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Demnächst mit Direktverbindung : Alle fliegen auf Kuba

Havanna Bild: dpa

Die Vereinigten Staaten und Kuba vereinbaren die Genehmigung von bis zu 110 Linienflügen am Tag. Im Sommer könnte es losgehen.

          3 Min.

          Die Vereinigten Staaten und Kuba rücken enger zusammen: Führende amerikanische Fluggesellschaften wollen nach 50 Jahren wieder Linienflüge nach Kuba anbieten, nachdem der sozialistische Inselstaat und die Vereinigten Staaten am Dienstag die vertragliche Grundlage dafür geschaffen haben. Bisher dürfen die Airlines nur Charterflüge anbieten. Die Vereinbarung kam knapp ein Jahr nach der offiziellen Mitteilung des Präsidenten Barack Obama zustande, dass er die diplomatischen Beziehungen mit Kuba wieder aufnehmen werde.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Abkommen lässt mehr als 100 Hin- und Rückflüge täglich zwischen amerikanischen  und kubanischen Flughäfen zu. Die meisten Verbindungen werden zwischen Miami mit seiner großen kubanischen Gemeinde und Kubas Hauptstadt Havanna erwartet. Die Fluggesellschaften haben bis März Zeit, sich beim amerikanischen Transportmuseum um eine Flugerlaubnis zu bewerben. Das Ministerium hat schnelle Arbeit versprochen, so dass noch in diesem Jahr der Linien-Flugverkehr aufgenommen werden könnte, vielleicht sogar schon im Sommer.

          Die großen Fluggesellschaften American Airlines, United Airlines, Delta, Southwest  und JetBlue, von denen einige schon Erfahrungen im Chartergeschäft mit Kuba gesammelt haben, wollen sich um Linienlizenzen bewerben. Das Timing scheint exzellent zu sein. Erstmals seit Jahrzehnten ist Kuba für die Mehrheit der Amerikaner positiv besetzt. 54 Prozent finden das Land mindestens eher positiv, 40 Prozent mindestens eher negativ, hat Gallup ermittelt. Unter Republikaner-Wählern ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Drei Viertel lehnen Kuba ab.

          Der Vertrag erlaubt auch der staatlichen kubanischen Fluggesellschaft, Linienflüge zu amerikanischen Zielen aufnehmen, theoretisch zumindest. In der Praxis drohte den Kubaner, dass ihre Maschine beschlagnahmt würde, sobald sie amerikanischen Boden berührt. Denn zahlreiche Amerikaner sind vor dem Revolutionsführer Fidel Castro geflohen und von seiner Regierung enteignet worden. Sie kämpfen vor Gerichten - manchmal erfolgreich - um Entschädigungen. In den sechziger Jahren gelang es einem Werbemanager, ein Flugzeug, das Castro nach New York gebracht hatte, zu beschlagnahmen. Der Werbefachmann Erwin Harris sah sich damals um seinen Lohn für eine Kampagne zu Förderung der Tourismus in Kuba gebracht. Verhandlungen mit dem damaligen kubanischen Finanzminister Che Guevara hatten zu keinem Ergebnis geführt. Er habe dem Werbemanager ins Gesicht gelacht, berichtete Harris Ehefrau. 

          Die Kubaner allerdings verlangen Wiedergutmachung für die Sanktionen, ein dreistelliger Milliarden-Betrag erscheint zumindest einem kubanischen Gericht angemessen.

          Ungeachtet solcher Reibungsflächen kämpft das Weiße Haus weiter um Annäherung: Dafür schöpft es seine rechtlichen Möglichkeiten bis zur Neige aus, die privaten und kommerziellen Kontakte mit Kuba enger werden zu lassen, ohne im Grundsatz an den Sanktionen zu rühren. Denn deren Aufhebung kann nur der amerikanische Kongress beschließen, dessen republikanische Mehrheit keine Bewegung in diese Richtung zeigt. Die Sanktionen regeln zum Beispiel, dass der klassische Erholungstourismus untersagt bleibt. Bildungsreisen dagegen sind erlaubt, so nutzen zeitschriften- und Zeitungsverlage  wie National Geographic oder New York Times oder die Museumsgesellschaft Smithsonian, die  Möglichkeit, Bildungsbürger unter fachkundiger Führung nach Kuba zu bringen.   Zwölf Gründe lässt der amerikanische Gesetzgeber für Reisen nach Kuba gelten: Kongressbesuche, Wissenschaftlicher Austausch, Sportveranstaltungen, Kulturveranstaltungen, Hilfsprogramme, religiöse Begegnungen  oder von Nicht-Regierungsorganisationen veranstaltete  Begegnungen von Mensch zu Mensch  zählen als Begründung.  Gerade die letzte Kategorie eröffnet offenbar Möglichkeiten. So arbeiten erste Reiseveranstalter mit den Nicht-Regierungsorganisationen zusammen, die Begegnungen von Mensch zu Mensch ermöglichen.

          Hoffnungen machen sich nicht nur Fluggesellschaften. Schifffahrtsunternehmen warten auf die Genehmigung, den Fährverkehr von Miami nach Havanna aufzunehmen. Kuba baut gerade drei Terminals,  damit auch große Kreuzfahrtschiffe die Insel anlaufen können.  Der Privatbetten-vermarkter AirBnB ist schon länger vor Ort. Auch an anderer Stelle geht es voran: Zwei amerikanische Investoren haben jetzt die Erlaubnis erhalten, eine Fabrik für kleine Trecker in einer kubanischen Sonderwirtschaftszone zu errichten. In manchen Gegenden Kubas würden die Felder noch mit Ochsen bestellt, behauptet zumindest einer der beiden Investoren, der in Kuba aufgewachsene 72 Jahre alte Saul Behrenthal.

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