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Nach Fukushima : Schlechte japanische Wirtschaftsdaten beleben die Atomdebatte

Bild: dpa

Seit der Atomkatastrophe in Fukushima hat Japan seine Atomreaktoren weitgehend vom Netz genommen. Nun muss das Land Öl und Gas importieren. Die japanische Wirtschaft leidet.

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          Die teuren Öl- und Gasimporte belasten die japanische Wirtschaft wegen des schwachen Yen von Monat zu Monat stärker. Für den Dezember meldete das Finanzministerium nach einem Rekorddefizit in der Handels- am Montag nun auch ein Rekorddefizit in der Leistungsbilanz des Landes. Mit 638,6 Milliarden Yen fiel das Minus noch höher aus als im Vormonat mit 592,8 Milliarden Yen. Im gesamten Jahr erzielte die drittgrößte Volkswirtschaft allerdings noch einen Überschuss von 2,31 Billionen Yen in der Leistungsbilanz. Das ist der niedrigste Wert seit 1985, als die Daten erstmals erhoben wurden.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Grund für diese Entwicklung ist das wachsende Defizit in der Handelsbilanz. 2013 schloss sie mit einem Defizit von 10,64 Billionen Yen. Ursache sind die dramatisch steigenden Energiepreise. Seit der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 hat Japan seine 48 funktionsfähigen Atomreaktoren weitgehend vom Netz genommen. Derzeit sind sie alle abgeschaltet. Die Energielücke wird mit teuren Gas-, Öl- und Kohleimporten geschlossen. Die aggressive Geldpolitik der Bank von Japan, die den Yen gegenüber Dollar und Euro im vergangenen Jahr deutlich geschwächt hat, hat zwar die Exportindustrie belebt. Doch während die Ausfuhren um 9 Prozent wuchsen, stiegen die Importe um 15,4 Prozent.

          Auf die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe wächst daher der Druck der Wirtschaft, die ersten Atomreaktoren möglichst bald wieder ans Netz gehen zu lassen. Bei der Atomaufsicht NRA liegen derzeit 16 Anträge von Energieunternehmen vor, Atomreaktoren wieder hochzufahren. In allen Fällen steht die NRA kurz vor Abschluss ihrer Sicherheitsüberprüfung. In Wirtschaftskreisen wird erwartet, dass Abe beim Neustart der Atomkraftwerke jetzt entschlossener vorgeht. Am Sonntag waren die beiden früheren japanischen Ministerpräsidenten Morihoro Hosokawa und Junichiro Koizumi bei ihrem Versuch, die Regionalwahlen in Tokio zu einem Plebiszit für den Atomausstieg klar gescheitert. Der von Koizumi unterstützte Kandidat Hosokawa landete abgeschlagen auf Platz drei. Neuer Gouverneur in Tokio wird Yoichi Masuzoe, der von Abe und der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP unterstützt wurde. In Tokio heißt es, dass Abe sich durch die Wahl in seiner Politik bestätigt fühlt und schon bald die Rückkehr Japans zur Atomkraft einleiten wird.

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