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Marktbericht : Dax hält nach Rekordwoche vor der Bundestagswahl inne

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die deutschen Aktienmärkte gehen am Wochenende vor der Bundestagswahl mit einem leichten Minus aus dem Handel. Bei RWE sorgte die halbierte Dividende für Kursverluste von 3,9 Prozent.

          Nach den Rekorden der abgelaufenen Woche hat der Dax vor der Bundestagswahl einen Gang zurückgeschaltet. Die Unsicherheit über den Ausgang der Wahl und eine mögliche Hängepartie bei der Koalitionsbildung habe für Zurückhaltung gesorgt, sagten Händler. Der Leitindex schloss am Freitag 0,2 Prozent tiefer bei 8675,7 Punkten. Auf Wochensicht kann das wichtigste deutsche Börsenbarometer ein komfortables Plus von 1,95 Prozent vorweisen. Der M-Dax gab am Freitag um 0,2 Prozent auf 15.021,4 Punkte nach und der Tec-Dax sank um 0,7 Prozent auf 1067,5 Punkte. Der Index mittelgroßer Werte hatte am Donnerstag auch einen Rekord eingefahren, der Tec-Dax war so hoch gestiegen wie seit dem Frühjahr 2002 nicht mehr. Der marktbreite FAZ-Index verlor 0,2 Prozent auf 1822,8 Punkte.

          Selbst der große Verfallstag von Optionen und Futures, der sogenannte „Hexensabbat“, habe kaum Bewegung in den Handel gebracht, kommentierte Marktstratege Gregor Kuhn vom Broker IG Markets. „Angesichts eines Preisniveaus nahe des jüngsten Allzeithochs sowie der nun unmittelbar bevorstehenden Bundestagswahl halten sich die Marktteilnehmer mit neuen Engagements zurück“, sagte er.

          RWE nach drastischer Dividendenkürzung Dax-Schlusslicht

          Bei den Unternehmen büßten die Aktien von Adidas 3 Prozent ein, nachdem der Sportartikelhersteller zum wiederholten Male in diesem Jahr seine Unternehmensziele kassiert hatte. Ein Börsianer sprach in einer ersten Einschätzung nach der Gewinnwarnung von einem Vertrauensverlust. Beim Versorger RWE sorgte die halbierte Dividende für Kursverluste von 3,9 Prozent und den letzten Platz im Dax. Diese Maßnahme sei eine „klare Enttäuschung“, sagte ein Händler.

          Für die Vorzugsaktien von Volkswagen ging es wieder deutlich nach unten, die Titel verloren 2,2 Prozent. Bereits am Vortag hatten sie wegen eines Medienberichts zu den Geschäftszielen von Europas größtem Autobauer deutliche Verluste verzeichnet. Papiere der Deutsche Bank waren am Schluss 2 Prozent günstiger, weil ein Medienbericht unter Händlern Sorge um ein möglicherweise schwächeres Anleihegeschäft auslöste.

          Deutsche Post an Dax-Spitze

          Aktien der Deutschen Post legten an der Dax-Spitze um 5,2 Prozent zu. Sie sind ab Montag kommender Woche im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 notiert - viele institutionelle Anleger müssen dann automatisch in die Titel investieren.

          Die Aktien von Kabel Deutschland reagierten bei einem Kurs von etwas mehr als 93,75 Euro kaum noch auf die Nachricht aus Brüssel, dass die EU-Kommission für die geplante Übernahme durch den britischen Mobilfunker Vodafone grünes Licht gab. Seit geraumer Zeit hatten Anleger mit einer Zustimmung der Behörde gerechnet. Die Aktionäre sollen von den Briten je Aktie 87 Euro erhalten.

          Leichtes Minus in Europa und den Vereinigten Staaten

          Auch an den europäischen Börsen gab es Abschläge. Der Euro Stoxx 50 schloss 0,3 Prozent niedriger bei 2927,2 Punkten. Ebenso ging es in Paris mit rund 0,1 Prozent und in London mit rund 0,4 Prozent nach unten.

          Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,52 Prozent am Vortag auf 1,54 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent Prozent auf 132,97 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,03 Prozent auf 138,45 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3514 (Donnerstag: 1,3545) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7400 (0,7383) Euro.

          Wall Street eröffnet kaum verändert

          Die Wall Street hat am Freitag im Handelsverlauf verloren. Der Chef der Notenbank von St. Louis, James Bullard, sagte in einem Bloomberg-Interview, ein Rückfahren der milliardenschweren Konjunkturhilfen schon im Oktober sei möglich. Am Mittwochabend hatte die amerikanische Notenbank die Märkte damit überrascht, dass sie genau das nicht getan hat. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,4 Prozent nach auf 15.572 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,3 Prozent auf 1717 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,2 Prozent ein auf 3783 Punkte.

          Angesichts des vierfachen Verfalls an diesem Freitag dürfte der Handel volatil verlaufen, weil Anleger diejenigen Werte, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. Abgerechnet werden dabei Index-Optionen, Index-Futures, Aktien-Optionen und Futures auf einzelne Aktien. Bei den Einzelwerten verteuerten sich die Aktien von Apple um 0,5 Prozent, nachdem der Verkauf der neuen iPhone-Modelle am Freitag weltweit mit den üblichen Schlangen vor den Läden und Lieferengpässen gestartet war. Microsoft-Aktien gaben dagegen 2,6 Prozent nach. Der scheidende Konzernchef Steve Ballmer räumte bei einer emotionalen Abschiedsrede vor Investoren Fehler ein. Er gräme sich wegen des verpassten Einstiegs des weltgrößten Softwarekonzerns in den florierenden Smartphone-Markt, sagte Ballmer vor Finanzanalysten.

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