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MH17 : Australien könnte Abschuss als Terrorakt einstufen

Bild: dpa

Gilt der Abschuss von MH 17 als Terrorakt, so würde dies die Auszahlung von Entschädigungen an die Familienangehörigen der 28 australischen Opfer beschleunigen.

          Australien könnte laut einem Pressebericht den Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 als „terroristischen Akt“ einstufen. Mit dieser Maßnahme könnte die Auszahlung von Entschädigungen an die Familien der Opfer beschleunigt werden, berichtete die Australian Broadcasting Corporation (ABC) am Montag. Demnach stünden bei einem Terrorakt jeder Familie bis zu 75.000 Australische Dollar zu. Mit 28 seiner Staatsbürger hatte Australien die meisten Passagiere an Bord nach den Niederlanden und Malaysia. Außerdem hatten mindestens acht weitere Opfer ihren Wohnsitz auf dem Fünften Kontinent.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die unterschiedlichen Ursachen eines Flugzeugabsturzes wirken sich nicht nur auf die Kompensationen für die Angehörigen aus, sondern auch auf mögliche Versicherungszahlungen an die Fluggesellschaft. Die Allianz ist der Hauptrückversicherer der Passagiermaschine, auch die Hannover Rück ist beteiligt. Der Wert des Flugzeugs wird auf fast 100 Millionen Dollar geschätzt. Führender Versicherer bei Kriegsschäden soll allerdings die Gesellschaft Atrium Underwriting Group sein, die im Falle von Terrorismus mögliche Ansprüche begleichen müsste.

          Die Regierung in Canberra hatte in den vergangenen Tagen besonders starke Worte gegenüber Präsident Putin gefunden. Russland könne sich nicht „seine Hände reinwaschen“, sagte der Premierminister Tony Abbott am Wochenende. Australien erwägt sogar, den Präsidenten vom G20-Gipfel in Brisbane im November auszuladen, falls er nicht bei der Klärung der Katastrophe kooperiert. Am Montag berichtete Abbott, dass er in der Nacht mit dem russischen Präsidenten telefoniert habe. Dabei habe Putin „alles Richtige gesagt“, berichtete der Premierminister, ohne Details zu nennen. Es komme nun aber darauf an, dass sich Putin an sein Wort halte.

          Umgang mit Absturz „völlig inakzeptabel“

          Australien, das schon in der Suche nach dem verschollenen Malaysia-Airlines-Flug MH370 eine führende Rolle spielt, will auch an der internationalen Untersuchung der Absturzursache von MH17 maßgeblich beteiligt sein. In Kiew ist deshalb ein australisches Investigationsteam gelandet. Es wird wie schon bei der Suche nach MH370 von dem früheren Luftwaffenchef Angus Houston geleitet. Außerdem will das Land am Montag eine Resolution in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einbringen, in dem Russland allerdings das Veto-Recht besitzt. Australiens Außenministerin Julie  Bishop ist deshalb nach New York gereist. In der Resolution soll der ungehinderte Zugang zum Absturzort gefordert werden.

          Der derzeitige Umgang mit den Toten und der Absturzstelle sei „völlig inakzeptabel“, sagte Tony Abbott am Montag. „Es sieht mehr nach Gartenarbeit als einer forensischen Untersuchung aus.“ Schon in den vergangenen Tagen hatte Abbott starke Worte geäußert. „Die Untersuchung darf nicht gestört werden. Jede Einmischung hat das Ziel, die Wahrheit zu verdecken und die Schuldigen zu schützen“, sagte Tony Abbott. Die Welt wisse, dass es Probleme in der Ukraine gebe, aber sie wisse auch, wer diese Probleme schüre. „Das russische Argument, dass sie nichts damit zu tun hätten, weil es über ukrainischem Luftraum passiert ist, hält keiner ernsthaften Prüfung stand“, sagte Abbott.

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