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Wagniskapital : Melinda Gates investiert in Frauen

Melinda Gates im Mai 2017 Bild: dpa

Weibliche Unternehmensgründer bekommen heute in Amerika nur einen winzigen Teil des Risikokapitals. Das will die Frau von Bill Gates ändern.

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          In der amerikanischen Technologiebranche sind Frauen und ethnische Minderheiten unterrepräsentiert. Die Anteile dieser Gruppen an den Belegschaften sind im Schnitt niedriger als in anderen Industrien. Bei Google und Facebook sind zum Beispiel kaum mehr als 30 Prozent weiblich.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Noch viel krasser ist das Missverhältnis in der Geschlechterverteilung, wenn man darauf blickt, welche Start-Up-Projekte von Investoren finanziert werden. Unternehmen mit weiblichen Gründern haben im vergangenen Jahr nur rund zwei Prozent des gesamten Risikokapitals in den Vereinigten Staaten bekommen. Auf schwarze Gründerinnen entfällt nicht einmal ein Prozent.

          Melinda Gates will dazu beitragen, dass sich das ändert. Die Frau von Bill Gates, dem Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft und einem der reichsten Menschen der Welt, hat kürzlich in eine Wagniskapitalgesellschaft investiert, die von zwei Frauen gegründet worden ist und die überdurchschnittlich viele Unternehmen mit Frauen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten finanziert.

          „Boys‘ Club“

          Für Gates, die sich heute vor allem mit der von ihr und ihrem Mann geführten wohltätigen Stiftung beschäftigt, ist dies kein karitatives Projekt. Sie sieht brachliegendes Geschäftspotential. Auf einer Podiumsdiskussion in Austin zeigte sich überzeugt, dass es bei entsprechender Förderung mit Wagniskapital künftig viel mehr unternehmerische Erfolgsgeschichten von Frauen geben werde. „In zehn Jahren werden diese ganzen Jungs realisieren, was sie sich für Deals durch die Lappen haben gehen lassen.“

          Wagniskapitalgeber sind in der Technologiebranche eine essentielle Geldquelle und damit gewissermaßen die Eintrittskarte ins Unternehmertum. Sie sind aber berüchtigt dafür, ein von Männern dominerter „Boys‘ Club“ zu sein, viel mehr noch als die Technologieunternehmen selbst. Und darin sieht Melinda Gates auch einen wesentlichen Grund, warum die Investoren ihr Geld mit überwältigender Mehrheit an weiße männliche Gründer geben und warum in der Folge diese Gruppe auch die Belegschaften der Unternehmen dominierten. „Man investiert einfach in das, was man kennt, wie etwa in diese ganzen Jungs, die von Harvard oder Stanford kommen.“ Gates findet aber, das sei „eine schreckliche Geschäftsstrategie“. Denn damit würden Bevölkerungssegmente ignoriert, die eine ganz andere und womöglich sehr wertvolle Perspektive liefern könnten.

          Die Wagniskapitalbranche muss sich nicht nur regelmäßig vorhalten lassen, unterrepräsentierte Gruppen nicht genug zu fördern. Sie wurde im vergangenen Jahr auch von Enthüllungen über sexuelle Belästigung erschüttert. Mehrere Frauen gingen an die Öffentlichkeit und erzählten Episoden, wie sie von Männern bedrängt worden seien, darunter einige ranghohe Mitarbeiter von Wagniskapitalgesellschaften.

          Mehrere von ihnen sind im Zuge der Enthüllungen zurückgetreten. Von solchen personellen Konsequenzen zeigt sich die Unternehmerin Niniane Wang ermutigt, eine aus der Gruppe von Frauen, die mit Belästigungsvorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sind: „Wir sehen viele Fälle, in denen die Übeltäter hinausgeschmissen und mit Frauen ersetzt werden.“

          Auch das umgekehrte Problem gibt es

          Auf einer anderen Veranstaltung in Austin trat Kirsten Greene auf, die sich mit ihrem 2010 in San Francisco gegründeten Risikokapitalbetrieb Forerunner Ventures auf Handelskonzepte spezialisiert und in eine Reihe prominenter Unternehmen investiert hat, etwa den Rasiererversender Dollar Shave Club, der vor knapp zwei Jahren vom europäischen Konsumgütergiganten Unilever für eine Milliarde Dollar gekauft worden ist.

          Greene sagte, Forerunner sei anfangs selbst ausschließlich mit Frauen besetzt gewesen. Dann habe sie aber festgestellt, dass ihr Unternehmen ein umgekehrtes Problem mit Vielfalt („Diversity“) habe und ihm eine männliche Perspektive fehle.

          Daraufhin sei ein Mann eingestellt worden, dem es dann aber so gegangen sei wie ihr oft in ihrem früheren Berufsleben, wo sie die einzige Vertreterin ihres Geschlechts in Besprechungen gewesen sei. Also habe sie das Team um einen zusätzlichen Mann erweitert. Sie sagt, ihre Firma habe davon profitiert. Vielfalt sei daher heute in jeder Hinsicht ein Prinzip in ihrem Unternehmen – und nicht nur mit Blick darauf, dass die Perspektive von Frauen gehört werde.

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