von externen Investoren mehr verwalten. Er änderte den Namen seiner Gesellschaft von SAC Capital in Point72 Asset Management um und verwaltet jetzt nur noch sein eigenes – auf rund 10 Milliarden Dollar geschätztes - Vermögen.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dem Leiter der Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan, Preet Bharara, gelang es nicht, Cohen selbst hinter Gitter zu bringen. Aber acht ehemalige Mitarbeiter von SAC Capital wurden wegen Insidergeschäften entweder verurteilt oder haben sich schuldig  bekannt – wobei das Urteil gegen zwei davon kürzlich von einem Berufungsgericht wieder aufgehoben wurde.  Bharara hatte SAC als  „Magnet für Marktbetrüger“ bezeichnet. Agenten des FBI spielten bei Bhararas jahrelange Kampagne gegen Hedgefonds eine wichtige Rolle. Gezielte Razzien des FBI schüchterten die Branche und Investoren ein. Auf der Internetseite des FBI wird sogar detailliert erklärt, wie was Hedgefonds sind, wie man Betrug erkennen und wo man seine Tipps hinschicken kann. An der Wall Street wird nun gerätselt, ob Cohen ein geläuterter Sünder ist, der seine neue Gesellschaft intern schärfer kontrollieren will – oder ob er mit einer Menge Geld nur die Expertise seiner ärgsten Widersacher kaufen will.

          Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass ehemalige Aufseher lukrative Aufgaben in der Finanzbranche übernehmen. Stephen Cutler, der ehemalige Leiter der Strafverfolgung bei der SEC, ist seit einigen Jahren Chefjurist der Großbank JP Morgan. James Comey, einer der Vorgänger von Bharara im Amt des Bundesstaatsanwalts von Manhattan, war einige Jahre Chefjurist des großen Hedgefonds Bridgewater Associates. Diese Expertise kommt Comey auch in seinem aktuellen Job zugute. Comey ist seit September des vergangenen Jahres Direktor des FBI.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Amerika: Menschen gehen an der New Yorker Börse vorbei, nachdem die Aktienkurse gefallen sind.

          Entwicklung der Inflation : Wenn sich Fakten ändern

          „Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung“, sagte einst John Maynard Keynes. Doch wieder einmal sind gerade seine Jünger mit den Lehren des Meisters überfordert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.