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Öffentliche Bauvorhaben : Krach um das neue Olympiastadion in Tokio

Entwurf des neuen Olympiastadions in Tokio Bild: AP

Darf’s ein wenig teurer sein? Japan streitet um den Neubau des gewaltigen Olympiastadions für die Spiele im Jahr 2020. Die Stadt Tokio will sich an den Kosten von fast 2 Milliarden Euro nicht beteiligen.

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          Der Streit ist mindestens so groß wie das gewaltige und futuristische Stadion, das die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio entworfen hat und dessen Dachbögen sich 70 Meter hoch in den Himmel erstrecken sollen. Hauptdarsteller sind die Regierung und der Gouverneur der Metropolregion Tokio, Yoichi Masuzoe. Zankapfel sind das Stadion und die rasant steigenden Kosten, an denen die Metropolregion sich beteiligen soll. Masuzoe blockt, spricht von „lächerlichen“ Forderungen und von absurden und korrupten Entscheidungsprozessen im Sport.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Eine kurze Historie im Überblick: Ursprünglich sollte der gewaltige Bauentwurf, bei dem sich an zwei 370 Meter langen Bögen ein Schiebedach wie eine Schildkröte über die 80.000 Sitzplätze wölbt, einmal 130 Milliarden Yen (rund 900 Millionen Euro) kosten. Dann stiegen die erwarteten Kosten auf bis zu 300 Milliarden Yen (2,2 Milliarden Euro), weil angeblich das Baumaterial teurer würde. Modifikationen des Plans führten zu einer immer noch vorläufigen Rechnung von 163 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Euro). Die Regierung erwog zeitweise, auf das Schiebedach des Stadiums vorerst zu verzichten, um die Kosten zu senken und um mit dem Bau noch rechtzeitig bis zur Rugby-Weltmeisterschaft 2019 fertig zu werden. Zuletzt schwirrten Gerüchte über andere Architektenvorschläge für den Prestigebau herum.

          Das war gestern. Japanische Medien berichten, dass die Regierung nun doch wieder den originalen Entwurf mit dem Bogendach angehen wolle. Der Preis der Wahl: Die Kosten steigen von 163 Milliarden auf 250 Milliarden Yen (1,8 Milliarden Euro). Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, heißt es abschwächend. Doch kommende Woche soll der Plan der Metropolregion Tokio präsentiert werden.

          Weltkriegsvergleiche

          Dann geht der Streit mit Gouverneur Masuzoe wohl in die nächste Runde. Im Mai hatte die Regierung verlangt, dass Tokio sich mit 50 Milliarden Yen (360 Millionen Euro) an den Kosten beteiligen solle. Masuzoe konterte, es sei lokalen Regierungen gesetzlich verboten, nationale Bauprojekte zu finanzieren. Er warf der Regierung Verrat vor und verglich sie mit der kaiserlichen Armee, die die Niederlage im Zweiten Weltkrieg auch dementiert habe.

          Für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe sind die olympischen Spiele ein Prestigeprojekt. Abe sucht jede Chance, um die wirtschaftliche Starre zu überwinden. Olympia soll Touristen ins Land holen und den Japanern Optimismus einimpfen. Abe hat sich schon die Stelle eines Olympiaministers genehmigen lassen, der die Spiele vorbereiten soll. Der Entwurf des Olympiastadions stößt dabei in Japan nicht nur wegen der Kostenexplosion auf Kritik. Bekannte Architekten monieren, dass der gewaltige Bau mitten im Stadtteil Shinjuku der Umgebung Gewalt antue.

          Derweil räumen in Tokio Bagger den Schutt des alten Olympiastadions beiseite, das als sympathisch schlichter Bau mit 54.000 Sitzen in den Olympischen Spielen in Tokio 1964 glänzte. Schon im Oktober will die Regierung dort mit dem Neubau beginnen, gegen den das alte Stadium fast zwergenhaft anmutet. Der Abriss der historischen Sportarena ist mit Kosten von 6,7 Milliarden Yen (48 Millionen Euro) veranschlagt. Bislang ist wenigstens von Kostensteigerungen dafür nichts zu hören gewesen.

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