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Leben nach dem Bankrott : Was 50 Cent, Donald Trump und Walt Disney gemeinsam haben

Bild: reuters

Pleite gehen ist in Amerika nichts Schlimmes. Man fängt wieder von vorn an. Gilt für Rapper wie für Lebensmittelhersteller und Präsidentschaftskandidaten.

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          Der Rapper und Unternehmer 50 Cent wirkt  nicht wie ein gebrochener Mann, seit er bankrott ist. Nachdem er in der vergangenen Woche Gläubigerschutz (Chapter 11) beantragt hatte, gab er ein paar beschwingte Talkshow-Interviews und veröffentlichte ein Bild auf Instagram,, das ihn in einem Parkhaus an einem Kleinwagen gelehnt zeigt.  Daneben steht der Spruch: „Die Zeiten sind hart hier draußen“ und daneben das Kürzel LMAO, was in der stark entschärften Übersetzung bedeutet: „Selten so gelacht.“

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Den Antrag auf Gläubigerschutz stellte der Künstler,  nachdem  ein Gericht ihn zur Zahlung von fünf Millionen Dollar an eine Frau verurteilt hatte. Der Künstler hatte ohne Erlaubnis ein Video ins Netz gestellt, das die Klägerin beim Sex zeigt. In seinem Antrag auf Gläubigerschutz  werden seine Schulden und sein Vermögen auf jeweils 10 bis 50 Millionen Dollar beziffert.

          Schadenersatz wegen Sex-Video : Rapper 50 Cent stellt Insolvenzantrag

          Curtis Jackson, der bürgerliche Name des Rappers, könne nun unbehelligt seinen Geschäften weiter nachgehen  und  seine finanziellen Verhältnisse ordnen, sagt der vom Rapper betraute Rechtsanwalt. Und deshalb promotet der Künstler einen Film und eine Schallplatte. „Ich bin nicht in Panik“, sagte 50 Cent in einem der Interviews. Er brauche aber Schutz, weil er wegen seines Reichtums zur Zielscheibe von Schadenersatzklage geworden sei. Dann wies er noch darauf hin, dass er sich in bester Gesellschaft befinde: Walt Disney habe schließlich auch bankrott gemacht. 

          Ein Herz für Schuldner

          Reue, darf man sagen, klingt anders. Sie wird auch nicht verlangt. Die Vereinigten Staaten hat nach Eindruck des Ökonomen Scott Sumner  ein Herz für Schuldner. So herrschen hier  milde Konkursgesetze im Vergleich  zu Europa, wo Pleiten und die damit verbundenen Schulden ziemlich ernst genommen werden.  Amerika macht es den Menschen einfacher, die Vergangenheit  hinter sich zu lassen. Selbst der große Präsident Thomas Jefferson,  Autor der Unabhängigkeitserklärung,  beantragte für sich einmal Gläubigerschutz. Die Vereinigten Staaten sind das Land der zweiten Chance, oder sogar der fünften.

          Die Zahl fünf ist nicht komplett hergeholt. Der Immobilienunternehmer Donald Trump ist  mit Unternehmen seines Konglomerats durch vier Gläubigerschutz-Verfahren gegangen zwischen 1991 und 2009. Sie betrafen Casino- und Hotelinvestments unter anderem in Atlantic City. Die Kreditgeber verzichten auf hunderte Millionen Dollar, um eine Reorganisation zu ermöglichen.  Donald Trump macht trotzdem nicht den Eindruck eines betrübten Mannes. Das Gegenteil beschreibt seinen Gemütszustand treffender. Denn Trump kämpft aktuell darum, der Präsident der Vereinigten Staaten werden. Und im Feld von 16 republikanischen Politikern, die genau dieselbe Absicht hegen, erzielt der Immobilienunternehmer die besten Umfrageergebnisse mit seinen rassistischen Sprüchen über Mexikaner.

          Nicht jeder nahm es leicht

          Dass die Idee einer zweiten Chance trotzdem nicht schlecht ist, zeigen die Post-Pleite -Karrieren solch bedeutender Unternehmer wie Milton Hershey (Schokoladenimperium), J.C. Penney (Supermarktkette), Henry Ford (Autos) und, da hat der Rapper  50 Cent nicht gelogen, Walt Disney  (Zeichentrickfilme).

          Disney beantragte 1920 Gläubigerschutz für eine Firma, die in Kansas Zeichentrick-Märchen entwickeln wollte. Er scheiterte mit diesem Projekt, weil seinem New Yorker Finanzier das Geld ausgegangen war. Was hätte alles aus Kansas werden können?   

          Und immer noch Milliardär werden

          Von einem der größten amerikanischen Unternehmer Henry John  Heinz, weiß aus seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen, dass er seinen Bankrott deutlich schwerer genommen hat als 50 Cent und Donald Trump. Der fromme Heinz beantragte in der Weihnachtswoche 1875 Bankrott für seine Firma, die sich auf Produktion und Vertrieb von Sauerkraut, Essig, sauren Gurken und Meerrettich  spezialisiert hatte. Nicht nur er selbst war ruiniert, auch seine aus der Pfalz und Hessen eingewanderten Eltern verloren alles. Er selbst musste zweimal ins Gefängnis. Er kam wieder auf die Beine, beglich die Schulden und legte das Fundament für  einen der größten Lebensmittelkonzerne der Welt. Jüngst ist er unter die Fittiche von Warren Buffett gekommen.

          50 Cent, der seinen Durchbruch mit dem Album „Get rich or die trying“ (Werde reich oder stirb beim Versuch, reich zu werden) schaffte, wurde jüngst von einer Reporterin des Wall Street Journals gefragt, ob er immer noch Milliardär werden wolle. Er will. Und wenn es nicht klappen sollte, dann wäre er schon schwer geknickt.

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