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Alexa : Amazons unheimlicher Überraschungshit

Ein Amazon-Manager stellt die Alexa-Produktpalette vor. Bild: AP

Ein digitaler Assistent in Form eines Lautsprechers: Der „Amazon Echo“ hatte erst viele Skeptiker, verkauft sich aber mittlerweile glänzend. Und Amazon hat noch viel größere Ambitionen für das Gerät.

          Der Online-Händler Amazon.com stellt seit einigen Jahren selbst elektronische Geräte her, seine Bilanz ist dabei aber durchwachsen. Großen Erfolg hatte das Unternehmen mit dem Lesegerät Kindle, das dazu beitrug, das Lesen von Büchern in digitaler statt gedruckter Form populär zu machen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Kindles sind auch in einer Zeit, in der elektronische Bücher auf Tabletcomputern wie dem iPad gelesen werden können, populär geblieben, und erst am Mittwoch enthüllte Amazon eine neue Version des Geräts. Zu einem kapitalen Flop wurde dagegen das vor zwei Jahren herausgebrachte Smartphone Fire Phone. Nach diesem Misserfolg brachte das Unternehmen ein weiteres und etwas eigenartiges Gerät heraus, den „Amazon Echo“.

          Das ist ein zylindrischer Lautsprecher, der aber nicht nur Musik spielen kann, sondern vor allem als persönlicher Assistent nach dem Vorbild der von Apple bekannten Software Siri in allen möglichen Lebenslagen helfen soll. Das 180 Dollar teure Gerät, das es bis heute nur in Amerika gibt, beantwortet Fragen, liest Nachrichten vor, fungiert als Wecker und erzählt sogar Witze. Und natürlich hilft es bei Bestellungen von Amazon. Es wird immer dann aktiv, wenn es das Schlüsselwort „Alexa“ hört. Man kann also zum Beispiel sagen: „Alexa, was ist die Hauptstadt von Panama?“, und eine Frauenstimme liefert die Antwort. Die Kommandos können dem Gerät freihändig und auch von der anderen Seite eines Zimmers zugerufen werden.

          Die Fachwelt war sich zunächst nicht so recht sicher, was sie von dem neuen Produkt halten sollte. Die ersten Kritiken waren durchwachsen, nicht zuletzt weil sich der Amazon Echo mit seiner Alexa-Software beim Einsatz in der Praxis oft als nicht sonderlich hilfreich herausstellte und nicht die gewünschten Antworten lieferte. Es ist ein Problem, das auch von anderen Assistenzsystemen wie Siri bekannt ist.

          Bald eine Milliarde Dollar Umsatz

          Und dennoch hat sich das Gerät für Amazon als Überraschungshit entpuppt. Das Unternehmen veröffentlicht zwar selbst keine genauen Zahlen, hat aber gesagt, dass der Echo im jüngsten Weihnachtsgeschäft zeitweise das meistverkaufte Produkt in der Preisklasse von 100 Dollar und mehr im gesamten Sortiment war. Bisweilen war das Produkt auf der Amazon-Seite ausverkauft und wurde auf Ebay zu höheren Preisen angeboten. Scot Wingo von der auf Online-Handel spezialisierten Beratungsgesellschaft Channel Advisor sagte der „New York Times“, Amazon sei auf dem Weg dazu, mit dem Gerät einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar zu erzielen.

          Der Echo ist zwar bis heute nicht perfekt, aber Amazon hat hart daran gearbeitet, Schwachstellen auszumerzen. Und Besitzer des Geräts sind offenbar zufrieden, denn die Kundenrezensionen sind überwiegend sehr gut. „Das ist die größte Sache seit geschnittenem Brot,“ heißt es zum Beispiel in einer begeisterten Besprechung. Steve Wozniak, der Mitgründer des Elektronikkonzerns Apple, gab sich kürzlich in einem Fernsehinterview als großer Fan des Geräts zu erkennen und sagte, es sei „Luxus und Freiheit“, nichts aufheben zu müssen und einfach von der anderen Seite eines Raumes Anweisungen geben zu können.

          Wozniak traut dem Gerät sogar zu, „die nächste große Plattform“ zu werden. Tatsächlich beschränken sich die Ambitionen von Amazon nicht darauf, einen Assistenten zu liefern, der Wissenslücken füllen und für Unterhaltung sorgen kann.

          Amazon will das Produkt zu einer Art Schaltzentrale im zunehmend vernetzten Haushalt („Smart Home“) machen. Immer mehr Dinge des täglichen Lebens von Autos bis zu Haushaltsgeräten werden mit dem Internet verbunden, und nach Amazons Vorstellung sollen der Echo und seine Alexa-Software dabei eine große Rolle spielen.

          Amazon hat deshalb mittlerweile eine ganze Reihe von Kooperationen vereinbart, zum Beispiel mit Nest, dem zur Internetholding Alphabet gehörenden Hersteller von vernetzten Thermostaten, die sich nun auch mit dem Echo regulieren lassen. Kürzlich kündigte Amazon auch eine Allianz mit dem Autohersteller Ford an, die den Echo mit dessen Informations- und Unterhaltungssystem Sync verknüpft.

          Damit soll es zum Beispiel möglich werden, das Auto von der Küche aus zu starten oder umgekehrt vom Auto aus das Licht im Haus anzuschalten. Amazon verbindet den Echo auch mit diversen Smartphone-Anwendungen („Apps“). So kann man über das Gerät vom Fahrdienst Uber ein Auto bestellen.

          Die zunehmende Vernetzung der Welt, für die auch der Amazon Echo steht, wirft Fragen nach Sicherheit und Datenschutz auf. Als Schaltzentrale im digitalen Haushalt sammelt das Amazon-Gerät viele Daten über die Gewohnheiten seiner Nutzer. Das Unternehmen sagt mit Blick auf solche Bedenken, es habe den Echo so programmiert, dass er nur dann aktiv wird, wenn er das „Alexa“-Kommando hört. Das Gerät verfolge also keine anderen Unterhaltungen. Den vielen Fans des Echo scheint es jedenfalls nichts auszumachen, ein jederzeit aufmerksames digitales Familienmitglied in ihrem Haushalt zu haben.

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