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Malaysias Währung : Wohin verschwindet der Ringgit?

Die Petronas-Türme in Kuala Lumpur Bild: Reuters

Die Regierung in Kuala Lumpur hat Geld verloren. Die Währung wird immer schwächer. Jetzt sieht sich der Ministerpräsident zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen.

          2 Min.

          Angesichts des Abwertungsdrucks in Asien sah sich Malaysias Ministerpräsident Najib Razak gezwungen, wachsenden Spekulationen eine Absage zu erteilen, das Land werde erneut Kapitalverkehrskontrollen einführen. Der malaysische Ringgit steht auf dem tiefsten Stand seit der Asienkrise 1998 gegenüber dem Dollar. Damals hatte die drittgrößte Volkswirtschaft Südostasiens unter Najibs Vorgänger Mahathir Mohamad über Nacht den freien Kapitalverkehr eingeschränkt und sich damit den Rettungsplänen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) widersetzt. Mahathir bekämpft Najib seit Monaten und will dessen Rückzug erzwingen. Bevor Mahathir zum Schutz vor Spekulanten wie George Soros 1998 Kapitalverkehrskontrollen einzog, hatte der Ringgit in Jahresfrist 30 Prozent ihres Außenwertes verloren. Allein seit Jahresbeginn hat er 23 Prozent abgegeben. 

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auch die Preise für die Rohstoffe Malaysias fallen ins Bodenlose. Zugleich rätselt das Land weiter über Herkunft und Verbleib von 2,6 Milliarden Ringgit (567 Millionen Euro), die 2013 auf dem Privatkonto des Ministerpräsidenten verbucht wurden. Unter massivem Druck erklärte er, das Geld sei die Spende einer befreundeten Nation für den Wahlkampf gewesen. Inzwischen ist klar, dass dafür indes nur ein kleiner Teil ausgegeben wurde, der Löwenanteil aber auf sein Privatkonto in Singapur transferiert wurde. Spätestens seit die Nation über diesen Skandal debattiert, ist es völlig offen, wie lange Najib sich noch im Sattel halten wird. Mittlerweile stehen auch Schweizer Banken in diesem Zusammenhang im Feuer. Wie auch der Schweizer Informant Xavier Justo, der aus seinem Insiderwissen um die dubiosen Geschäfte zwischen Najib, dem malaysischen Staatsfonds und arabischen Firmen mittels Erpressung Kapital schlagen wollte und dafür unter Hilfe der malaysischen Behörden in Bangkok zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

          Eine Regierungskrise schwächt die Währung weiter

          „Auch wenn der derzeitige Außenwert des Ringgit nicht die fundamentale Stärke unseres Landes zeigt, beachtet die Regierung die Einbindung Malaysias in die Weltwirtschaft. Wir bleiben bei einer marktfreundlichen Politik“, sagte Najib. Seinen Äußerungen vorangegangen waren mehrere Sitzungen zum Thema zwischen Regierung und Notenbank. „Die Widerstandskraft unseres Finanzsystems ist intakt, und die heimischen Finanzmärkte funktionieren normal“, stellte sich Najib alle Wetten gegen den Ringgit entgegen. Er wandte sich auch gegen die Sicht im Ausland, die politischen Wirren seien der Grund für den dramatischen Wertverlust des Ringgit. „Die überragende Wertgewinn des amerikanischen Dollar hat alle Währungen getroffen. Die Abwertung des Ringgit entspricht in etwa derjenigen des australischen oder neuseeländischen Dollar. Und auch der Yuan verliert ja nun gerade an Wert.“

          Doch im Markt spekulieren augenscheinlich starke Kräfte auf einen weiteren Wertverlust durch fortgesetzte Unsicherheiten im politischen Leben des Landes. Seit Jahresbeginn haben sich die Kreditausfallabsicherungen für Malaysia um 74 Basispunkte verteuert und stehen schon wieder auf dem Stand von 2011. Auch dies ist der schlechteste Wert in Gesamtasien. Er liegt 40 Basispunkte über dem Wert des krisengeschüttelten Mexiko.  „Die Märkte werden immer nervöser, die Lage des Landes wir heikler“, orakelte die Schweizer UBS Bank gerade.

          Dazu tragen auch die schwindenden Devisenrücklagen bei. Seit 2010 sind sie erstmals unterhalb die Schwelle von 100 Milliarden Dollar gesunken. Die anerkannte Notenbankchefin Zeti Aziz erklärte vergangene Woche, es sei an der Zeit, sie wieder aufzustocken. Der Bruder des Ministerpräsidenten, Nazir Rajak, der es zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates der größten Bank des Landes gebracht hat, erklärte unterdessen, „die jüngsten Ereignisse überschatten die Sicht der internationalen Gemeinschaft“ auf Malaysia. Der Chef der Bank CIMB fuhr fort: „Aus meiner Sicht ist eines der großen Themen das Gefühl: Wie internationale Investoren die politische Situation in Malaysia empfinden“. Seinen Bruder brauchte er nicht eigens zu erwähnen.

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