https://www.faz.net/-gqe-7spun

Korruptionsverdacht : China entledigt sich kritischer Berater im Monopolstreit

Qualcomm steht unter Korruptionsverdacht. Bild: AP

Ein anerkannter chinesischer Wettbewerbsexperte soll von dem Chiphersteller Qualcomm bestochen worden sein. Doch das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Mehr als tausend Firmen werden laut chinesischen Medien wegen des Verdachts auf Korruption überprüft.

          2 Min.

          Nun laufen die beiden großen Strömungen in Chinas Wirtschaftsleben zusammen: Einer der führenden Berater der Anti-Monopol-Kommission der Regierung steht im Verdacht, Schmiergeld des amerikanischen Technologie-Konzerns Qualcomm genommen zu haben. Das Unternehmen wird seit Monaten wegen vermuteter Verstöße gegen das Monopol-Gesetz überprüft. Es steht damit in einer Reihe mit General Motors, Audi, BMW, Daimler oder Microsoft. Gegen Qualcomm ermitteln die Chinesen unter anderem mit Blick auf die Preisstellung von Chips für Mobiltelefone. Die staatliche Zeitung China Daily schreibt, „mehr als tausend“ Firmen würden überprüft – darunter auch chinesische.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nach Berichten der Staatsmedien in China erhielt der weltweit anerkannte Wissenschaftler Zhang Xinzhu „große Summen“ vom weltgrößten Hersteller für Chips für Smartphones. Zhang ist ein anerkannter Ökonom an der staatlichen Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Zugleich berät er das Anti-Monopol-Komitee im Staatsrat. Zhang selber antwortete auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nur: „Ich selber bin zu unbedeutend, die Maschinerie ist zu stark. Es bleibt nur Schweigen.“ Am Tag zuvor hatte er einer chinesischen Zeitung gegenüber erklärt, er habe seine Position im Staatsrat verloren, weil er „sich zu Gunsten von ausländischen Unternehmen geäußert“ habe.

          Bekannt ist nur, dass Zhang Qualcomm beim Erstellen einer Studie über die Preise für Lizenzen unterstützt hat. Diese stellte das Unternehmen im Mai der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) zur Verfügung. Sie ist eine der drei chinesischen Behörden, die sich mit den Monopol-Problemen beschäftigt. Zugleich hat Qualcomm Zhang wohl auch beim Verfassen wissenschaftlicher Literatur unterstützt, was aber offen gelegt wurde. Der Vorgang beleuchtet einmal mehr, auf welch dünnem Eis sich die ausländischen Unternehmen in China bewegen.

          So sagt die Qualcomm-Mitarbeiterin, die für die Beziehung zu Regierungen zuständig ist, sie verstehe das Problem nicht. „Wir waren sehr überrascht“ von Zhangs Absetzung und den Berichten in der chinesischen Presse, lässt sie sich zitieren. Qualcomm habe Zhang nicht direkt bezahlt, sondern ein Beratungsunternehmen engagiert, das dieses übernimmt. Diese Praxis allerdings erinnert an das Phänomen des „outsourcing of corruption“, in dem sich Firmen in schwierigen Ländern nicht mehr selber die Finger schmutzig machen, sondern die Bestechung an Logistiker, Anwälte oder Berater delegieren. „Es kam zu Ungenauigkeiten in der chinesischen Presse“, kritisiert die Qualcomm-Mitarbeiterin weiter. „Wir haben in Amerika die Global Economics Group engagiert, um eine Wirtschaftsanalyse zu erstellen, die der NDRC vorgelegt werden sollte. Professor Zhang arbeitete für Global Economics und war einer von drei Autoren der Studie.“ In der Tat steht Zhang auf der Internet-Seit von Global Economics als „Direktor“ mit der Expertise Wettbewerbspolitik aufgelistet.

          Qualcomms chinesischem Tochterunternehmen droht eine Rekordstrafe von bis zu einer Milliarde Dollar, sollten die Chinesen ihre Vorwürfe aufrecht erhalten. Die Europäische Handelskammer  hatte am Mittwoch erklärt, sie habe einige „alarmierende Fallbeispiele aus verschiedenen Industriesektoren erhalten, bei denen die Behörden versucht hätten, Firmen so einzuschüchtern, dass sie Strafen akzeptieren, ohne überhaupt vollständig angehört worden zu sein.“

          Weitere Themen

          Angela Merkel im Livestream Video-Seite öffnen

          Weltwirtschaftsform : Angela Merkel im Livestream

          Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf der virtuellen Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. Verfolgen Sie ihre Ansprache im Livestream.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson am 25. Januar in London mit einer Dosis des Corona-Impfstoffs von Astra-Zeneca

          Großbritannien und die EU : Auch ein Impfstoff kann Beziehungen vergiften

          Großbritannien fasst Überlegungen der EU, die Impfstoff-Ausfuhr zu kontrollieren, als Drohung auf – und als Bestrafung für Lieferprobleme von Astra-Zeneca. Diese könnten auch mit dem niedrigen Preis zusammenhängen.
          Schaulustige filmen in der niederländischen Stadt Haarlem mit Handys brennende Gegenstände, die Randalierer am 26. Januar in Brand gesetzt haben.

          Gewalt in den Niederlanden : Party machen und plündern

          Die gewaltsamen Ausschreitungen in den Niederlanden reißen nicht ab. Die Polizei braucht lange, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Unter die Randalierer haben sich auch Teenager gemischt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.