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Konnichiwa aus Tokio : Tepco, Fukushima und der Staat

Tokio mit dem Fuji Bild: AFP

Endlich will Japans Regierung die Vertuscher von Tepco in Fukushima nicht mehr alleine wurschteln lassen. Der Tepco-Aktie bekommt das nicht.

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          Langsam scheint es der japanischen Politik zu dämmern, dass sie die Aufräumarbeiten bei den havarierten Atomreaktoren in Fukushima nicht allein der Betreibergesellschaft überlassen kann. Die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), die eine lange Tradition darin haben, Pannen in ihren Atomkraftwerken zu vertuschen, sind nach Einschätzung der Regierung in Tokio nicht in der Lage, allein die wachsenden Probleme mit stark radioaktiv verseuchtem Kühl- und Grundwasser in den Griff zu bekommen. Industrieminister Toshimitsu Motegi kündigte jetzt in Tokio an, dass sein Ministerium sich stärker einmischen werde – gut zwei Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Motegi will im Etat seines Ministeriums im kommenden 12,5 Milliarden Yen (knapp 100 Millionen Euro) für die Aufräumarbeiten bereitstellen, 44 Prozent mehr als in diesem Jahr. Davon sollen nicht nur Sperren finanziert werden, die verhindern, dass täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die Untergeschosse der zerstörten Atomreaktoren eindringen, sich dort mit dem hoch radioaktiv belasteten Kühlwasser mischen und zum großen Teil nahezu ungehindert in den Pazifik fließen.

          Auch Roboter, die in den Reaktoren eingesetzt werden können, in denen es zur Kernschmelze gekommen ist, sollen von dem Geld entwickelt werden. Tepco hatte noch im Juni behauptet, die Lage auf dem Gelände unter Kontrolle zu haben. Im Juli wurde dann bekannt, dass seit mindestens zwei Jahren rund 300 Tonnen belastetes Wasser Tag für Tag in den Pazifik fließen.

          Tepco-Aktie verliert rund 30 Prozent

          Die Regierung ist noch stärker unter Druck geraten, nachdem vor gut einer Woche ein Leck in einem der hunderte Tanks bekannt geworden ist, in dem Tepco das radioaktiv belastete Kühlwasser lagert. Mittlerweile wurden weitere Lecks gemeldet. „Dieses Problem zu lösen, dürfte schwierig werden, wenn wir es allein Tepco überlassen“, sagt Motegi jetzt.

          Die Regierung, die zumindest einige der nach der Katastrophe in Fukushima abgeschalteten 50 japanischen Atomreaktoren so schnell wie möglich wieder ans Netz gehen lassen will, fürchtet, dass die Pannen bei Tepco den Widerstand gegen die Atomkraft stärken. Dabei war Motegis Ministerium, das enger mit der Atomloby verknüpft ist als jede andere staatliche Stelle in Japan, durchaus in der Lage, schon früher ein kritisches Auge auf die Misstände in Fukushima zu werfen. Kontrolle hat bislang öffentlich sichtbar allenfalls die neue Atomaufsicht geübt – die seit kurzem erst unabhängig vom Industrieministerium agiert.

          Die japanische Regierung hat bis jetzt fast drei Billionen Yen ausgegeben (rund 23 Milliarden Euro), um Tepco bei Entschädigungszahlungen und den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Kontrolle hat die Regierung im Gegenzug kaum gefordert. Die Aktie des Unternehmens befindet sich seit Bekanntwerden der neuen Pannen fast im freien Fall. Allein in den vergangenen sechs Handelstagen hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren.

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