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Kurssturz : Twitter-Aktie verliert mehr als 18 Prozent

Twitter als App für das Iphone Bild: dpa

Der Kurznachrichtendienst liefert der Wall Street eine böse Überraschung. Fast eine Stunde zu früh sickerten enttäuschende Zahlen durch, am Ende war fast ein Fünftel des Firmenwerts weg.

          Jetzt könnte es eng werden für Dick Costolo. Der Vorstandsvorsitzende des Kurznachrichtendienstes Twitter muss sich seit dem Börsengang des Unternehmens vor knapp eineinhalb Jahren regelmäßig Kritik anhören, und es gibt immer wieder Gerüchte über seine mögliche Ablösung. Ihm wird insbesondere vorgehalten, dass es Twitter nicht gelingt, seine Nutzergemeinde schneller auszubauen. Costolo hatte bisher aber zumindest ein Argument auf seiner Habenseite: Auch wenn die Zahl der Nutzer kaum wächst, schaffte es Twitter, aus ihnen mehr und mehr Kapital zu schlagen, und die Werbeumsätze wuchsen sprunghaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber auch damit ist es nun vorbei, denn bei der Vorlage von Quartalszahlen hatte Twitter eine böse Überraschung parat. Das Umsatzwachstum hat sich verlangsamt und fiel deutlich schlechter als erwartet aus, außerdem korrigierte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten. Die Wall Street reagierte schockiert, und der Aktienkurs von Twitter rutschte am Dienstag bis zum Handelsschluss um mehr als 18 Prozent auf 42,27 Dollar.

          Zahlen vorab bekannt geworden

          Das Unternehmen wollte den Bericht ursprünglich erst nach Ende des Börsenhandels vorlegen, aber ein Finanzdienst hatte schon vorher Wind von den Zahlen bekommen und sie dann – ausgerechnet auf Twitter – auch publik gemacht. Twitter sah sich dann gezwungen, die Zahlen selbst noch vor Börsenende zu veröffentlichen. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie nochmals rund 2 Prozent. Trotz des Kurssturzes vom Dienstag liegt die Aktie im Vergleich zum Jahresbeginn noch immer 18 Prozent im Plus.

          Twitter meldete für das erste Quartal zwar ein noch immer stattliches Umsatzwachstum von 74 Prozent auf 436 Millionen Dollar. Analysten hatten aber mit 457 Millionen Dollar gerechnet, und im vorangegangenen Quartal hatte Twitter noch einen Zuwachs von 97 Prozent geschafft. Costolo gab zu, dass der Umsatz die eigenen Erwartungen verfehlte und führte dies auf eine schwächer als erhoffte Entwicklung bestimmter neuer Werbeformate zurück. Auch für das Gesamtjahr schraubte Twitter die Messlatte nach unten und sagt nun einen Umsatz von 2,17 Milliarden bis 2,27 Milliarden Dollar voraus. Bislang hatte das Unternehmen 2,3 Milliarden bis 2,35 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Twitter meldete außerdem einmal mehr einen Nettoverlust, der diesmal bei 162 Millionen Dollar lag. Bereinigt um Sonderposten hätte Twitter aber einen Gewinn je Aktie von 7 Cent erreicht und damit 3 Cent mehr als von Analysten erwartet.

          Nutzer nicht aktiv genug

          Das Nutzerwachstum hielt sich im vergangenen Quartal einmal mehr in Grenzen. Twitter hat nun 302 Millionen Mitglieder, die den Dienst mindestens einmal im Monat nutzen. Das sind 14 Millionen mehr als im Quartal zuvor. Zum Vergleich: Das soziale Netzwerk Facebook kam zuletzt auf 1,44 Milliarden Mitglieder. Eine Belebung des Nutzerwachstums bei Twitter ist zumindest im laufenden Quartal offenbar nicht in Sicht. Costolo sagte in einer Telefonkonferenz, die Mitgliederzahlen seien im April nur langsam gestiegen. Die Bemühungen von Twitter, sein Publikum auszuweiten, sind also bislang offenbar nicht von Erfolg gekrönt. Das Unternehmen versucht, neuen Nutzern den Einstieg zu erleichtern, indem sie zum Beispiel automatisch eine Nachrichtenleiste mit Einträgen („Tweets“) zu sehen bekommen und diese sogenannte Timeline nicht erst manuell zusammenstellen müssen, indem sie anderen Twitter-Mitgliedern folgen.

          Twitter hatte am Dienstag noch einige andere Neuigkeiten. So wurde die Akquisition von Tell Apart verkündet, einem Spezialisten für Werbetechnologien. Außerdem wurde eine Allianz mit dem Internetkonzern Google und dessen Werbeplattform Doubleclick bekannt gegeben. Die Partnerschaft soll es Doubleclick-Kunden erleichtern, Werbung auf Twitter zu schalten und deren Wirksamkeit zu messen. Erst vor wenigen Monaten ging Twitter eine andere Allianz ein, die Google direkten Zugang zu den Inhalten des Kurznachrichtendienstes verschaffen soll. Vor wenigen Wochen kamen außerdem zum wiederholten Male Gerüchte auf, wonach Google sogar am Kauf von Twitter interessiert sein könnte. Wie es damals hieß, will sich Twitter aber gegen einen mögliche Übernahme wehren und hat dafür die Bank Goldman Sachs angeheuert.

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