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„Minderwertige“ Rechnungslegung : Notenbank wirft Deutscher Bank Schlamperei vor

  • -Aktualisiert am

Dorn im amerikanischen Auge? Bild: REUTERS

Als „minderwertig, ungenau und unzuverlässig“ kritisiert die Fed die Rechnungslegung der Deutschen Bank. Es ist nicht der erste Konflikt zwischen der amerikanischen Bankenaufsicht und dem deutschen Branchenprimus.

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          Die Meldung hatte es in sich. Als das „Wall Street Journal“ am Dienstag eine dreiviertel Stunde vor Börsenschluss in New York eine schlimme Geschichte über die Deutsche Bank auf seine Internetseite stellte, ging der Aktienkurs des deutschen Marktführers umgehend auf Talfahrt. Zur Schlußglocke hatte sich der Kursverlust auf deutliche 2,9 Prozent ausgeweitet - trotz einer allgemein positiven Börsentendenz.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das Wirtschaftsblatt meldete prominent, dass die Notenbank Fed die Deutsche Bank wegen eklatanter Mängel bei ihrer Rechnungslegung und der internen Revision gerügt hat. Ein hochrangiger Vertreter der New York Fed habe die Finanzberichterstattung der Deutschen in Teilen des amerikanischen Geschäfts in einem schon im Dezember verfassten Brief an Manager der Bank als „minderwertig, ungenau und unzuverlässig“ bezeichnet.

          Das Ausmaß der Fehler lege nahe, dass die gesamte Struktur der Rechnungslegung umfassend verbessert werden müsse, hieß es in dem Schreiben. Die Mängel, auf die die Fed schon vor mehr als zehn Jahren erstmals hingewiesen hatte, kämen einem „systemischen Ausfall“ gleich. Die Fed forderte Manager der Bank auf, Maßnahmen zur Lösung dieser Probleme zu ergreifen. Möglicherweise müsse die Deutsche Bank auch einige der bei den Aufsichtsbehörden eingereichten Finanzdaten neu ausweisen.

          „Bad Bank“

          Die Besorgnis der Bankenaufseher sei bei der Überprüfung regulatorischer Berichte im vergangenen August gewachsen. Vertreter der Fed hatten das Berichtswesen der Bank danach gegenüber Bankmanagern als „das Schlechteste“ unter vergleichbaren Instituten kritisiert. Eine der Tochtergesellschaften der Deutschen Bank habe die Risiken von 20 Prozent ihrer Kredite falsch bewertet.

          Kommt eine Bank den Anweisungen der Fed nicht nach, kann die Bankenaufsicht im äußersten Fall bestimmte Geschäfte verbieten. Nach Angaben eines Banksprechers arbeitet die Deutsche Bank aber „eifrig“ daran, ihre Systeme und Kontrollen weiter zu stärken. Um das zu erreichen, investiere die Bank weltweit eine Milliarde Euro und setze 1300 Mitarbeiter ein – darunter 500 Leute in den Vereinigten Staaten, die in den Bereichen Risikomanagement, Technologie und Regelüberwachung tätig sind.

          Sieben Monate alter Brief

          Die Deutsche Bank spielt unter europäischen Kreditinstituten die größte Rolle an der Wall Street. Rund ein Viertel der gesamten Bilanzsumme der Bank entfällt auf das amerikanische Geschäft. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des mehr als sieben Monate alten Briefes könnte in Europa neuen Verschwörungstheorien Vorschub leisten, da die Deutsche Bank in der kommenden Woche ihren Quartalsbericht vorlegen wird.

          Amerikanische Behörden waren zuletzt hart gegen europäische Banken vorgegangen. Die französische Großbank BNP Paribas zahlte in einem außergerichtlichen Vergleich kürzlich eine Strafe von knapp 9 Milliarden Dollar. Der Bank waren Verstöße gegen Wirtschaftssanktionen vorgeworfen worden. Auch der Deutschen Bank und der Commerzbank drohen in dieser Angelegenheit noch saftige Geldbußen. In Europa wird kolportiert, dass die amerikanischen Behörden damit einheimischen Instituten geschäftliche Schützenhilfe leisten wollten – obwohl Milliardenstrafen auch für amerikanische Banken zur Normalität geworden sind.

          Gleichwohl scheinen die Beziehungen zwischen der Fed und der Deutschen Bank seit geraumer Zeit gespannt. Erst im Februar hatte die Fed neue Auflagen für Auslandsbanken verabschiedet, die die Geschäfte der Deutschen Bank und bis zu 20 weiterer internationaler Großbanken verteuern wird. Die Fed verlangt von Tochtergesellschaften ausländischer Großbanken künftig mehr Eigenkapital und flüssige Mittel. Davor hatte es genügt, wenn die im Ausland sitzende Muttergesellschaft genügend Kapital nachweisen konnte, um mögliche Verluste abzufedern.

          Die Fed will mit den Regeln vermeiden, dass ausländische Banken im Krisenfall von amerikanischen Steuerzahlern vor der Insolvenz bewahrt werden müssen. Während der Finanzkrise vor sechs Jahren hatten Auslandsbanken, darunter die Deutsche Bank, in großem Stil auf Notkredite der Fed zurückgegriffen. Europäische Bankenvertreter kritisierten die neuen Regeln als Wettbewerbsnachteil für europäische Banken. Und an der Wall Street wurden die neuen Vorgaben als „Anti-Deutsche-Bank-Regel“ verspottet.

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