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Ärger wegen Homo-Ehe : PwC verbrennt sich die Finger

Die Gleichstellung der Homo-Ehe ist in Australien ein heißes Thema. Bild: dpa

Die Wirtschaftsprüfer haben berechnet, was eine Abstimmung über die gleichgeschlechtliche Heirat in Australien kosten würde. Und erzeugen einen Sturm der Entrüstung. Denn jeder weiß, dass PwC für die Homo-Ehe eintritt.

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          Ausgerechnet die Buchhalter und Rechnungsprüfer der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers haben es sich mit der konservativen Elite Australiens verdorben und gefährden ihren Ruf. Anstatt wie üblich nachzurechnen, zu beraten, zu prüfen und relativ belanglose Studien etwa über die Bedeutung des elektronischen Handels in Indien im Jahr 2030 herauszugeben, wagten sie sich auf vermintes Terrain: Sie studierten, wie teuer Australien eine Meinungsumfrage über die Heirat von Lesben und Schwulen zu stehen komme.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das „Plebiszit“, das für die Regierung nicht bindend ist, werde Australien mit Kosten von mehr als einer halben Milliarde Australischer Dollar belasten, errechnete PwC. So weit, so unklar. Die Analysten erklärten, die Abstimmung selber werde 158 Millionen Dollar kosten, 281 Millionen Dollar schlügen aufgrund von „vergebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten“ – die Menschen müssen am Samstag zur Wahlurne gehen – zu Buche. Und 20 Millionen Dollar werde die Gesellschaft die Belastung der Schwulen und Lesben durch den psychischen Druck einer Abstimmung über ihr Schicksal kosten. So steigen der Preis für das gesamte Verfahren und seine Folgen für die geschätzt eine Million Lesben und Schwulen in Australien auf 525 Millionen Australische Dollar (354 Millionen Euro). PwC beschrieb die Summe als „die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten“ eines solchen Verfahrens.

          Nun bricht ein Sturm los: Die Christliche Vereinigung Australiens (ACL) erklärt, PwC sei ein öffentlicher Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe. „Das Unternehmen ist kein objektiver Lieferant von Daten“. Ein Urteil, das vernichtend für einen der vier großen Wirtschaftsprüfungskonzerne der Welt ist. Die Leitartikler der konservativen Murdoch-Presse wetzen die Messer. Sie sind zum einen klar gegen die gleichgeschlechtliche Heirat eingestellt. Zum anderen werfen sie PwC vor, Unsinn ausgefertigt zu haben. „Dieser Bericht ist nur peinlich für PwC und deren Vorstandschef Luke Sayers. Das sind nichts als zurechtgebogene Zahlen mit dem einzigen Zweck, den Zielen einer Firma zu dienen, die für die gleichgeschlechtliche Heirat eintritt“, schäumt Janet Albrechtsen im konservativen The Australian. „Das ist blöder als blöde“, schreibt sie mit Blick auf die 20-Millionen-Dollar-Kosten, die PwC für den Psycho-Stress durch eine solche Abstimmung veranschlagt. „Sollten wir nicht einfach die Demokratie mit ihren Wahlen abschaffen? PwC behandelt die Australier wie Idioten.“

          Noch weiß niemand, warum die Wirtschaftsprüfer sich in die Niederungen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung begeben haben. Eine hässliche Vermutung aber liegt in der Tat nahe: Das Unternehmen ist gerade zum besten Arbeitgeber Australiens für Lesben und Schwule ernannt worden, zum zweiten Mal nach 2012, diesmal gefolgt von der Bank Westpac, der Curtin Universität, der Commonwealth Bank und Goldman Sachs. Und die Prüfer brachten ihre Untersuchung heraus, nachdem die Regierung die Kosten einer solchen – in Australien hoch umstrittenen – Abstimmung auf 158 Millionen Australische Dollar schätzte. Die Schwulen und Lesben selber stehen der Umfrage über ihr Schicksal natürlich ablehnend gegenüber. Zumal ihre Idee vom inzwischen abgewählten, konservativen Ministerpräsidenten Tony Abbott stammte. Sollte also PwC die Kosten hochgefahren haben, nur um damit zu erreichen, dass die Abstimmung über die Möglichkeiten der Homosexuellen gekippt wird, um Steuergelder zu sparen? Das wäre in der Tat einer weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht würdig.

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