https://www.faz.net/-gqe-7os1s

Massendemonstrationen : Taiwan stoppt Bau des vierten Atomreaktors

„Stoppt das vierte Atomkraftwerk“ steht auf dem Plakat Bild: AFP

Taiwans Regierung gibt nach: der vierte Atommeiler wird nicht gebaut, das Volk soll entscheiden. Tagelange Massendemonstrationen haben es ungemütlich für die Regierung gemacht.

          Taiwans Regierungschef Jiang Yi-huah hat am Montag unter dem Druck anhaltender Demonstrationen gegen die Atomkraft den Bau des geplanten vierten Atomkraftwerks in dem ostasiatischen Land vorerst gestoppt. Er folgt damit einer Ankündigung von Präsident Ma Ying-Jeou, der am Wochenende erklärt hatte, dass die Bürger Taiwans in einer Volksabstimmung über den Bau des umstrittenen Reaktors entscheiden sollen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Taiwan hat bislang drei Atomkraftwerke, die zusammen rund 20 Prozent des Stroms liefern. Am Sonntag hatten in der Hauptstadt Taipeh erneut zehntausende Menschen gegen die Atomkraft protestiert. Seit Tagen veranstalten Atomkraftgegner Sitzstreiks. Die Energiepolitik ist das zweite große Thema in kurzer Zeit, bei dem Präsident Ma auf wachsenden politischen Protest stößt. Schon ein geplantes Handelsabkommen mit der Volksrepublik China hatte vor einigen Wochen immer wieder zu Massendemonstrationen gegen Ma geführt.

          Opposition fordert Referendum in diesem Jahr

          „Indem wir die Bauarbeiten aussetzen, hoffen wir, dass die Bürger Zeit haben, darüber nachzudenken und das Thema zu diskutieren, bevor sie an der Wahlurne entscheiden“, sagte Ministerpräsident Jiang am Montag in Taipeh. Wann das Referendum stattfinden soll, sagte er nicht. Die oppositionelle Demokratische Fortschrittspartei forderte, das Referendum noch in diesem Jahr anzusetzen.

          Das vierte Atomkraftwerk sollte ursprünglich bereits 2004 in Betrieb gehen; jetzt geht die Regierung in Taipeh davon aus, dass es 2016 ans Netz gehen kann. Politische Querelen, Pannen bei den Sicherheitstests und explodierende Baukosten hatten den Bau immer wieder verzögert. Massendemonstrationen gegen den Bau gibt es seit der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi in Japan im März 2011 immer wieder. Der vierte taiwanesische Reaktor soll – wie die Reaktoren in Fukushima – in einem erdbebengefährdeten Gebiet gebaut werden. Der Bau entsteht in einer Region, in der es viele Unterwasservulkane gibt.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

          Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtigen Spieler fehlen.
          Signale des Bewusstseins, im Computer rekonstruiert: links ein fast bewusstloser Komapatient, rechts ein Gesunder, in der Mitte ein Komapatient mit Bewusstsein.

          Wegen Fehlverhaltens : Urteil gegen den Primus der Hirnforschung

          Der weltbekannte Hirnforscher Niels Birbaumer behauptet, Locked-In-Patienten wieder kommunikationsfähig zu machen. Jetzt hat ihn die DFG wegen Fehlverhaltens verurteilt. Er will trotzdem weitermachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.