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Hohe Ticketpreise : Luxusvergnügen Broadway

„Hamilton“-Aufführung 2015 im Public Theater in New York Bild: AP

Mehr als 350 Dollar für „Hamilton“-Tickets: Solche Preise sind in der New Yorker Theaterszene heute gang und gäbe. Und bescheren ihr Rekordeinnahmen.

          Alle paar Jahre schafft es ein Musical am New Yorker Broadway, zu einem derartigen Massenphänomen zu werden, dass auf normalem Wege nur sehr schwierig an Eintrittskarten zu kommen ist. Das war vor einiger Zeit bei „The Producers“ so, später bei „Book of Mormon“. Für Tickets zu diesen Shows wurde auf dem Schwarzmarkt oft ein Vielfaches der regulären Preise verlangt. Der aktuelle Megahit heißt „Hamilton“. Das Musical dreht sich um Alexander Hamilton, den ersten amerikanischen Finanzminister, es verbindet die historische Materie mit moderner Hip-Hop-Musik. Es eröffnete 2015 zunächst vor einem begeisterten Publikum in einem kleineren Theater der Stadt und kam dann nach einigen Monaten an den Broadway, also eine der großen Bühnen, die sich um den Times Square herum verteilen. Der Ansturm auf die Show ist gewaltig, auf dem Schwarzmarkt und auch auf legitimen Zweitverkaufsplattformen werden Tickets regelmäßig für mehr als 1000 Dollar verkauft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber nicht nur beim Kartenkauf auf diesen Wegen sind mittlerweile horrende Summen für einen Theaterabend fällig. Die Broadway-Theater haben vor einiger Zeit beschlossen, dem hoch lukrativen Zweitverwertungsgeschäft nicht mehr tatenlos zuzusehen und ihre eigene Preispolitik zu ändern. Sie bieten verstärkt Premiumsitze an, die nun ebenfalls enorm ins Geld gehen. Galten noch bis vor nicht allzu langer Zeit Tickets für 100 Dollar als teuer, werden nun ganz andere Dimensionen erreicht. Das lässt sich besonders gut am Beispiel „Hamilton“ ablesen: In der letzten Woche des abgelaufenen Jahres kostete das teuerste regulär verkaufte Ticket für das Musical 849 Dollar. Selbst der Durchschnittspreis für die Show lag bei üppigen 358 Dollar.

          Und so ist „Hamilton“ für seine Produzenten zu einer wahren Goldgrube geworden und bricht einen Rekord nach dem anderen. In der letzten Woche des Jahres spielte das Musical 3,8 Millionen Dollar ein. Das hat noch nie eine Broadway-Show in einer einzigen Woche geschafft. Im Gesamtjahr lagen die Kasseneinnahmen bei fast 158 Millionen Dollar. „Hamilton“ steht damit für fast ein Zehntel des Gesamtumsatzes der rund 40 Broadway-Theater. Und das ist nur das Geschäft in New York. Es gibt mittlerweile „Hamilton“-Ableger in Chicago und London sowie eine Tourneeproduktion, die durch die Vereinigten Staaten zieht.

          Aber nicht nur „Hamilton“ lässt im Moment die Kassen klingeln. Die Broadway-Theater haben insgesamt ein Rekordjahr hinter sich, ihre Umsätze addierten sich auf mehr als 1,6 Milliarden Dollar. Die größten Hits hinter „Hamilton“ sind die Dauerbrenner „The Lion King“ und „Wicked“, die schon seit vielen Jahren laufen. Daneben gehören auch jüngere Produktionen wie „Dear Evan Hansen“ und „Come From Away“ zu den größten Hits.

          All diese Shows waren zuletzt zu 100 Prozent ausgelastet, und auch sie sind kein billiges Vergnügen. Tickets für „Dear Evan Hansen“ kosteten in der Schlusswoche des Jahres im Schnitt 265 Dollar. Was die Durchschnittspreise betrifft, werden indessen all diese Produktionen und sogar „Hamilton“ noch von Bruce Springsteen in den Schatten gestellt. Der Rocksänger tritt im Moment fünf Mal in der Woche in einem New Yorker Broadway-Theater auf, und Karten für diese Show kosten im Schnitt mehr als 500 Dollar. „Springsteen on Broadway“ startete erst im Oktober und soll im Gegensatz zu vielen anderen Shows nur für eine begrenzte Zeit – bis Ende Juni – zu sehen sein.

          Den Broadway-Theatern kommt zugute, dass New York ein beliebtes Reiseziel bleibt – trotz der Sorgen, dass die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump propagierten restriktiveren Einreiseregeln den Tourismus bremsen könnten. Die Tourismusgesellschaft New York & Company schätzt zwar, dass im vergangenen Jahr 100000 weniger Besucher aus dem Ausland in die Stadt gekommen sind. Aber inklusive Reisender aus dem Inland sei die Zahl der Touristen von 60,5 Millionen auf einen neuen Rekord von 61,8 Millionen gestiegen. Und für viele Touristen in New York gehört ein Besuch in einem Broadway-Theater zum Pflichtprogramm.

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