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Neuer Anbieter : Mobilfunkpreiskrieg in Indien

Milliardär Mukesh Ambani Bild: Reuters

Indiens reichster Mann, Mukesh Ambani, bringt am Montag seinen Telefondienst Jio ans Netz. Nie war Telefonieren billiger.

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          Zu schön um wahr zu sein: ein Mobiltelefon der vierten Generation für umgerechnet 40 Euro, kostenloses Telefonieren bis Dezember, dann eine feste Monatsgebühr von nur knapp 2 Euro für endloses Telefonieren, und das Herunterladen von 300 Megabyte mit einer Geschwindigkeit, die 80mal schneller als der Durchschnitt ist – was wie ein Märchen klingt, wird gerade in Indien wahr. Kein Wunder, dass der Anbieter dieser Konditionen mit vielen Kunden rechnet: Rund 100 Millionen Menschen sollen es bald werden. Das alles verspricht Mukesh Ambani, der reichste Mann Indiens.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Seine Telefongesellschaft Reliance Jio Infocomm Ltd geht an diesem Montag in Indien ans Netz. „Die Zeiten, wo man für Telefonanrufe bezahlt, sind endgültig vorbei“, sagte der Multimilliardär bei der Vorstellung seines Programms. Zurückhaltung kennt er nicht. So sollen pro Tag eine Million Kunden gewonnen werden. Das geht nur, weil die meisten Inder dank des neuen Aadhaar-Programms nun über eine eigene Personalnummer verfügen. Über eine App und diese Nummer sollen die Neukunden rasch aufgenommen werden.

          Konkurrenz unter Druck

          Die Inder nehmen Ambani ernst. Der Börsenwert der beiden bestehenden Konkurrenten, Bharti Airtel und Idea Cellular, fiel nach der Ankündigung innerhalb von Minuten um rund 1,8 Milliarden Dollar. Allein Airtel macht etwa 70 Prozent ihres Umsatzes mit den Gebühren für Telefongespräche. Der Aktienkurs fiel um einen zweistelligen Prozentsatz. „Don’t mess with Mukesh“ – leg Dich nicht mit Mukesh an, kommentierten Analysten das Vorpreschen. Ambani selber schätzt den Datenverbrauch bei Jio auf rund 2,5 Milliarden Gigabyte pro Monat, wenn der Markt erobert ist.

          Die Inder wird Ambanis Vorpreschen freuen. Der Subkontinent ist der zweitgrößte Mobilfunkmarkt der Welt nach China. Ambani führt mit Reliance vor allem einen Rohstoffkonzern. Öl und Gas steuern rund 98 Prozent zum Gewinn seines ererbten, und mit seinem Bruder geteilten Imperiums bei. Der Telefondienst Jio, der wie auch der Lebensmittelhandel Ausgleich bieten soll, wurde neun Monate ausprobiert. Extrem wichtig ist der Datenverkehr in Indien, weil 90 Prozent der gut 151 Millionen Mobilfunkkunden das Handy nutzen, um im Netz zu surfen.

          Schon die Ankündigung von Jios Markteintritt hat die Preise dramatisch purzeln lassen: Airtel senkte die Gebühren für das Surfen im Netz um 67 Prozent. Die Herausforderung für Jio aber wird darin liegen, das riesige Land schnell genug zu erobern, und Telefone der vierten Generation (4G) zu verkaufen. Zu Beginn will Jio rund 18.000 indische Städte und 200.000 Dörfer abdecken. Im März nächsten Jahres sollen 90 Prozent der fast 1,3 Milliarden Inder erreicht werden.

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