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Land im Wandel : Glückliches Australien

Australischer Hoffnungsträger Bild: AFP

Australien steht vor einem Neuanfang, seit der Rohstoffboom seinen Höhepunkt lang hinter sich hat. Doch Analysten sind zuversichtlich.

          2 Min.

          Trotz aller Herausforderungen bleibt die Stimmung in Australien gut. Am Mittwoch erklärte die Supermarktkette Coles, sie werde innerhalb von drei Jahren 16.000 Stellen schaffen und 1,1 Milliarden Australische Dollar (715 Millionen Euro) in den Bau von 70 neuen Märkten investieren. Das ist Musik in australischen Ohren, nachdem in der Industrie und bei der Fluggesellschaft Qantas Zehntausende von Jobs wegfallen werden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Fünfte Kontinent muss sich neu ausrichten. Die Bergwerksgesellschaften haben ihre Investitionen rapide zusammengestrichen. Zulieferer, die den Boden für neue Minen heben, merken dies als Erste. Wenn dann erst der Bau der längst begonnenen Großprojekte abgeschlossen ist, wird sich das auch an der Arbeitslosenstatistik ablesen lassen – denn der Betrieb eines modernen Bergwerkes braucht wesentlich weniger Arbeiter als die Bauphase. Schon heute aber liegt die Arbeitslosenrate im „lucky country“, dem glücklichen Land, mit 6 Prozent so hoch, wie seit gut zehn Jahren nicht mehr.

          Fusionitis

          Einer der Rohstoffzaren allerdings beweist weiterhin Mut: Während die Branchenriesen BHP Billiton und Rio Tinto Sparkommissare an die Spitze gesetzt haben, die an Übernahmen nicht mehr denken, denkt Ivan Glasenberg genau darüber nach. Der Vorstandsvorsitzende der Nummer vier der Branche, Glencore Xstrata, sucht nach lohnenden Ergänzungen in den Portfolien der Branchenführer. Das neu formierte Unternehmen hat gerade eine mit 4,58 Milliarden Dollar Überschuss goldgeränderte Bilanz vorgelegt. Erst im Mai vergangenen Jahres hatte Glencore für 29 Milliarden Dollar Xstrata übernommen. Nun interessiert sich Glasenberg, der mit 8,9 Prozent den Löwenanteil des Unternehmens hält, für Nickel-Vorkommen von BHP Billiton in Westaustralien, die die eigenen ergänzen würden.

          Zugleich spricht Glencore Xstrata mit Rio Tinto über ein Zusammenführen der Kohle-Aktivitäten in Ost-Australien. Die Analysten der Citigroup glauben, eine Fusion werde rund 500 Millionen Dollar sparen. Das tut Not, denn der Preis für Kokskohle pendelt um den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Wenn China in diesem Jahr, wie von Ministerpräsident Li Keqiang am Mittwochmorgen in Peking umrissen, in diesem Jahr um 7,5 Prozent wächst, sind kaum große Preissprünge erwarten.

          Trotzdem ist den Australiern bislang die Laune nicht vergangenen. Im letzten Quartal vergangenen Jahres wuchs die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Erde im Jahresvergleich um 2,8 Prozent, und damit stärker als erwartet. Die Haushalte steigerten ihre Ausgaben um 0,8 Prozent, die Ausfuhr gewann 2,4 Prozent. Schatzkanzler Joe Hockey erklärte am Mittwoch, die Regierung plane eine Wachstumsrate von „mehr als 3 Prozent“ jährlich. Damit werde auch die Arbeitslosenrate fallen.

          „Die australische Volkswirtschaft ist seit dem Höhepunkt des Rohstoffbooms in kein Loch gefallen. Der Stimulus der Zentralbank kommt an“, sagte Katrina Ell von der Ratingagentur Moody’s in Sydney. Die Zentralbank hatte am Dienstag den Leitzins weiterhin bei niedrigen 2,5 Prozent gehalten. Daraufhin stiegen im Januar die Genehmigungen für Neubauten im Vergleich zum Vormonat um 6,8 Prozent. Im Jahresvergleich legten sie um 34,6 Prozent zu.

          In dieser Hinsicht profitiert Australien im Übrigen auch von einem schwächelnden China: Denn die Chinesen kaufen sich zunehmen in das sichere Rohstoffland ein. Schon jetzt kaufen Chinesen 18 Prozent aller Neubauten in Sydney, 14 Prozent in Melbourne. Im Durchschnitt kauften sie in den vergangenen sieben Jahren jedes Jahr Immobilien im Gesamtwert von 3,4 Milliarden australischen Dollar (2,21 Milliarden Euro) „down-under“.

          Der australische S&P ASX 200 gewann am Mittwoch 0,85 Prozent. Weil auch die Furcht vor der Krim-Krise nachließ, legten die Aktien in ganz Asien zu. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific gewann bis mittags in Tokio 0,9 Prozent. Nachdem der Yen leichter notierte, stieg der Topix in Tokio um 1,1 Prozent. Nur die chinesischen Werte gaben leicht nach.

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