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Motorsägenkurs für Frauen : „Der Wald ist mein Fitnessstudio“

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Experten des Forstlichen Bildungszentrums bringen in einem Kurs erstmals nur Frauen den richtigen Umgang mit der Motorsäge bei. Bild: dpa

Flammende Kamine sind aus kaum einem Katalog wegzudenken - und das Brennholz dafür wollen einige unbedingt selbst machen. Ein Besuch bei Thüringens erstem Motorsägenkurs für Frauen.

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          Mit einem orangefarbenen Helm auf dem Kopf nimmt Birgit die Motorsäge in die Hand. „Das ist so ein Miniding“, sagt die 49-Jährige überrascht und kippt Benzingemisch in den Tank. Neben ihr werkeln 63 Jahre alte Erika und die 54-jährige Christina an ihren Kettensägen herum. Kurz darauf stapfen die Drei mit ihrem Ausbilder durch den Wald, zwischen dem Moos sprießen die Pilze und die Luft riecht modrig.

          Die Frauen - dicke Schutzstiefel, dunkelgrüne Hosen - wollen nicht länger allein die Kerle Nachschub für Kamin oder Holzheizung besorgen lassen. Sie besuchen den ersten Motorsägenkurs in Thüringen nur für Frauen, um das Baumfällen zu lernen. Nach Einschätzung von Thüringenforst wollen heute mehr Leute ihr eigenes Brennholz schlagen. Kommt nach dem Trend zum Gärtnern und Einwecken jetzt das Brennholzmachen?

          „Vielleicht, kann sein“, sagt Birgit, die mit ihrem Mann oft in den Wald geht. „Ich konnte immer nur den Zollstock halten und er hat geschnitten.“ Jetzt zieht sie mit ihrem Arm kräftig, um die Kettensäge anzuschmeißen. Funktioniert, ohne Probleme. Die anderen klappen ihre Ohrenschützer nach unten, die Säge rattert und frisst sich in die ersten Äste. Später am Tag kracht die erste, dünne Fichte ins Gestrüpp.

          Braucht es wirklich einen Kurs nur für Frauen - oder ist das nicht alte Denke? Nein, findet der Sprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann. Bislang hätten Frauen öfter nach Lehrgängen gefragt, aber bei gemischten Kursen meist einen Rückzieher gemacht. Bei der Kaffeepause später stellt eine Teilnehmerin eine Frage zur komplizierten Theorie des Holzfällen, schiebt aber gleich hinterher: „Mein Mann würde jetzt sagen: Was stellst du wieder für dämliche Fragen?“

          Zwischen den Bäumen steht Ausbilder Ralf Götze. Er glaubt, dass Frauen besser auf die Vorschriften achten. Sie könnten mehr Sicherheit in die „Ich-mach-Brennholz-Familien“ bringen, wie er sagt. Unterschiede etwa beim Anlassen der Motorsäge sieht er nicht. „Da haben wir auch bei Männern teilweise Probleme“, erklärt der Forstwirtschaftsmeister. Am Ende des dreitägigen Kurses bekommen die Frauen einen Schein.

          Dieses Dokument ist Pflicht für die eigene Holzernte in Thüringen und soll Unfälle verhindern. „Die Motorsäge ist in der Tat ein sehr, sehr gefährliches Werkzeug“, sagt Sproßmann. Als Laie habe man sich die Maschine schnell ins Bein gehauen, dann fließe viel Blut und es drohe mitunter auch noch eine Blutvergiftung. Birgit sieht noch ein anderes Risko: „Ich habe nicht Angst vor der Säge, ich habe Angst vor dem Baum.“

          Dass in Deutschland mehr Brennholz gemacht wird, berichtet auch das Statistische Bundesamt. Im vergangenen Jahr wurden rund 11 Millionen Kubikmeter sogenanntes Energieholz geschlagen, das zum Beispiel in Form von Scheiten, Spänen oder Pellets verbrannt wird. Die Hersteller von Motorsägen sehen auch einen wachsenden Markt bei privaten Kunden, die Konkurrenten Husqvarna und Stihl arbeiten nach eigenen Angaben ständig an leichteren Modellen.

          In dem Waldstück bei Gehren in der Nähe von Ilmenau laufen die Motorsägen heiß. Ausbilder Götze muss fast schreien, wenn er Ratschläge gibt. Die Arbeit mit der Säge strengt aber auch an, Brigit hat schon vorher gesagt: „Die Arbeit im Wald ist mein Fitnessstudio.“ Und Erika, die mit ihrem Mann ein eigenes Waldstück besitzt, ist zwar ehrgeizig („Wir wollen die Fuhre schon voll nach Hause bringen“), fügt aber auch an: „Man kann notfalls auch die Säge weglegen und Pilze sammeln gehen.“

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