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Minus 18 Prozent : Der Twitter-Kurs stürzt ab

Erst abgehoben, nun im Sinkflug: Twitter an der New Yorker Börse Bild: REUTERS

Anders als einst Facebook hatte Twitter einen glänzenden Start an der Börse erlebt. Jetzt kommt die große Ernüchterung: Der erste Quartalsbericht nach dem Börsengang lässt den Twitter-Kurs abstürzen - zu wenige neue Nutzer.

          Der erste Quartalsbericht nach dem Börsengang stößt bisweilen auf ein gestrenges Publikum. Das hat schon das soziale Netzwerk Facebook erlebt. Facebook legte 2012 erst einen missglückten Börsengang hin, und nach der Vorlage von Zahlen einige Monate später stürzte der Kurs weiter ab. Freilich hat sich die Facebook-Aktie längst erholt und kürzlich einen Rekordstand erreicht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Twitter feierte im Gegensatz zu Facebook ein glänzendes Debüt an der Börse. Die Aktien wurden im November für 26 Dollar ausgegeben und kosteten am Ende des ersten Handelstages 44,90 Dollar. Seither ist der Kurs zwischenzeitlich auf mehr als 70 Dollar gestiegen.

          Nun aber sorgte der am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegte Quartalsbericht für eine kalte Dusche. Die Aktie erlebte im nachbörslichen Handel einen Kursrutsch um zeitweise 18 Prozent. Dabei waren die Geschäftsergebnisse an sich nicht schlecht: Der Umsatz hat sich auf 243 Millionen Dollar mehr als verdoppelt und war besser als von Analysten erwartet. Es gab zwar einen enormen Nettoverlust von 511 Millionen Dollar, den Twitter aber vor allem mit Aufwendungen für Mitarbeiteraktien erklärte. Auch Facebook hatte aus diesem Grund in seinem ersten Quartalsbericht einen Verlust ausgewiesen.

          Facebook beliebter

          Das Problem waren die Nutzerzahlen. Die Zahl der Nutzer, die Twitter mindestens einmal im Monat besuchen, lag zum Quartalsende bei 241 Millionen und damit gerade einmal neun Millionen höher als Ende September. Das ist der geringste Zuwachs an Nutzern seit drei Jahren, und es ist umso enttäuschender, weil der öffentlichkeitswirksame Börsengang in das vergangene Quartal fiel. Man hätte darauf hoffen können, dass die vielen Schlagzeilen rund um das Wall-Street-Debüt mehr Interesse an Twitter wecken. Selbst Facebook konnte im vergangenen Quartal 39 Millionen neue Nutzer gewinnen. Dabei hat das soziale Netzwerk mit seinen mittlerweile mehr als 1,2 Milliarden Nutzern schon einen viel höheren Sättigungsgrad erreicht als Twitter. Fast die Hälfte aller Internetnutzer auf der Welt ist auf Facebook.

          Enttäuschend war auch eine andere Kennzahl dafür, wie rege Twitter-Mitglieder den Dienst nutzen. Die sogenannten Timeline Views, die messen, wie oft Nutzer Twitter aufrufen oder die Seite aktualisieren, waren erstmals überhaupt rückläufig.

          Twitter-Vorstandsvorsitzender Dick Costolo musste sich in einer Telefonkonferenz viele kritische Fragen von Analysten zur Entwicklung der Nutzerzahlen anhören. Er versuchte, Zuversicht zu verbreiten, das Nutzerwachstum wieder beschleunigen zu können. Er versprach, Twitter verständlicher und zugänglicher für neue Nutzer zu machen. Es half wenig, denn der Aktienkurs gab während der Konferenz weiter nach. Immerhin gab Twitter keine schlechte Umsatzprognose. Der Konzern sagte für 2014 einen Umsatz von 1,15 Milliarden bis 1,2 Milliarden Dollar voraus. Das wäre fast eine Verdopplung gegenüber dem Umsatz von 665 Millionen Dollar im abgelaufenen Jahr.

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