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Markteinblick : Krisen in Washington und Rom drücken Aktienkurse

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Haushaltsstreit in den Vereinigten Staaten und die Regierungskrise in Rom haben den Börsen zum Quartalsende zu schaffen gemacht.

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          „Das ist eine politische Gemengelage, in der sich niemand auf dem falschen Fuß erwischen lassen will. Folglich halten sich die Anleger extrem bedeckt, was sich in sehr geringen Umsätzen niederschlägt“, fasste ein Händler in Frankfurt den Handelstag zusammen. Der Dax verlor 0,8 Prozent auf 8594,40 Punkte, der marktbreite F.A.Z.-Index 0,7 Prozent auf 1812 Stellen.

          Amerikanischer Verwaltung droht ab Mitternacht die Schließung

          Mit dem Ende des Haushaltsjahres um Mitternacht droht in den Vereinigten Staaten die Schließung der Bundesverwaltung, sollten sich die Parteien nicht noch auf eine Finanzierung des Etats einigen. Die meisten Anleger setzten darauf, dass dies in letzter Minute doch noch geschehen wird.

          „Und selbst wenn es diese Nacht zu einem ’government shutdown’ kommt, rechnen die meisten noch damit, dass eine Pleite der weltgrößten Volkswirtschaft vermieden werden kann“, erklärte der Händler mit Blick auf die wichtigere Erhöhung der Schuldenobergrenze zu Mitte Oktober, über die die Parteien derzeit ebenfalls streiten. „Niemand kann sich vorstellen, dass die Politiker das Gezänk bis auf die Spitze treiben“, fügte er hinzu.

          Druck auf Berlusconi zum Einlenken wächst

          Bange Blicke gingen auch in den Süden Europas. Viele Investoren warfen italienische Aktien und Staatsanleihen aus ihren Depots. Der Leitindex der Mailänder Börse rutschte 1,2 Prozent ab. Die Rendite der zehnjährigen Bonds kletterte um etwa 15 Basispunkte auf etwa 4,57 Prozent.

          Positiv nahmen die Anleger die Entwicklung in der Partei des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf, in der sich Widerstand gegen den Kurs des 77-jährigen Milliardärs regt. Die Hoffnung des amtierenden Regierungschefs Enrico Letta, mit den Abweichlern eine Mehrheit zu formen und so Neuwahlen zu verhindern, schienen begründet zu sein, sagten Händler. Somit schloss die Mailänder Börse deutlich über dem Tagestief, und die Rendite lag klar unter dem Tageshoch von 4,75 Prozent.

          Haushaltsstreit belastet Wall Street

          An der Wall Street zu Wochenbeginn dominiert, die Frage, ob es zu einer Einigung im Haushaltsstreit kommt oder nicht. Zur Regierungskrise in Italien gesellen sich unerwartet schwache Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe Chinas. Dieser Nachrichtenmix sorgt beim Dow-Jones-Index für einen Abschlag von 0,7 Prozent auf 15.156 Punkte. Für den S&P-500 geht es um 0,5 Prozent nach unten, der Nasdaq Composite reduziert sich um 0,3 Prozent.

          „Die Politik drängt die fundamentalen Daten derzeit in den Hintergrund“, heißt es von Alan Gayle, Stratege von Ridgeworth Investments. Allerdings sei der große Blick des Marktes weiter auf die Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten gerichtet und da „könnte sich ein gutes Momentum für das vierte Quartal ergeben“, so der Teilnehmer weiter.

          Hoffen auf die Konjunktur

          Genauere Hinweise auf die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft könnten bereits in dieser Woche eine ganze Reihe von Daten liefern. Neben dem ISM-Index für das Verarbeitende und das Nicht-Verarbeitende Gewerbe steht hier vor allem der Arbeitsmarktbericht für September am Freitag im Blickpunkt. Ein besser als erwartet ausgefallener Einkaufsmanagerindex der Region Chicago stützt die Stimmung zu Wochenbeginn an der Wall Street dagegen kaum.

          J.C. Penney auf tiefstem Kurs seit 1929

          Der Aktienkurs von J.C. Penney fällt um weitere 0,8 Prozent. Der Kurs war in der Vorwoche eingebrochen, nachdem der Einzelhändler eine Kapitalmaßnahme bekannt gegeben hatte. Dabei wurden 84 Millionen Aktien verkauft, das entspricht beim Schlusskurs vom Freitag einem Volumen von rund 760 Millionen Dollar. Im Verlauf fiel die Aktie mit 8,59 Dollar sogar auf den niedrigsten Stand seit Oktober 1929, der Erstnotiz der Aktie an der Wall Street.

          Die Apple-Aktie verliert 0,5 Prozent. Das deutsche Bundespatentgericht hat ein Patent von Apple über einen Bildschirm-Effekt beim Benutzen der Fotogalerie für nichtig geklärt. Das entschied das Gericht nach eigenen Angaben vom Montag bereits am Donnerstag nach Klagen der Apple-Konkurrenten Motorola und Samsung.

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