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Marissa Mayer : Die Absteigerin

Die Absteigerin: Marissa Mayer Bild: dpa

Es war ein schwarzes Jahr für Marissa Mayer: Erst sah sie sich gezwungen, Yahoo zu verkaufen, dann brachten sie Hacking-Attacken in Erklärungsnot.

          3 Min.

          Vor fast genau drei Jahren hatte Präsident Barack Obama eine Gruppe ranghoher Vertreter amerikanischer Technologiekonzerne zu sich ins Weiße Haus eingeladen. Unter den Gästen war auch Marissa Mayer, die Vorstandsvorsitzende von Yahoo.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Als vor wenigen Wochen der künftige Präsident Donald Trump Technologieprominenz in seinem Trump Tower um sich versammelte, waren einige Manager dabei, die damals schon in der Runde mit Obama saßen. Zum Beispiel Sheryl Sandberg, die Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks Facebook, oder Tim Cook, der Vorstandschef des Elektronikkonzerns Apple. Marissa Mayer gehörte diesmal nicht dazu. Ob sie gerne teilgenommen hätte, ist nicht bekannt, aber in jedem Fall hatte ihr Fehlen eine gewisse Symbolik. Es unterstreicht, dass sie nicht mehr zur ersten Garde im Silicon Valley gehört.

          Nicht nur eine persönliche Blamage

          Tatsächlich hat die einstige Überfliegerin der Internetbranche ein schwarzes Jahr hinter sich. Die großen Hoffnungen, mit denen sie bei 2012 bei Yahoo angetreten war, haben sich zerschlagen. Mayer scheiterte mit ihren Bemühungen, Yahoo wieder zu früherer Relevanz zurückzuführen, und sah sich schließlich zur Kapitulation gezwungen. Sie vereinbarte den Verkauf des Kerngeschäfts von Yahoo an den Telekommunikationskonzern Verizon.

          Damit aber waren die Turbulenzen längst nicht vorbei. Denn im September und im Dezember wurden zwei spektakuläre Hacking-Angriffe auf Yahoo bekannt. In einem Fall wurden die Daten von mehr als einer Milliarde Nutzern gestohlen, es war die schwerwiegendste Cyberattacke, die es jemals gegen ein einzelnes Unternehmen gab.

          Die Angriffe waren nicht nur eine persönliche Blamage für Mayer, der nachgesagt wird, dass unter ihrer Führung Datensicherheit nicht zu den Top-Prioritäten von Yahoo gehörte. Sie warfen auch die Frage auf, ob Verizon die noch nicht vollzogene Übernahme noch platzen lassen könnte oder zumindest versuchen würde, den Preis nachträglich herunterzuhandeln.

          Einst ein Superstar

          Dabei ist schon der vereinbarte Kaufpreis von 4,8 Milliarden Dollar ein Armutszeugnis für Mayer, wenn man bedenkt, dass Yahoo im Jahr 2000 einmal 125 Milliarden Dollar wert war. Yahoo hat heute zwar insgesamt noch eine Marktkapitalisierung von rund 37 Milliarden Dollar, aber das erklärt sich vor allem mit der Beteiligung am chinesischen Internetunternehmen Alibaba. Für dieses wertvolle Aktienpaket kann Mayer nichts, denn Yahoo stieg schon 2005 bei den Chinesen ein. Der Verkauf an Verizon umfasst nicht den Alibaba-Anteil, sondern nur die klassischen Kerngeschäfte von Yahoo wie E-Mail oder Finanz- und Sportangebote.

          Mayer kam einst als Superstar der Internetbranche zu Yahoo. Sie war vorher viele Jahre beim deutlich erfolgreicheren Wettbewerber Google, wo sie zu den ersten zwanzig Mitarbeitern gehörte. Bei Google spielte sie eine wichtige Rolle in der Entwicklung vieler Online-Angebote, und sie vertrat das Unternehmen oft in der Öffentlichkeit auf Konferenzen oder in Fernsehtalkshows.

          Allerdings schienen ihre Aufstiegsmöglichkeiten bei Google zuletzt begrenzt, was ihr womöglich die Entscheidung für einen Wechsel zu Yahoo erleichterte. Bei Yahoo wurde Mayer mit offenen Armen empfangen. Kurz nach ihrem Antritt waren in der Zentrale im kalifornischen Sunnyvale Poster mit ihrem Konterfei und dem Wort „Hope“ für „Hoffnung“ zu sehen, angelehnt an die berühmte Vorlage mit Barack Obama.

          Unklare Strategie

          Es ist Mayer zugute zu halten, dass sie bei Yahoo ein schweres Erbe angetreten hat. Das 1994 gegründete Unternehmen gehörte zu den frühen Erfolgsgeschichten der amerikanischen Internetszene, hatte aber im Laufe der Jahre im Kampf um Online-Werbeumsätze einen immer schwereren Stand gegen Wettbewerber wie Google und Facebook.

          Die traditionellen Internetportale wie Yahoo oder auch AOL mit ihrem Bauchladen an Online-Diensten auf einer Seite verloren an Bedeutung. Yahoo fehlte es zudem an einer klaren Strategie und das Unternehmen schien oft selbst nicht genau zu wissen, ob Technologie oder Medien der Kern des Unternehmens sind.

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          Diese Orientierungslosigkeit erklärt sich zum Teil damit, dass die Führung von Yahoo so oft wechselte. Auch Mayer sollte das Comeback nicht gelingen. Einige der von ihr forcierten Projekte wurden wieder eingestellt, auch Zukäufe wie die Bloggingplattform Tumblr brachten nicht den erhofften Schub. Mayer legte wiederholt enttäuschende Zahlen vor, Großaktionäre entzogen ihr das Vertrauen, und am Ende sah sie sich gezwungen, einem Verkauf zuzustimmen.

          Bislang beteuert die 41 Jahre alte Mutter von drei kleinen Kindern, auch nach dem vollzogenen Verkauf an Verizon bei Yahoo bleiben zu wollen. In der Branche gilt das als sehr fraglich. Sollte sie Yahoo im Zuge des Verkaufs verlassen, stünde ihr ein Abfindungspaket im Wert von fast 55 Millionen Dollar zu. Freilich dürfte sie schon seit ihrer Zeit bei Google finanziell ausgesorgt haben.

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