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Nach Smartphone-Debakel : Gründerenkel soll Samsung retten

Überreste eines Galaxy Notes 7 Bild: AP

Nach dem Schlamassel mit dem brandgefährlichen Handy Galaxy Note 7 ist der Gewinn von Samsung eingebrochen. Nun soll ein Nachfahre des Firmengründers der Firma auf die Beine helfen.

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          Mitten im Debakel um den Rückruf des Handy-Spitzenmodells Galaxy Note 7 übernimmt der Enkel des Gründers mehr unternehmerische Verantwortung im südkoreanischen Vorzeigeunternehmen Samsung Electronics. Eine außerordentliche Hauptversammlung bestätigte am Donnerstag, dass Lee Jae-yong in den neunköpfigen Vorstand des Unternehmens aufrückt. Damit erhält der 48 Jahre alte Lee mehr Einfluss auf strategische Entscheidungen und macht einen weiteren Schritt hin an die Spitze des Unternehmens.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Personalie kommt in einer kostenträchtigen und rufschädigenden Krise des Unternehmens, das am 11. Oktober nach gerade mal zwei Monaten das Handy-Spitzenmodell Note 7 vom Markt nehmen musste. Dutzende der mobilen Telefone waren in Brand geraten oder überhitzt und trotz eines wohl vorschnell ausgerufenen Rückrufs war Samsung nicht in der Lage, fehlerfreie Geräte auszuliefern.

          Massiver Umsatz- und Gewinnrückgang

          Die am Donnerstag vorgelegten Quartalsdaten verdeutlichen den finanziellen Schaden für Samsung. Der Umsatz im Geschäft mit mobilen Endgeräten schrumpfte gegenüber dem Vorquartal um 15 Prozent auf 22,54 Billionen Won (18 Milliarden Euro). Der Betriebsgewinn der Sparte brach auf 100 Milliarden Won (80 Millionen Euro) nahezu komplett ein, nachdem Samsung im Vorquartal operativ noch einen Gewinn von 4,32 Billionen Won in der Sparte erreicht hatte.

          Insgesamt erzielte Samsung Electronics einen Betriebsgewinn von 5,2 Billionen Won (4,2 Milliarden Euro). Das Betriebsergebnis entsprach damit dem zuvor herabgesetzten Ausblick und lag um 30 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 7,8 Prozent auf 47,8 Billionen Won (38 Milliarden Euro). Der Überschuss war mit 4,5 Billionen Won um 17 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

          Samsung erhofft sich kurzfristig Erholung von dem Note-7-Debakel durch eine starke Nachfrage nach elektronischen Bauteilen wie etwa Arbeitsspeichern. Üblicherweise profitiert Samsung in der zweiten Jahreshälfte vor dem Weihnachtsgeschäft von einem Nachfrageschub nach Komponenten, der nicht zuletzt auf das neue iPhone-Spitzenmodell des Konkurrenten Apple zurückgeht.

          Nach Medienberichten werden Apple und chinesische Smartphone-Hersteller ihre Produktion in diesem Jahr ausweiten, um in die Lücke hineinzustoßen, die der Rückzug des Note 7 hinterlässt. Das könnte Samsungs Komponentengeschäft zusätzlichen Schub verleihen.

          Trotz Produktionsstopp : Das Galaxy Note 7 bringt Samsungs Image in Gefahr

          Der neue Lee im Familienkonzern

          Das neue Mitglied im Vorstand, Lee Jae-yong, ist schon jetzt Vizevorsitzender von Samsung Electronics. Seit 2014, als sein Vater Lee Kun-hee einen Herzinfarkt erlitt, hat Lee im Unternehmen mehr Einfluss gewonnen. Die Tradition im konservativen Südkorea erschwert es aber, dass Lee schon zu Lebzeiten seines Vater die Führungsrolle übernimmt. Der 74 Jahre Lee Kun-hee hatte als Gründersohn 1987 die Führung des Konzerns übernommen und Samsung mit harter Hand zu einem Giganten im Markt für Verbraucherelektronik entwickelt.

          Das Elektronikunternehmen ist der wirtschaftliche Kern der Samsung-Gruppe, des größten familiengeführten Konglomerats (Chaebol) des Landes, dass die Lee-Familie durch ein Netz von Beteiligungen kontrolliert. Der Umsatz der knapp 70 Gruppen-Unternehmen addierte sich 2013 netto auf mehr als 20 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes. Damit ist Samsung für Südkorea wirtschaftlich wichtig und einflussreich.

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