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Nach Abtritt von Gross : Rekordabflüsse bei Pimco

  • -Aktualisiert am

Der Weggang von Mitgründer Bill Gross belastet Pimco schwer. Bild: Reuters

Der größte Rentenfonds der Welt, der Pimco Total Return, ist nach dem überraschenden Abtritt von Chefanleger Bill Gross im September deutlich geschrumpft. Ein Teil der Kunden floh zur Konkurrenz.

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          Die große kalifornische Fondsgesellschaft Pimco hat am Mittwoch erstmals konkrete Zahlen veröffentlicht, die die negativen Folgen des Rücktritts von Mitbegründer und Chefanleger Bill Gross illustrieren. Anleger haben demnach im September 23,4 Milliarden Dollar, ein Zehntel des insgesamt verwalteten Vermögens, aus dem bislang von Gross persönlich gemanagten Pimco Total Return abgezogen. Das ist eine Rekordsumme.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die bisher umfangreichsten monatlichen Abflüsse beliefen sich im Juni 2013 auf knapp 10 Milliarden Dollar. Die meisten Kunden flohen am vergangenen Freitag, als  Gross seinen Wechsel zur mittelgroßen Fondsgesellschaft Janus Capital bekanntgab. Pimco, eine Tochtergesellschaft des Münchner Versicherers Allianz, hatte das Ausscheiden von Gross mit „grundlegenden Differenzen“ begründet. Gross‘ Führungsstil war in die Kritik geraten und er soll mit dem Wechsel einer bevorstehenden Entlassung zuvorgekommen sein.

          Der Total Return, dessen verwaltetes Vermögen sich Ende September auf rund 200 Milliarden Dollar belief, hatte wegen mittelprächtiger Ergebnisse seit April 2013 Abflüsse in Höhe von 67 Milliarden Dollar verbucht. Gross, der als einer der besten Rentenfondsmanager des vergangenen Jahrzehnts gilt, hatte den Zeitpunkt und die Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen der amerikanischen Notenbank falsch eingeschätzt. Am Montag und Dienstag ließ das Tempo der Abflüsse aber „deutlich“ nach, teilte Pimco mit. Die Fondsgesellschaft erwartet, dass die meisten Kunden bleiben werden. „Wir sind zuversichtlich, dass die große Mehrheit weiter zu Pimco stehen wird, während wir nachweisen, warum wir uns den Ruf eines der führenden Vermögensverwalter der Welt erworben haben“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Reihe von Wettbewerbern profitiert von den Turbulenzen bei Pimco. Die Fondsgesellschaft Double Line Capital, die unter der Führung von Jeffrey Gundlach einer der härtesten Konkurrenten von Pimco geworden ist, meldete für den September Zuflüsse von 1,7 Milliarden Dollar – das bislang beste Ergebnis in diesem Jahr.

          Die neue Führung von Pimco stemmt sich mit Wucht gegen die Abflüsse von Investorengeldern. Manager hielten in den vergangenen Tagen Telefonkonferenzen mit großen Investoren und Wertpapierhäusern ab und gaben Fernsehinterviews, um verunsicherte Anleger zu beruhigen. Zahlreiche Pensionskassen, die Pimco mit der Verwaltung von Teilen ihres Portfolios beauftragt haben, überprüfen diese Engagements jetzt allerdings. Analysten kalkulieren zum Teil mit Abflüssen im dreistelligen Milliarden-Dollar-Bereich. Insgesamt belief sich das verwaltete Vermögen von Pimco zuletzt auf knapp 2 Billionen Dollar.

          Der Nachfolger von Gross als Chefanleger, Daniel Ivascyn, versicherte bei einem Fernsehauftritt, dass sich am Anlageverfahren nichts ändern wird. „Pimco hat seit langem einen hochstrukturierten Anlageprozess“, sagte er. Obwohl Bill Gross nicht mehr bei Pimco sei, wolle man daran festhalten.

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