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Starker Dollar : Es droht eine neue Finanzkrise

Bislang ungehörte Mahnerin: IWF-Chefin Christine Lagarde Bild: Reuters

Viele Schwellenländer haben das niedrige Zinsniveau Amerikas dazu genutzt, sich in Dollar zu verschulden. Die Summen sind beunruhigend groß. Sollte der Kurs der Währung steigen, droht ein Dominoeffekt, der zu einem neuen Fiasko für die Weltwirtschaft führen könnte.

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          Die alte Finanzkrise ist noch nicht verdaut, da kündigt sich neues Unheil an: eine Finanzkrise, die in Schwellenländern ihren Ausgang nimmt. Sie hängt mit dem starken Dollar zusammen. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat in fast jeder ihrer größeren Reden der jüngeren Zeit darauf hingewiesen. Das zeigt, dass der Währungsfonds in großer Sorge ist.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Viele Schwellenländer haben das niedrige Zinsniveau der Vereinigten Staaten genutzt, sich in Dollar zu verschulden. Das betrifft besonders Unternehmen in Schwellenländern, die im schlimmsten Fall hohe Schulden in Dollar aufgenommen haben, unter den stark gefallenen Rohstoffpreisen leiden und steigende Kreditkosten zu bewältigen haben. Viele der Unternehmen haben nach Erkenntnis des Währungsfonds ihre hohe Dollarposition nicht abgesichert.

          Wertsteigerung des Dollar gefährlich

          Deshalb ist für einige von ihnen die Entwicklung des Dollars eine Katastrophe. Die amerikanische Währung hat real gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen binnen des letzten halben Jahres zwölf Prozent an Wert gewonnen.

          Eine weitere Wertsteigerung des Dollar vor allem gegenüber Währungen der Schwellenländer  würde gefährlich werden, weil es den Ländern im Moment ohnehin nicht gut genug geht, um weitere Krisen gut zu verkraften. Die alten Bric-Stars Brasilien und Russland dümpeln  zwischen Stagnation und Depression, China wächst langsamer, allein Indien scheint vor einer neuen Blüte zu stehen.

          Kredite von zwei Billionen Dollar

          Die Summe der Dollarkredite in den Schwellenländern wirkt beunruhigend groß: Nach Angaben der Genfer Bank für Zahlungsausgleich hat der Unternehmenssektor der Schwellenländer Kredite für zwei Billionen Dollar in seinen Bilanzen. Jede weitere Wertsteigerung bringe die Konzerne unter Stress, warnt Desmond Lachman, Währungsexperte  vom American Enterprise Institute.

          Was aber könnte dem Dollar Auftrieb geben? Die Antwort auf diese Frage gibt Lagarde ziemlich unverschlüsselt: Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Notenbank Fed. Yellen will erklärter Maßen die Geldpolitik normalisieren und die Leitzinsen vielleicht im Juni schon leicht anheben. Ein beunruhigender Gedanke für Lagarde: Die Liquidität könne schnell verdampfen, wenn jeder gleichzeitig zum Ausgang renne nach einer Zinserhöhung durch die Fed. 

          Einen Vorgeschmack dieser Gefahren habe die Welt bekommen, als die Schwellenländer im Frühjahr 2013 große Kapitalabflüsse erlebten, weil die amerikanische Notenbank damals erwog, das Anleihe-Kaufprogramm zurückzufahren. Damit zeigt sich auch das teuflische Dilemma der amerikanischen Geldpolitik: Sie hat mit billigem Geld den Anreiz geliefert, sich in Dollar zu verschulden. Den Geldhahn zuzudrehen ist deutlich schwerer.

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