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Modemarke im Abseits : Bremsspuren bei Gap

Trotz schlechter Zahlen optimistisch: Die amerikanische Modekette Gap. Bild: REUTERS

Der Modekonzern setzt die Serie schwacher Ergebnisse aus dem amerikanischen Einzelhandel fort. Das Comeback der Kette ist ein langer Weg.

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          Aus dem amerikanischen Einzelhandel kommen in dieser Woche nicht die besten Nachrichten. Vor wenigen Tagen legte die Baumarktkette Home Depot, die in den vergangenen Jahren regelmäßig solide Zahlen lieferte, schwächer als erwartete Zahlen vor. Home Depot machte vor allem das Wetter verantwortlich und sprach von „einem langsamen Start in die Frühlingssaison.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wenig berauschend waren nun auch die Zahlen der Modekette Gap, die eigentlich zuletzt nach schwierigen Zeiten wieder im Aufschwung schien. Der Konzern meldete für seine namensgebende Kette im vergangenen Quartal einen Umsatzrückgang von 5 Prozent in Filialen, die seit mindestens zwölf Monaten geöffnet sind. Dieser flächenbereinigte Umsatz wird von Analysten aufmerksam beobachtet, weil er die Entwicklung im bestehenden Filialnetz reflektiert. Vor einem Jahr hatte Gap auf dieser Basis noch ein Umsatzplus von 3 Prozent geschafft. Besser als mit Gap schnitt das Unternehmen mit seinen anderen Marken ab: Die preislich höher angesiedelte Kette Banana Republic kam mit einem Umsatzminus von einem Prozent davon, die Billigkette Old Navy schaffte sogar ein Wachstum von einem Prozent.

          Vorstandsvorsitzender Glenn Murphy schlug dennoch optimistische Töne an. Er gab zwar zu, dass der Start ins Quartal „enttäuschend“ gewesen sei, allerdings habe sich die Lage zum Ende des Berichtsquartals wieder aufgehellt. So meldete Gap für den Monat April für alle drei Ketten wieder flächenbereinigte Umsatzzuwächse. Murphy hielt außerdem an seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr fest.

          Gap ist eine Ikone in der amerikanischen Handelslandschaft. Die Kette wurde 1969 gegründet, als Don Fisher und seine Frau Doris ihren ersten „The Gap“-Laden in San Francisco eröffneten. Laut Unternehmenslegende entstand die Idee für das Geschäft, weil Don keine passenden Levi’s-Jeans finden konnte. Also machte er einen Laden mit dem Anspruch auf, Levi’s-Jeans in allen verfügbaren Größen und Designs vorrätig zu haben. Das Geschäft war erfolgreich, Fisher stellte das Sortiment von Levi’s auf die eigene Marke „Gap“ um, begann eine rasante Expansion und etablierte nebenbei die anderen Ketten Banana Republic und Old Navy. In den neunziger Jahren stand Gap für große Trends, zum Beispiel als sich von Kalifornien aus in vielen amerikanischen Unternehmen der „Casual Friday“ verbreitete. Formelle Anzüge wurden immer häufiger von zwangloser Bekleidung abgelöst, und die kam oft in Form von Gap-Khakihosen.

          Um den Jahrtausendwechsel herum tauchten Schwierigkeiten auf. Gap hatte allzu hastig expandiert und vergraulte mit einigen übermäßig modischen Kollektionen die Kunden. Gap machte eine jahrelange Durststrecke durch.

          In den vergangenen beiden Jahren ging es aber wieder aufwärts, und Gap schien wieder mehr den Geschmack der Verbraucher zu treffen. So wurde zum Beispiel eine Kollektion mit leuchtend bunten Jeanshosen zum Verkaufsschlager. Auch die Börse jubelte, und der Gap-Aktienkurs kletterte auf einen Stand, den er seit dem Jahr 2000 nicht mehr erreicht hatte. Mittlerweile hat sich die Begeisterung der Wall Street wieder etwas abgekühlt. Und auch die mäßigen Quartalszahlen haben unterstrichen, dass das Comeback von Gap ein langer Weg ist.

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